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Klimaschecks – die Folgen

31. Juli 2008

Auf die Idee, Klimaschecks zu verschicken, gab es eine Menge positiver Reaktionen und (meist) anregende Kritik, nicht nur hier im WirtschaftsWunder. Der Vorschlag hat immerhin auch den Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) animiert, zu reagieren, ebenso wie Peter Bofinger aus dem Sachverständigenrat.

Intelligente Provokation

„Die Idee, mit Klimaschecks den Absatz nachhaltig hergestellter Produkte anzukurbeln, ist durchaus pfiffig. Dieses Format könnte zum Beispiel aus den Auktionserlösen für Emissionszertifikate finanziert werden. Klimaschecks sind allerdings keine strategische Lösung für die Probleme, die wir in diesem Jahrhundert zu bewältigen haben: Bis 2050 muss der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen mindestens (!) halbiert werden, wenn wir unbeherrschbare Folgen des Klimawandels wie den Kollaps des grönländischen Eisschilds noch vermeiden wollen. Bis zum Ende des Jahrhunderts müssen die Emissionen sogar praktisch auf null gesenkt werden. Dieser Herausforderung werden wir nur mit einer grundsätzlichen Transformation unseres industriellen Metabolismus begegnen können.

Klimaschecks (beziehungsweise allein schon die Überlegungen dazu) könnten aber als intelligente Provokation einen wichtigen Beitrag leisten. Denn während weltweit mehr und mehr politische Entscheidungsträger feste Klimaschutzziele ins Auge fassen, verzeichnen wir in einem entscheidenden Bereich Stillstand: dem privaten Konsum. Gutschriften für klimafreundliches Einkaufen könnten die weitverbreitete Fantasielosigkeit aufbrechen, mit der in Industrienationen nachgefragt wird, mit der aber auch die Angebotspaletten zusammengestellt werden. Klimaschecks wären für träge Konsumenten und Produzenten zwar nur als Nadelstich zu spüren. An der richtigen Stelle angesetzt kann ein Nadelstich aber eine Menge bewirken.“

Prof. Hans Joachim Schellnhuber, Direktor Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Schecks als Mittel der Wahl

Wenn sich die konjunkturelle Situation noch weiter eintrübt, sind Steuerschecks das Mittel der Wahl. Sie könnten genau dann zur Wirkung kommen, wenn die privaten Haushalte mit hohen Nachzahlungen für ihre Nebenkosten konfrontiert werden. Anders als Steuersenkungen führen die Schecks für den Staat nur zu einmaligen und nicht zu dauerhaften Einnahmeverlusten.

Wenn man die Schecks an alle Sozialversicherungspflichtigen abgibt, haben sie eine deutlich größere Breitenwirkung als Änderungen beim Steuertarif, von denen Menschen mit niedrigen Einkommen überhaupt nicht profitieren würden. Bei diesen ist auch das Risiko sehr gering, dass sie das Geld sparen würden.

„Klimaschecks“ haben den zusätzlichen Vorteil, dass mit ihnen ein Beitrag zum effizienteren Umgang mit Energie erreicht wird. Allerdings wären sie für Geringverdiener wenig attraktiv und würden deshalb voraussichtlich ungenutzt bleiben. Deshalb könnte man daran denken, dass jedem Haushalt ein Wahlrecht eingeräumt wird: Er kann statt eines regulären Schecks auch einen Klimascheck bekommen, der dafür über einen doppelt so hohen Betrag lautet.

Prof. Peter Bofinger, Mitglied des Sachverständigenrats, Würzburg

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