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… Deflation

26. November 2008

Bis ins Frühjahr hinein stiegen die Verbraucherpreise mit drei Prozent oder noch etwas mehr. Die Inflationsangst war groß. Jetzt, nur wenige Monate später, fallen die Preise wieder, und zwar in hohem Tempo. Das ist jetzt auch wieder nicht recht.

Die Preise sinken wieder. Wo ist da das Problem? Das Geld reicht wieder länger oder für mehr. Geld auf der Bank bleibt wertvoll – steigt sogar „von alleine“ im Wert. Was kann es Besseres geben?

Sinkende Preise nennt man Deflation. Das Gegenstück ist die Inflation, die steigenden Preise. Allerdings ist es nicht wirklich sinnvoll, von Deflation zu sprechen, wenn, so wie aktuell, die Preise von einem Monat zum nächsten mal gefallen sind.

Deflation ist eigentlich nur dann, wenn die Preise dauerhaft sinken, und die Leute ihr Verhalten darauf ausrichten. Denn hier beginnt das Problem: Wenn alles billiger wird, und die Leute erwarten, dass das auch in Zukunft so weitergeht, schieben sie geplante Käufe auf – morgen ist es der Kühlschrank ja vielleicht etwas billiger.

Die theoretische Gefahr dabei ist, dass es zu einer Spirale kommt, wenn der Konsum damit zurück geht, die Unternehmen Ausgaben kürzen, und damit wiederum Nachfrage schwächen, was die Preise weiter fallen lässt. Deflation ist besonders für Schuldner ein Problem: Der reale Wert ihres Kredits steigt, wenn die Zinsen fest vereinbart sind.

Deflationsgefahr herrscht in Zeiten schwachen Wachstums, etwa einer Rezession. Zuletzt gab es eine längere Deflationsphase in Japan. Die Notenbank dort hatte jahrelang große Schwierigkeiten, die Wirtschaft zu „reflationieren“.

Manche Fachleute fürchten sich vor Deflation mehr als vor Inflation. Denn theoretisch kann die Notenbank eine hohe Inflation immer mit hohen Zinsen bekämpfen. Eine Deflation zu bekämpfen ist offenbar schwerer, denn der Leitzins kann aus technischen Gründen nicht unter Null fallen. Dazu brauchen die Währungshüter andere Instrumente – Fed-Chef Bernanke probiert sie gerade aus.

Noch kann man in Europa nicht wirklich von Deflation reden. Aber es könnte eine werden.

Wenn es wieder mal heißt: „Alles wird teurer“,  dann sagen Sie: Jetzt wird ja erst mal alles billiger. Aber eben nicht wirklich alles – und das ist ja das Problem.

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