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.. den Internationalen Währungsfonds

28. Mai 2008

Ob Schuldenerlass, Nahrungsmittelpreise oder Finanzkrise: Bei wichtigen Wirtschaftsfragen hat auch der Internationale Währungsfonds viel zu sagen und entscheiden.

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Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist eine der mächtigsten Finanzinstitutionen der Welt mit Sitz in der US-Hauptstadt Washington DC. Die Sonderorganisation der Vereinten Nationen wurde am 22. Juli 1944 zusammen mit der Weltbank gegründet. An diesem Tag beschlossen 44 Staaten auf der Konferenz von Bretton Woods im US-Bundesstaat New Hampshire, ein möglichst stabiles Währungssystem zu errichten. Damals tobte noch der Zweite Weltkrieg, doch am Verhandlungstisch einte die Staatenlenker ein gemeinsames Ziel: den Welthandel nach den Wirren der Weltwirtschaftskrise durch feste Wechselkurse zu stabilisieren und von Handelsbarrieren zu befreien.  

Ursprünglich begrenzte der IWF die Schwankungen der Wechselkurse, indem der Dollar an Gold gekoppelt wurde. In den 1970er Jahren wurden die festen Wechselkurse jedoch abgeschafft. Preisverhältnisse von Währungen regeln sich seitdem weitgehend frei über Devisenmärkte. Zeiten ändern sich. Seine wichtigste Rolle sieht der Währungsfonds deshalb heute darin, die Wirtschaft in Entwicklungsländern zu unterstützen: Er entwickelt Wirtschaftskonzepte und vergibt Kredite, allerdings unter oft strengen Reformauflagen für die Nehmerländer. Der IWF fördert außerdem die internationale Zusammenarbeit in der Währungspolitik, überwacht die Geldpolitik, will den Welthandel ausdehnen und Handelsbeschränkungen beseitigen. 

Um diese Ziele zu erreichen, beschäftigt der IWF etwa 2700 Mitarbeiter aus 165 Staaten, vorwiegend Volkswirte, Statistiker, Forscher sowie Wirtschafts- und Finanzexperten. Geleitet wird der IWF von einem geschäftsführenden Direktor. Nach einer informellen Vereinbarung zwischen den USA und einigen westeuropäischen Ländern ist der Direktor des IWF immer ein Europäer, während die einflussreiche Position des ersten stellvertretenden Direktors von einem US-Amerikaner besetzt wird. 

Zu den in Deutschland bekanntesten IWF-Bossen zählt Horst Köhler. Im Jahre 2000 hatte es mit ihm erstmals ein Deutscher an die Spitze des Währungsfonds geschafft. Als Köhler 2004 zurücktrat, um Bundespräsident zu werden, nahm der ehemalige spanische Wirtschaftsminister Rodrigo de Rato den Chefsessel ein. Im Oktober 2007 legte de Rato aus privaten Gründen sein Amt vorzeitig nieder. Seitdem leitet der frühere französische Finanzminister Dominique Strauss-Kahn die internationale Großbehörde. 

Zurzeit hat der IWF 185 Mitgliedsländer. Wer beitreten will, zahlt eine gewisse Geldsumme als eine Art Einlage, die sogenannte Quote. Quoten sind zum einen Geldreserven, auf die der Fonds zurückgreifen kann, um Kredite zu gewähren. Je mehr ein Mitgliedsland einzahlt, desto mehr kann es sich borgen oder durch die sogenannten Sonderziehungsrechte als Gutschrift erhalten. Außerdem entscheiden Quoten über die Stimmrechte der Länder. Prinzipiell gilt: Je reicher das Land, desto höher die Quote. Zu den mächtigsten Mitgliedsstaaten zählen daher die USA, Japan, Deutschland, Frankreich und Großbritannien.  

Seit Gründung des IWF haben die Industrieländer des Westens eine klare Mehrheit der Stimmrechte. Kleine westeuropäische Länder wie Belgien oder die Niederlande haben dadurch bisher mehr Gewicht als etwa die boomende asiatische Regionalmacht Indien.Inzwischen hat die Finanzinstitution auf die Verschiebung der wirtschaftlichen Machtverhältnisse reagiert. Im April 2008 verabschiedete der IWF eine Reform, die Schwellen- und Entwicklungsländern etwas mehr Einfluss einräumt. Bereits im September 2006 waren die Quoten einzelner aufstrebender Wirtschaftsnationen wie China oder Mexiko erhöht worden. 

Wenn Sie demnächst Volkswirte über den IWF diskutieren hören, sagen Sie, dass sich auch große und alte Institutionen an tiefgreifenden wirtschaftlichen Wandel anpassen.

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