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… den Realzins

4. Juni 2008

Der Realzins ist negativ – nicht nur als Ausreißer, sondern offenbar dauerhaft und in den großen Wirtschaftsnationen der Welt, wie den USA und China.

 
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Negativ kann der Realzins gar nicht werden, hieß es an der Universität. In manchen Modellen ist der Realzins die Rentabilität der Maschinen, und die würde man in so einem Fall ja abstellen. Kann also nicht sein.
 
Oder der Realzins ergibt sich aus der Vorliebe für heutigen Genuss gegenüber künftigem – ein wichtiger Glaubenssatz der Ökonomie. Wäre er negativ, wollten die Menschen lieber morgen als heute konsumieren, was auch nicht sein kann.
 
Es scheint doch zu gehen. Derzeit liegen in vielen Ländern der Welt die Leitzinsen niedriger als die Inflationsrate, vor allem in den USA: Leitzins bei zwei, Inflation fast bei vier Prozent. In fast einem Dutzend Ländern Asiens liegt die Inflation inzwischen ebenfalls höher als der Leitzins. Das gleiche gilt für fast die Hälfte der Länder der Euro-Zone.
 
Der Realzins ist also der Zinssatz, der dem Gläubiger nach Abzug des Kaufkraftverlustes des Geldes bleibt. Ist etwa der Sparzins niedriger als die Inflation, lohnt sich das Sparen eigentlich nicht: Man hat am Ende weniger als vorher. Dennoch kann es sinnvoll sein, weil ja auch reale Gegenstände meist an Wert verlieren. 
 
Streng genommen sollte man für den aktuellen Realzins vom aktuellen nominalen Zins die künftige Inflationsrate abziehen, also die Inflationserwartungen. Diese kann man natürlich nur schätzen.
 
Außerdem spielt bei längerfristiger Betrachtung die Berechnung der Inflationsrate eine wichtige Rolle. Viele Fachleute vermuten, dass die offizielle Rate zu niedrig liegt, weil Qualitätsverbesserungen von Gütern allzu großzügig veranschlagt werden. Das hieße, dass der Realzins in Wirklichkeit noch niedriger ist als aus den offiziellen Zahlen hervorgeht.
 
Wenn Sie wieder einmal mit Ökonomen über den Realzins reden, dann fragen Sie doch mal, wie lange der Realzins eigentlich negativ bleiben kann.
 
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