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… Produktivität

11. Juni 2008

Oft heißt es, ein bestimmtes Land oder Unternehmen habe seine Produktivität gesteigert. Wie man sie misst, was sie aussagt und welche Nationen dabei besonders stark abschneiden.

 

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Produktivität ist eine Kennzahl für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. In der Ökonomie bezeichnet sie das Verhältnis zwischen hergestellten Gütern und den dafür eingesetzten Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital. Höhe und Wachstum der Produktivität fließen als Schlüsselgrößen in viele nationale und internationale Vergleichsstudien ein.

Je nach Zweck und Datenlage stehen verschiedene Wege zur Auswahl, um Produktivität zu messen. Zu den meist genutzten Maßen zählt die sogenannte Stundenproduktivität. Sie gibt an, wieviel ein Erwerbstätiger im Schnitt pro Arbeitsstunde zum preisbereinigten Bruttoinlandsprodukt beisteuert. Daneben wird die Arbeitsproduktivität oft auch als Pro-Kopf-Produktivität gemessen, also als preisbereinigtes Bruttoinlandsprodukt pro Erwerbstätigen.

Insgesamt gilt die Stundenproduktivität als aussagekräftiger, weil flexible Arbeitsverhältnisse wie Teilzeit-, Mini- oder Ein-Euro-Jobs zunehmen. Für den Produktionsfaktor Kapital lässt sich ebenfalls berechnen, wieviel er zur Wirtschaftsleistung beiträgt. Nach OECD-Angaben machte der Kapitaleinsatz zwischen 1985 und 2006 rund ein Drittel des Wirtschaftswachstums aus.

Das Wachstum kann jedoch nicht allein durch den Einsatz von Arbeit und Kapital erklärt werden. Es bleibt ein Rest. Diesen Teil der Wachstumsrate nennt man totale Faktorproduktivität. Sie wird auch als Maß für den technischen Fortschritt verstanden, der das Wachstum unabhängig von den Produktionsfaktoren antreibt.

Im internationalen Vergleich gehört Deutschland zu den hoch produktiven Nationen, ohne jedoch einen Spitzenposition zu erklimmen. Nach OECD-Schätzungen erwirtschaftete ein Erwerbstätiger im Jahr 2006 hierzulande 47 Dollar pro Arbeitsstunde. Den ersten Platz belegte Luxemburg (72,2 Dollar), dicht gefolgt von Norwegen (71 Dollar). Auf die Ränge drei und vier schafften es Belgien (52,6 Dollar) und Irland (51,6 Dollar). Im Schnitt brachten es die Länder der Euro-Zone auf 43,3 Dollar pro Erwerbstätigenstunde.

Auch das Wachstum der Arbeitsproduktivität unterscheidet sich in den 30 OECD-Ländern deutlich. Während Ungarn, die Slowakische Republik und Korea Zuwächse von bis zu fünf Prozent erreichten, konnten Italien und Mexiko nur um weniger als 0,5 Prozent zulegen.

Insgesamt gilt: Wer wirtschaftliche Situationen richtig beurteilen und vergleichen will, muss neben der Produktivität auch die Lohnkosten berücksichtigen. Denn eine vergleichsweise niedrige Produktivität kann sich beispielsweise bei sehr niedrigen Stundenlöhnen stärker rentieren als eine hohe Produktivität gepaart mit noch höheren Löhnen. 

Wenn Sie jemanden über Produktivität reden hören, haken Sie nach: Welche ist überhaupt gemeint?

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