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Gossenpreis geht dieses Jahr an Armin Falk

24. September 2008

Dem Bonner VWL-Professor Armin Falk wurde heute der Gossen-Preis des Vereins für Socialpolitik verliehen. Falk hat mit seinen Arbeiten die Annahmen des „Homo oeconomicus“ in Frage gestellt, die bis heute in vielen Theorien der Volkswirtschaftslehre unterstellt werden. Denn in der Regel verhalten sich die Menschen gar nicht rational und egoistisch wie der „Homo oeconomicus“, sondern durchaus sozial und fair. Das fand Falk mit Experimenten heraus.

Der 40-jährige Armin Falk ist einer der international erfolgreichsten deutschen Ökonomen. Er publizierte mehrfach Aufsätze in den angesehenen Fachzeitschriften wie „American Economic Review“, Quarterly Journal of Economics“ und „Econometrica“. 

Falk beschäftigt sich aber nicht nur mit Experimenten: „Die jüngsten Turbulenzen auf den Finanzmärkten haben das Vertrauen in die Macht der Märkte tief erschüttert“, sagte Armin Falk am Rande der Tagung zu den aktuellen Unruhen. Besonders weil das Finanzsystem bisher dafür bekannt gewesen sei, dass es gut funktionierende Märkte hervorgebracht habe. „Wenn jetzt auch noch die Finanzmärkte zusammenbrechen, würden viele Bürger anfangen, Märkte auch generell in Frage zustellen“, so Falk. Der Vertrauensverlust könne auch dazu führen, dass politische Kräfte erstarken, die die Rolle der Märkte beschränken wollen.

Zur experimentellen Ökonomie sagte er: Ähnlich wie die Volkswirte zunehmend Laborversuche nutzten, um ihre Theorien zu fundieren, sollten auch Politiker neue Reformen, wie etwa am Arbeitsmarkt, erst einmal testen – und das nicht im Labor sondern in der Wirklichkeit. „Wir brauchen mehr soziale Experimente“, sagte Falk. Viele Maßnahmen hätten weitreichende Bedeutungen für die Bürger, deswegen müssten die Reformen teilweise besser implementiert werden.  

Mit dem Gossen-Preis wird einmal jährlich ein Wirtschaftswissenschaftler aus dem deutschen Sprachraum ausgezeichnet, der mit seiner Arbeit internationales Ansehen gewonnen hat. Dafür zieht der erweiterte Vorstand des Vereins für Socialpolitik, der den Preisträger wählt, die Publikationen in angesehenen internationalen Zeitschriften zu Rate und insbesondere die Häufigkeit der Nennungen im „Social Science Citation Index“. Benannt ist der mit 10.000 € dotierte Preis nach dem preußischen Nationalökonom Hermann Heinrich Gossen.

Mitarbeit: André Kühnlenz

Von Charlotte Bartels

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