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… Liquiditätsknappheit

9. Oktober 2008

Die Finanzkrise verunsichert Banken derart, dass sie verzweifelt ihr Geld horten. Das Kreditgeschäft unter den Instituten trocknet aus. Warum sie um ihre Liquidität fürchten.

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Allgemein meint Liquidität die Fähigkeit, ein Wirtschaftsgut schnell gegen ein anderes zu tauschen. Der Begriff bezeichnet deshalb auch die Verfügbarkeit über genügend Zahlungsmittel. Ein Unternehmen soll seine fälligen Rechnungen bezahlen und Kredite bedienen können. In der Makroökonomie beschreibt Liquidität die vorhandene Geldmenge. Sie wird von der wirtschaftlichen Situation, besonders von der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes und der Geldpolitik der Zentralbanken beeinflusst.

In der tobenden Finanzkrise ist Liquidität knapp geworden. Viele Banken sind in Schieflage geraten. Einige gingen pleite oder wurden gerade noch rechtzeitig verstaatlicht. Andere Finanzinstitute haben Angst, dass sie das gleiche Schicksal ereilt und hamstern deshalb ihr Geld. Sie wollen ihre Liquidität nicht mehr an den Markt abgeben und riskieren, dass sie es nicht wieder sehen. Selbst massive Geldspritzen der Notenbanken können daran bislang wenig ändern.

Stattdessen legen Banken ihr Geld lieber bei den Zentralbanken an. Wer Zahlungsmittel zu üppig hortet, kann womöglich alle Rechnungen begleichen. Doch diese Unternehmen verzichten auf die übliche Verzinsung und verlieren teilweise ihr Vermögen durch den Preisauftrieb. So erhalten Banken bei der Zentralbank weniger Zinsen als wenn sie es an einen Wettbewerber verleihen würden.

Zusätzlich besteht durch die Finanzkrise die Gefahr, dass Liquidität auch in anderen Branchen knapp wird und Volkswirtschaften insgesamt Schaden nehmen. Vergeben Banken weniger Kredite an Unternehmen, können diese ihre Investitionen schlechter finanzieren. Wachstum und Arbeitsplätze geraten unter Druck.

Banken müssen derzeit außerdem verängstigte Kunden beruhigen, die um ihre Ersparnisse bangen. Trotz Staatsgarantie der Kanzlerin räumen manche ihre Konten leer, investieren ihr Geld in Gold, lagern es in Schließfächern oder zu Hause. Bei einem großen Ansturm versuchen viele Anleger einer Bank etwa zeitgleich ihre Einlagen abzuheben („Bank Run“). Ein Bankhaus hält aber meist nur einen Bruchteil seines Vermögens als Bargeld bereit und hat es längerfristig angelegt. Das Abrufrisiko kann daher selbst solide Finanzinstitute in die Insolvenz treiben.

Sagen Sie, Vertrauen ist gut, viele Banken und Bürger fänden Kontrolle über das eigene Geld aber in der Finanzkrise zunächst besser – ein gefährlicher Kreislauf.

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