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Davos10 – Der Ökonom und das verlorene Paradies

29. Januar 2010

Richard Thaler gehört zu den bunteren Vögeln in der Ökonomenzunft. Als er vor Jahren damit anfing, sich systematisch mit der Psychologie, den Fehlurteilen und dem „irrationalem Verhalten“ ökonomischer Akteure zu beschäftigen, war das für Volkswirte ein eher suspektes Randthema.

Inzwischen sind diese Behavioral Economics so populär, dass erste Skeptiker schon von einer neuen intellektuellen Blase sprechen.

Für die Abrechnung mit der alten Theorie braucht Thaler in Davos nur wenige lakonische Sätze:  Mit ihrer Annahme eines streng rationalen homo oeconomicus hätten sich die Ökonomen immer tiefer und tiefer in ein absurdes Paralleluniversum begeben: „Die Menschen in diesen Modellen sind eben immer genauso schlau wie der jeweils schlaueste Ökonom.“

Umkehr sei dringend nötig: „Wir Ökonomen müssen zurück zu Adam Smith. Und genau genommen sogar zurück zu Adam. Denn der war vielleicht rational. Aber wenn es um Frauen und Schlangen ging, hatte er ein Problem mit der Selbstkontrolle.“

So wie wir heute auch. Einziger Unterschied: „Die Schlange sitzt jetzt im Fast Food-Restaurant an jeder Ecke. Und Adams Apple von heute ist so kompliziert, dass wir nicht einmal die Tarifstruktur des Handies verstehen.“

Von Christian Schütte

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