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[Nobelpreisträgertreffen Lindau] Ein etwas optimistischerer Blick auf die Finanzkrise

24. August 2008

Die Finanzkrise dürfte früher vorbei sein, als so mancher Schwarzmaler derzeit vorhersagt, sagte Robert Solow am Rande der Tagung, die gestern endete. Bisher habe sich die Krise des Finanzsektors nur wenig auf den Rest der US-Wirtschaft ausgewirkt. Wenn es so bleibe, können die USA eine Rezession oder eine Depression vermeiden.

So fielen auf der Tagung besonders Joseph Stiglitz und andere mit ihren Prognosen auf, dass die Turbulenzen noch bis 2010 anhalten werden. Auch Fed-Chef Ben Bernanke äußerte am Wochenende seine Sorgen um die Stabilität des Finanzsystems. Dagegen schätzt Solow die Gefahr geringer ein, dass die Finanzkrise die Probleme auf dem Immobilienmarkt und damit den Abschwung der Gesamtwirtschaft drastisch verschärfen.

Zwar habe das Finanzsystem den Immobilienboom, der bis vor gut zwei Jahren noch anhielt, erst geschaffen. „Doch Finanzkrise und Immobilienkrise sind jetzt unabhängig von einander“, sagte er. Es gebe gute Aussichten, dass die Finanzkrise langsam abflaut, dass die Banken ihre ausgelagerten Risiken abbauen und auch die Kreditvergabe wieder ausweiten. „Sicherlich werden einige Banken ihr Kapital erhöhen müssen“, sagte Solow „Ich denke, die Finanzturbulenzen werden zwar noch nicht im zweiten Halbjahr vorbei sein, aber sie werden nur wenig länger anhalten.“
 
Dann dürften die Effekte auf das US-Wachstum begrenzt bleiben. „Bisher haben wir noch keine Rezession gesehen“, sagte Solow. „Und es ist auch unwahrscheinlich, dass es zwei Jahre lang eine Depression geben wird.“ Die bisherige Wachstumsverlangsamung lasse sich recht gut mit der Häuserkrise erklären. Zudem hätten die Exporteure dank der Dollarschwäche das Wachstum gestützt.

Selbst Solow gab sich aber nicht übermäßig zuversichtlich, denn seiner Meinung dürfte es wohl noch zwei Jahren dauern bis das Überangebot an Immobilien in den USA abgebaut ist. „Die US-Wirtschaft muss aber nicht warten bis die Immobilienkrise vorbei ist, um zu wachsen. Sie kann einen Stimulus auch von Konsumausgaben oder den Unternehmensinvestitionen in Maschinen und andere Anlagen erhalten.“ Daher sei es realistisch, dass sich das Wachstum in den nächsten zwei Jahren bei einem halben bis einen Prozent einpendelt, sagte Solow.

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