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Nach der Krise

7. Dezember 2008

Die Finanzkrise ähnelt der Asienkrise Ende der 90er Jahre – auch darin, dass sie nicht die letzte Krise sein dürfte.

Es ist erstaunlich, wie viele Parallelen zwischen der Asienkrise von 1997  und der heutigen Finanzkrise  bestehen – im allmählichen Aufbau eines Nährbodens, im Ablauf und im Krisenmanagement. Hoffentlich enden diese Parallelen damit, denn andernfalls würde man aus der Zeit nach 1999 bereits die Vorboten der nächsten Krise herauslesen können. Aber leider dürfte die Hoffnung trügen.

Den Nährboden für die Asienkrise und für die von 2008 bildeten hohe kurzfristige Kapitalzuflüsse in die Länder, in denen die Krise ausbrach, eine Liquiditätsschwemme, eine  Kreditvergabe der sehr leichten Hand und exzessive Investitionen. Wie in den USA, so wurden auch in Asien kurzfristige Finanzierungen für langfristige Anlagen gesucht und gefunden. Langfristige Anlagen waren hier wie dort unter anderem Grundstücksmärkte.

Zwar gab es in den USA – anders als in Asien – kein sogenanntes „original sin“ Problem, also kurzfristige Verschuldung in einer Niedrigzinswährung und langfristige Anlage in einer  Hochzinswährung, die sich an die Niedrigzinswährung gebunden hatte. Bei einer Abwertung der Hochzinswährung treten dann massive Schuldenbedienungsprobleme auf. Dieses Problem hatten zuletzt russische Anleger. Aber die Blasenbildung an den Grundstückmärkten und die „moral hazard“ Problematik des Bauens auf einen „Kreditgeber der letzten Instanz“ (in Asien die Regierungen und in den USA die Zentralbank)  waren ähnlich. Und hier wie dort dachten Banken in ihrer Bedrängnis zunächst nicht daran, finanzielle Hilfen der Realwirtschaft in Form von Krediten zur Verfügung zu stellen, sondern nutzten sie, um Schulden zu tilgen und ihre Kreditwürdigkeit wieder herzustellen. 

In der Folge der Asienkrise wurden einige institutionelle Reformen eingeleitet, um künftige Krisen zu verhindern: Der IWF erhielt eine Kapitalmarktabteilung, um die Innovationen an den Finanzmärkten auf ihre Krisenanfälligkeit zu untersuchen, und das Finanzstabilitätsforum wurde gegründet, um das Wirken von Hedgefonds, Offshore Finanzzentren und Finanzprodukten mit hoher Hebelwirkung zu beobachten und den G-7 Staaten Bericht zu erstatten.  Der Beitrag beider Institutionen zur Vermeidung einer neuen Krise kann ex post nur als marginal eingestuft werden.

Dies liegt vielleicht daran, dass das makroökonomische Umfeld nach der Asienkrise den Nährboden für eine neue Krise bildete. Die Blüte braucht den Sumpf, und dieser Sumpf hieß: globale Leistungsbilanzungleichgewichte, eine sprudelnde Liquidität und billiges Geld. Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir nach dieser Krise einen ähnlichen Nährboden vorfinden werden: ein niedriges Leitzinsniveau der Zentralbanken, die unter hohem Druck der Geschäftsbanken und der Politik stehen werden, die Zinsen nicht zügig wieder anzuheben, um ihnen eine Atempause zu geben und die Konjunktur anzukurbeln. Zwar versprechen die Finanzmarktakteure jetzt die Wiederbesinnung auf traditionelle Geschäftsfelder oder den Rückzug in ihre angestammte Region.

Dies würde aber vielen die Geschäftsexistenz entziehen bzw. sie merklich schrumpfen lassen. Billiges Geld hält diesen notwendigen Anpassungs-und Schrumpfungsprozess auf und schafft Zeitgewinn. Den werden die Regierungen und Notenbanken den Akteuren gewähren. Das global vereinbarte Regelwerk, wenn es denn kommt, wird nicht zum Fallbeil für einen überdimensionierten Finanzsektor werden, wie es an sich der Fall sein müsste, um den Anpassungsprozess zu Ende zu führen. Dafür werden die nationalen Interessenvertreter sorgen.  Bewahrheitet sich diese skeptische Sicht, so sind die Lehren aus der Asienkrise für die Zukunft leider recht deutlich. Es wird nach einer Erholung eine nächste Krise geben. Regierungen und Notenbanken  werden daher auch in Zukunft bessere Krisenmanager als Krisenvermeider sein.                  

Rolf J. Langhammer ist Vizepräsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft

Von Rolf Langhammer

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