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Hans-Werner Sinn – Antwort an Jakob von Weizsäcker

28. April 2009

Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts, reagiert in einem Brief an Jakob von Weizsäcker auf dessen Beitrag im Wirtschaftswunder, in dem er vorschlägt, mit Kohlendioxidsteuern, Staatsschulden zurückzuzahlen und die Kohlenstoff-Emissionen zu reduzieren.

 

 

Lieber Herr von Weizsäcker,

ich habe Ihren Text jetzt gelesen. Das ist eine gute Idee, und ich bin mit Ihnen der Meinung, dass das grüne Paradoxon hier nicht zieht, weil es ja nur um die Zeit der Krise geht. Die Ölscheichs können kurzfristig nicht reagieren und tragen die Steuer. Und die Erwartung, dass die Steuer nach der Krise wieder verschwindet, veranlasst sie, die Extraktion, wenn überhaupt, so eher auf die lange Bank zu schieben, was dem Klima ja nützt. Außerdem wäre das eine gute Verknüpfung zwischen Krise und Klima, wie Attac das gestern in Berlin sehr plausibel gefordert hat. (Wäre die Umwelt eine Bank, wäre sie längst gerettet.) Aber der Pferdefuß ist, dass tatsächlich alle Länder das machen müssten, sonst gibt es nur die geographische Verlagerung, und ein Vorreiterland wie Deutschland ist doppelt getroffen: von der Krise und den höheren Ökosteuern zugleich. Leider wird man die weltweite Koordination auf die Schnelle auch nicht hinkriegen. Dennoch: Es ist gut, dass sie diesen Stein einmal ins Wasser geworfen haben. Der Gedanke hat was.

Mit herzlichem Gruß

Hans-Werner Sinn

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