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… Mitarbeiterbeteiligung

28. August 2008

Schon lange diskutieren Politiker, wie Arbeitnehmer mehr am Erfolg der Unternehmen teilhaben können. Die Bundesregierung will nun Mitarbeiterbeteiligungen stärker staatlich fördern. Dabei ist das Konzept nicht für alles Betriebe gleich gut geeignet.

 
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Nach den Plänen des Bundeskabinetts können sich Arbeitnehmer in Zukunft sowohl direkt an ihrem Unternehmen beteiligen als auch indirekt über spezielle Fonds – etwa einzelner Branchen. Wer Kapitalanteile an der eigenen Firma kauft, soll mit einem höheren steuer- und abgabenfreien Maximalbetrag von 360 Euro jährlich gefördert werden. Bisher liegt die Grenze bei 135 Euro. Außerdem soll die Arbeitnehmer-Sparzulage von 18 auf 20 Prozent, die Einkommensgrenzen auf 20.000 Euro für Ledige und auf 40.000 Euro für Verheiratete steigen. Auf Seiten des Staates führt die Förderung zu Steuerausfällen.

Bei Mitarbeiter-Kapitalbeteiligungen halten Arbeitnehmer also vertraglich fixiert und dauerhaft Anteile am Unternehmenskapital. Sie können ein Bestandteil des Lohns und Gehalts sein, sich aus dem Privatvermögen speisen, sich in vermögenswirksame Leistungen, Zinsen oder Ausschüttungen niederschlagen. Im Gegensatz zu einer Erfolgsbeteiligung riskiert ein Arbeitnehmer unter Umständen, sein Geld zu verlieren.

Neben dem Risiko bieten sich jedoch auch wesentliche Vorteile. Personalchefs setzen darauf, so die Motivation und damit die Leistung ihrer Mitarbeiter anzuheizen. Sie hoffen auf noch bessere Arbeitsergebnisse, weniger Fehlzeiten und seltenere Stellenwechsel. Politiker erwarten, die auseinander klaffende Schere zwischen wachsenden Firmengewinnen und kaum steigenden Löhnen und Gehältern etwas zu schließen.

In Deutschland sind Mitarbeiter-Beteiligungen bisher wenig verbreitet. Gut zwei Millionen Arbeitnehmer sind mit rund 13 Milliarden Euro an 3750 Unternehmen beteiligt. In der Praxis macht es einen großen Unterschied, ob es sich um kleine oder große Firmen handelt. In kleinen Betrieben entsteht eher ein Wir-Gefühl der Belegschaft. Andererseits sind sie häufig auf Hauptgesellschafter zugeschnitten, die ihren großen Einfluss nicht eingeschränkt sehen wollen.

Es gibt zwei Varianten: Die Eigenkapital- und die Fremdkapitalbeteiligung. Im ersten Fall profitieren Mitarbeiter von möglichen Gewinnen, müssen aber auch eventuelle Verluste einstecken. Bei Personengesellschaften ist das oft aus gesellschafts- und steuerrechtlichen Gründen nicht sinnvoll. In einer offenen Handelsgesellschaft (OHG) gilt  unbeschränkte Haftung. Sich als Kommanditist an einer Kommanditgesellschaft (KG) zu beteiligen kommt aus steuerlichen Gründen nicht in Frage.

Bei den Kapitalgesellschaften gilt die Beteiligung am Eigenkapital einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) nur als eingeschränkt geeignet, gerade wegen aufwendiger Formvorschriften. Die Aktiengesellschaft (AG) hingegen bietet sich als attraktives Modell an. Sie ist leicht veräußerbar, Anteilseigner haften nur in Höhe ihrer Beteiligung. Bei der zweiten Variante, der Fremdkapitalbeteiligung, stellen Mitarbeiter dem Unternehmen einen Geldbetrag zur Verfügung und erhalten darauf Zinsen. Mitsprache- und Mitentscheidungsrechte ergeben sich daraus nicht.

Sagen Sie, Mitarbeiter-Beteiligungen könnten möglicherweise die Polarisierung in Arm und Reich bremsen, seien hierzulande aber noch kaum entwickelt.

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