Startseite > Chefökonom > … Insolvenzen

… Insolvenzen

16. Juli 2008

Angesichts der Rekordpreise für Energie und Rohstoffe fürchten sich tausende Unternehmen in Deutschland vor der Pleite. Was eine Insolvenz ausmacht, wen sie trifft und welche Auswege es aus der Krise gibt.

 

*

In den vergangenen Tagen kletterte der Ölpreis über die Marke von 145 Dollar je Barrel (159 Liter). Superbenzin kostete erstmals 1,60 Euro. Nicht nur Autofahrer geraten unter Druck. Mehrere Branchen warnen angesichts der hohen Energie- und Rohstoffpreise sogar vor Insolvenzen.

Bei Insolvenz kann ein Unternehmen oder eine Person die fälligen Zahlungsverpflichtungen nicht erfüllen. Als Gründe kommen akute oder drohende Zahlungsunfähigkeit sowie Überschuldung in Frage. In Deutschland häuften sich im Jahr 2007 durch Insolvenzen von Unternehmen und natürlichen Personen Forderungen von insgesamt 31,5 Milliarden Euro an.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts traten im Jahr 2003 rund 40.000 Unternehmen den Gang zum Insolvenzrichter an – so viele wie noch nie. Seit Anfang 2005 hat sich die Situation verbessert; 2007 sanken die Insolvenzen mit rund 29.000 Fällen auf den niedrigsten Stand seit 2001. Die meisten Pleiten betreffen kleine oder mittlere Firmen.

Im europäischen Vergleich der EU-15 rangiert Deutschland im oberen Mittelfeld. Im Jahr 2007 gingen nach Angaben der Wirtschaftsauskunftei Creditreform von 10.000 Firmen 90 Pleite. Das liegt zwar über dem europäischen Durchschnitt von 67 pro 10.000 existente Unternehmen. Vorzeigeländer wie Norwegen, Schweden und Schweiz weisen jedoch ebenfalls ähnlich hohe Insolvenzquoten auf. Am schlechtesten sieht es in  Luxemburg (256 Insolvenzen pro 10.000 Unternehmen), Österreich (240) und Frankreich (166) aus.

In Deutschland sind dafür immer mehr Verbraucher mit ihrer finanziellen Situation überfordert. Für das Jahr 2007 meldeten die Amtsgerichte über 105.000 Verbraucherinsolvenzen – neun Prozent mehr als im Vorjahr. Einschließlich der Insolvenzen anderer natürlicher Personen – dazu zählen Ex-Selbstständige, Gesellschafter größerer Unternehmen sowie  Nachlassinsolvenzen – mussten die Gerichte im Jahr 2007 rund 164.000 Insolvenzfälle bewältigen. Damit hat sich die Zahl der Insolvenzanträge seit 1999 fast verfünffacht.

So dramatisch eine Insolvenz auch ist, so eröffnet sie vielen Unternehmen und Bürgern auch die Perspektive für einen Neuanfang. Nach der 1999 eingeführten Insolvenzordnung können die Geschäfte weiterlaufen und der Betrieb saniert werden, sofern dies der Insolvenzverwalter für möglich und sinnvoll hält. Stimmen die Gläubiger mehrheitlich zu, wird das Unternehmen so entschuldet.

Nach neuem Recht können auch Verbraucher einen Antrag auf Insolvenz stellen. Redliche Schuldner können sechs Jahre nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens ihre alten Verbindlichkeiten los sein (Restschuldbefreiung). Früher hatten Privatpersonen dazu praktisch keine Chance – ein Leben an der Pfändungsgrenze war programmiert.

Sagen Sie, eine Insolvenz sei zwar ein großer Rückschlag, aber nicht unbedingt das finanzielle Ende.

Advertisements