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Otremba plant Übungsgruppen für Ökonomen

14. Juli 2009

Jetzt hat sich auch die Bundesregierung in den Methodenstreit zwischen Deutschlands Ökonomen eingeschaltet – über ihren Wirtschaftsstaatssekretär. In der Juli-Ausgabe der Zeitschrift „Wirtschaftsdienst“ hält Walther Otremba beiden Seiten – den traditionellen Ordnungspolitikern wie den „modernen“ Makroökonomen – vor, nicht so sehr viel zur Vorhersage oder praktischen Lösung der aktuellen Finanzkrise beigetragen zu haben. In Wirtschafts- wie Finanzministerium werde überlegt, „Arbeitseinheiten einzurichten“, in denen Ökonomen forschen können und zugleich in die tägliche praktische Arbeit eingebunden würden.

Im WirtschaftsWunder finden Sie seit Juni monatlich exklusiv und vorab die wichtigsten Artikel aus dem „Wirtschaftsdienst“. Hier ist eine Zusammenfassung des Otremba-Beitrags (779-OtrembaDiekmann.pdf):

Zu dem Ökonomenstreit zwischen „Ordnungspolitikern“ und „Mathematikern“ äußern sich Walther Otremba – Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium – und sein Mitarbeiter Berend Diekmann in der Juli-Ausgabe des Wirtschaftsdienst salomonisch: Ja, es bedarf anspruchsvoller Theorien, auch ein elaboriertes analytisches Instrumentarium ist nötig. Aber es muss auch möglich sein, politische Schlussfolgerungen aus den gewonnenen Erkenntnissen zu ziehen.

Die Autoren fühlen sich von der Auseinandersetzung in der deutschen Ökonomie besonders angesprochen, da sie sich als Adressaten der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung sehen. Gerade in Hinblick auf die aktuelle Wirtschafts- und Finanzmarktkrise hat es aber weitgehend an zutreffenden Prognosen und Analysen der Ökonomen gefehlt. Beide Seiten haben enttäuscht. Zu den „Mathematikern“ stellen Otremba und Diekmann fest: „Sollte es einen Anspruch gegeben haben, menschliches Verhalten vollständig mathematisch beschreiben zu wollen oder zu können, hat die aktuelle Bankenkrise – jedenfalls fürs Erste – das Gegenteil belegt.“ Die Ordnungspolitiker hingegen haben sich vor allem um Themen wie die Frage, „ob die Marktwirtschaft um das Tribut „sozial“ überhaupt sinnvoll ergänzt werden könne“ gekümmert. Von dieser Seite kamen also auch keine vernehmbaren Warnungen.

Hilfe erwartet die Politik allerdings von den Ökonomen. Es sollte bei der Gestaltung der Rahmenbedingungen der marktwirtschaftlichen Ordnung eben nicht vor allem auf Juristen (sowie Soziologen und Politikwissenschaftler) ankommen. Die Fachleute, die Ökonomen, sollten gehört werden. Wenn sich diese aber mit abwegigen Fragestellungen beschäftigen und dies auch noch in einem Vokabular kommunizieren, das kein Volksvertreter verstehen kann, gibt es Probleme. Es geht aber auch anders, wie die Autoren hoffen: „Denn in jedem Fall ist ein politisch relevanter Standpunkt, der mit Zahlen, gern auch eingeschränkt durch Konfidenzintervalle oder Ähnliches, plausibel untermauert werden kann, für politische Entscheidungsträger eindrucksvoll.“

Damit all das besser wird, werden beim Finanz- und beim Wirtschaftsministerium Überlegungen angestellt, Arbeitseinheiten einzurichten, in denen unabhängige Wissenschaftler forschen können. Diese Wissenschaftler sollen gleichzeitig in die tägliche Arbeit der Ministerien eingebunden sein. So kann der Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis gefördert werden, damit man sich in Zukunft besser versteht.

Die Autoren

Dr. Walther Otremba ist Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. Co-Autor Dr. Berend Diekmann ist Leiter des Referats Grundsatzfragen der Wirtschaftspolitik.

Bei diesem Text handelt es sich um die Zusammenfassung eines Beitrags aus der aktuellen Ausgabe des Wirtschaftsdienst. Verwendung auf ftd.de mit freundlicher Genehmigung des Wirtschaftsdienst.

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