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Senkt die Diskontzinsen!

11. Januar 2009

Die Milliarden-Pakete zur Stützung der Konjunktur bürden künftigen Generationen eine hohe, zusätzliche Schuldenlast auf. Ist das gerecht?

Politische Entscheidungen zwingen sehr oft zu einer Abwägung zwischen Heute und Morgen. Das ist so bei Konjunkturpaketen und der Rettung von Banken, beim Verteidigungshaushalt wie bei der Verkehrspolitik, beim Klimaschutz und bei der Entsorgung von Atommüll. Wie sehen da die Bedingungen für gute Entscheidungen aus?

Die Wirtschaftswissenschaft hat dafür die Idee der „sozialen Diskontrate“ erfunden. Sie gibt an, wie künftige Ereignisse gegenüber heutigen gewichtet werden sollten. Denn das ist eine Situation, die jeder kennt: Im Privaten müssen wir ständig künftige Einkommen gegen heutige abwägen: Wenn der Zins für die Ersparnis höher ist als unsere persönliche Diskonrate, dann lohnt es sich noch zu sparen. Viele Experimente jedoch zeigen, dass die Menschen privat eine ziemlich hohe Diskontrate haben, also der Spatz in der Hand ihnen wichtiger ist als die Taube auf dem Dach.

Um die Definition der sozialen Diskontrate gibt es seit einigen Jahren eine interessante Debatte. In einer großen Umfrage des American Economic Review unter mehr als 2000 Ökonomen lag der Median der so ermittelten fairen sozialen Diskonrate bei drei Prozent – und damit sicher niedriger als die private Rate der jeweiligen Ökonomen.

Stichwortgeber in der Debatte ist der Harvard-Ökonom Martin Weitzman, der auch schon den Stern-Report zum Klimawandel als in der Aussage noch zu schwach kritisiert hat.

Weitzmans Hauptthese ist: Die Politik sollte die niedrigste mögliche Diskontrate wählen, wenn die Zukunft unsicher ist und die Gesellschaft risikoneutral eingestellt ist. Und: die soziale Diskontrate sollte im Zeitverlauf sinken. Langfristphänomene sollten also mit niedrigerer Rate abdiskontiert werden. Das ist intuitiv: Sonst spielte das, was in 50 Jahren passiert, kaum noch eine Rolle.

Das erscheint vielen Ökonomen jedoch als unlogisch. Christian Gollier von der Toulouse School of Economics hatte in einem früheren Aufsatz die gegenteilige These vertreten. In einem neuen Paper des Open Access Journals „Economics“ stimmt er Weitzmans These nun zu. Vor allem wenn die Gesellschaft risikoavers ist und die möglichen Veränderungen permanent – sprich irreversibel.

 

 

Das paper:

Abstract

In this paper, we elaborate on an idea initially developed by Weitzman (1998) that justifies taking the lowest possible discount rate for far-distant future cash flows. His argument relies on the arbitrary assumption that when the future rate of return of capital (RRC) is uncertain, one should invest in any project with a positive expected net present value. We examine an economy with a risk-averse representative agent facing an uncertain evolution of the RRC. In this context, we characterize the socially efficient stochastic consumption path, which allows us in turn to use the Ramsey rule to characterize the term structure of socially efficient discount rates. We show that Weitzman’s claim is qualitatively correct if shocks on the RRC are persistent. On the contrary, in the absence of any serial correlation in the RRC, the term structure of discount rates should be flat.


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