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… Direktinvestitionen

9. Juli 2008

Direktinvestitionen gelten als ein wichtiges Merkmal der Globalisierung. Sie belegen auch, wie Entwicklungs- und Schwellenländer immer stärker in die Weltwirtschaft integriert werden.

 

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Eine Direktinvestition (Foreign Direct Investment; FDI) ist eine finanzielle Beteiligung eines Investors an einem Unternehmen in einem anderen Land. Meistens geht es dem Investor darum, sich einen dauerhaften Einfluss auf die Geschäftspolitik der anderen Firma zu sichern.  Unternehmen investieren aus verschiedenen Gründen ihr Kapital im Ausland. Sie können sich so eigene Rohstoffquellen sichern, neue Absatzmärkte erschließen, von billigen Arbeitskräften profitieren, ihre Produktion verlagern.

Direktinvestitionen gelten als wichtiger Indikator für die Globalisierung. Sie bilden ab, wie stark Volkswirtschaften ökonomisch miteinander verflochten sind. Im Jahr 2006 stieg der Zufluss der grenzüberschreitenden Direktinvestitionen um 38 Prozent – auf 1306 Milliarden Dollar. Im Jahr 2007 tätigten allein die Unternehmen der 30 OECD-Mitgliedstaaten grenzüberschreitende Investitionen in Höhe 1820 Milliarden – 50 Prozent mehr als im Vorjahr.

Der Anstieg der weltweit steigenden Direktinvestitionen wurde teilweise von wachsenden Unternehmensgewinnen und dadurch kletternden Aktienkursen getrieben. Sie erhöhen den Wert der Fusionen und Übernahmen, die einen großen Anteil an den globalen Investitionsflüssen haben. In den letzten Jahren und Jahrzehnten wurden auch viele Entwicklungs- und Schwellenländer zunehmend in die Weltwirtschaft einbezogen. Gleichzeitig öffneten sie sich für internationale Kapitalzuflüsse. Ausländische Direktinvestitionen machen den größten Teil an diesen externen Kapitalströmen aus.

Im Jahr 2006 zogen Entwicklungsländer 380 Milliarden, Schwellenländer 69 Milliarden Dollar aus dem Ausland an – mehr als je zuvor. Zu den attraktivsten Ländern zählten dabei China (69 Milliarden), Hong Kong (43 Milliarden), Singapur (24 Milliarden) und Indien (17 Milliarden). Heiß begehrt bei den Konzernen sind generell Länder mit reichen Rohstoffvorkommen. Durch ihre Beteiligungen bringen multinationale Konzerne auch neue Technologien, Wissen und verbesserten Marktzugang in diese Länder. So werden Direktinvestitionen zu einem Motor der Entwicklung.

Noch dominieren die großen Weltkonzerne der Industriestaaten im Kosmos der ausländischen Direktinvestitionen. Doch durch den Aufstieg einzelner Schwelllen- und Entwicklungsländer ändert sich das Bild. Auf der Liste der 100 größten Unternehmen außerhalb der Finanzbranche tummeln sich immer mehr Firmen aus Entwicklungsländern. Zwischen 2004 und 2005 stieg ihre Zahl von fünf auf sieben. Und zwischen 1992 und 2007 ist die Zahl der transnationalen Unternehmen von 4000 auf 31000 gestiegen – schneller als die der Industriestaaten.

Sagen Sie bei der nächsten Diskussion über Globalisierung, dass man auch an Direktinvestitionen gut ablesen kann, wie sich die Kräfteverhältnisse in der Weltwirtschaft verschieben.

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