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… Sicherungsfonds

25. September 2008

Die Pleiten großer Finanzhäuser wie der US-Investmentbank Lehman Brothers verunsichern zunehmend Bankkunden und Versicherte. Sind ihre Vermögen und Verträge sicher?

Bislang müssen Verbraucher keine Angst haben, ihre Guthaben bei Not leidenden Finanzinstituten zu verlieren. Gesetzlich sind Einlagen von Bankkunden bis zu 90 Prozent, maximal jedoch 20.000 Euro geschützt. Zusätzlich haben die Bankengruppen freiwillig weitere Einlagensicherungsfonds aufgebaut. Der Rettungsfonds privater Banken ersetzt pro Kunde bis zu 30 Prozent des haftenden Eigenkapitals des insolvent gewordenen Finanzinstituts. Bei Lehman Brothers sind das bis zu 285 Millionen Euro – pro Kunde.

Zu den geschützten Einlagen zählen Sparguthaben sowie Tages- und Festgelder. Der Einlagensicherungsfonds erfasst hingegen keine Fondsanlagen oder Wertpapiere, weil diese von den Banken lediglich verwaltet werden. Eigentümer bleibt der Kunde. Bei einer Bankenpleite kann er deshalb die Wertpapiere verlangen und sie einem anderen Institut übertragen.

Wie wichtig solche Sicherheitsnetze sind, zeigte sich am 2. August 2006, als die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) der Privatbank Reithinger verbot, weiterhin Bankgeschäfte zu betreiben. Nach Ansicht der Behörde bestand damals das Risiko, dass die Bank ihre Verpflichtungen gegenüber den Kunden nicht mehr erfüllen kann.

Unklar ist, wieviele Pleiten der Finanzplatz Deutschland verkraften kann. Das Vermögen des Rettungsfonds privater Banken schätzen Experten auf fünf Milliarden Euro. Den Zusammenbruch einer großen Bank würde das Sicherungssystem also niemals überstehen. In diesem Falle müsste der Staat einspringen.

Die Versicherungsbranche hat mit der Auffanggesellschaft Protektor ebenfalls ein Sicherheitsnetz gespannt, das im Ernstfall die Kunden auffangen soll. Geht ein Lebensversicherer pleite, übernimmt Protektor bestehende Verträge und führt sie weiter. So geschehen 2002, als die Mannheimer Versicherung insolvent wurde.

Das Vermögen der Gesellschaft beläuft sich derzeit auf etwa 380 Millionen Euro. Im Extremfall können die Mitglieds-Unternehmen bis zu ein Prozent der versicherungstechnischen Netto-Rückstellungen beisteuern. Ende 2007 waren das 6,5 Milliarden Euro.

Die Gefahr ist gering, dass sich ein deutscher Versicherungskonzern auf dem Kapitalmarkt verspekuliert. Im Branchenschnitt sind nicht einmal 10 Prozent des Kapitals in Aktien investiert. Im riskanten Subprime-Segment, das die Finanzkrise ausgelöst hat, liegen höchstens 0,32 Prozent der Gelder.

Sollten trotzdem einmal große Versicherer Konkurs anmelden müssen, könnte auch das Auffangsystem Protektor überfordert sein. Dann müssten Versicherer ihre Ansprüche aus der Konkursmasse befriedigen.

Sagen Sie, die Banken- und Versicherungsbranche habe zwar große Sicherheitsnetze gespannt – doch auch diese könnten bei zu großer Belastung reißen.

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