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Aufsteiger-Check: Indien

12. August 2008

Im Gegensatz zu Russland und China lässt der Preisdruck in Indien bisher nicht nach. Damit erhöht sich die Gefahr einer Wachstumsabschwächung in Indien. Die Zentralbank rechnet nur noch mit 8 Prozent Wachstum im laufenden Fiskaljahr – das wäre der schwächste Zuwachs seit vier Jahren.

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Der Output der indischen Industrie stieg im Juni um 5,9 Prozent an. Vor allem die Exporte legten wieder stärker zu – um 23,6 Prozent, nach einem Anstieg von 12,9 Prozent im Vormonat.

Obwohl das indische Wachstum in starkem Maße von der heimischen Nachfrage getrieben ist, spielen Exporte dennoch eine wichtige Rolle. Vor allem die USA als wichtigster Exportpartner, auf den 15,1 Prozent der gesamten indischen Ausfuhren fallen, ist hier von Bedeutung. Umso beachtlicher ist der indische Exportanstieg im Juni, wo doch die US-Konjunktur derzeit schwächelt. Angesichts der wenig rosigen Aussichten für die US-Wirtschaft im zweiten Halbjahr sehen jedoch auch indische Exporteure nach Meinung vieler Volkswirte schlechten Zeiten entgegen.

  

Auf die Konsumenten als Ersatz für nachlassende Auslandsnachfrage können sich die indischen Firmen in den kommenden Monaten wohl auch nicht wirklich stützen. Die Inflation lag in der Woche bis zum 26. Juli bei 12,01 Prozent auf Jahressicht – doppelt so hoch wie das offizielle Inflationsziel der indischen Notenbank. Im Gegensatz zu Ländern wie China und Russland, wo die Inflation nach Ansicht vieler Experten ihren Höhepunkt bereits überschritten hat, wird damit in Indien erst im Laufe der nächsten Monate gerechnet. Die Folge: eine weitere Verschärfung der Kreditbedingungen und letztendlich weniger Ausgaben von Seiten der indischen Verbraucher.

An dieser Stelle analysieren wir jeden Dienstag die aktuelle Lage in einem der großen Schwellenländer: China, Russland, Indien und Brasilien. Nächste Woche: Brasilien.

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