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… Bad Banks

5. Februar 2009

Trotz Milliardenspritzen von Regierungen und Notenbanken kehrt keine Ruhe auf den Finanzmärkten ein. Auf der Suche nach Auswegen sind Rufe nach einer „Bad Bank“ laut geworden.

Die Spekulationen mit riskanten Wertpapieren haben bereits mehrere Banken und Investmenthäuser in den Ruin getrieben. Viele andere kämpfen ums Überleben oder zumindest um das Vertrauen der Finanzmärkte. Um sich von faulen Krediten oder Wertpapieren zu entlasten, ist das Konzept der „Bad Bank“ in die Diskussion gelangt. Hierbei kauft eine eigens gegründete Zweckgesellschaft den krisengeschüttelten Banken ausfallgefährdete Geldanlagen ab.

Ins Wanken geratene Bankhäuser sollen so ihre toxischen Wertpapiere (Gift-Assets) aus den Bilanzen auslagern, sich aus ihrer Existenznot befreien und das Vertrauen des Kapitalmarkts zurückgewinnen. Auf diese Weise könnte auch der eingefrorene Interbankenmarkt, auf dem sich Kreditinstitute gegenseitig Geld leihen, wieder in Schwung kommen. Das ist gerade in Zeiten wichtig, wo sich die Banken misstrauen und die Wirtschaft zu wenig mit Liquidität versorgen.

Die „Bad Bank“ sitzt nun auf den Schrottpapieren – und versucht, sie auf dem Markt für möglichst viel Geld zu verkaufen und die Verluste zu begrenzen. Um die Risiken aus dem Kreditportfolio tragen zu können, braucht die „Bad Bank“ allerdings ausreichende Kapitalhilfe von außen, etwa durch staatliche Bürgschaften. Wie stark der Staat letztlich einspringen muss, hängt vom Ergebnis der Wertpapier-Abwicklung ab.

Die Idee der „Bad Bank“ ist nicht neu und wurde auch schon erfolgreich eingesetzt – etwa in Schweden. Als das skandinavische Land Anfang der neunziger Jahre infolge eines Verfalls der Immobilienpreise in eine Bankenkrise schlitterte, handelte die Regierung: Sie garantierte alle Einlagen der Banken, pumpte Milliarden in die Institute und sammelte die faulen Kredite in einer Auffanggesellschaft. Zuvor wurden jedoch die Nordbanken verstaatlicht, so dass die Regierung die guten und schlechten Banken kontrollierte. Als die Immobilienpreise wieder stiegen, konnte der Staat die Kreditverluste größtenteils kompensieren.

Auch Deutschland hat schon Erfahrungen mit „Bad Banks“ gesammelt, allerdings in kleinerem Stil. Anfang der achtziger Jahre gründeten die Volks- und Raiffeisenbanken ihre eigene Abwicklungsbank, als die Hammer Bank aus Nordrhein-Westfalen in Schieflage geriet. Die Dresdner Bank errichtete 2003 die „Institutional Restructuring Unit“ – für Risiko-Kredite in Höhe von 35,5 Milliarden Euro.

Experten äußern jedoch Zweifel, ob das Instrument der schlechten Bank die aktuelle Finanzkrise lösen kann. Erstens ist es derzeit schwierig, überhaupt einen sinnvollen Preis für die Giftpapiere zu finden, weil sie praktisch niemand haben will. Es gibt schlicht keinen Markt. Zweitens übernimmt der Staat und damit der Steuerzahler das gesamte Risiko für die faulen Wertpapiere. Während Gewinne bei den Finanzinstituten blieben, müsste der Bürger im schlimmsten Fall für Verluste gerade stehen, die allzu risikofreudige Banker verschuldet haben.

Sagen Sie, das „Bad Bank“-Konzept sei in der Vergangenheit erfolgreich eingesetzt worden, aber deswegen nicht automatisch für alle Finanzkrisen uneingeschränkt sinnvoll.

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