Startseite > Chefökonom > Ein zweites Argentinien verhindern!

Ein zweites Argentinien verhindern!

8. März 2010

Der beunruhigende Analyse hat Gros übrigens am Freitag veröffentlicht. Für alle die allein auf die Defizitsalden und Schuldenstände schauen, und so Griechenland mit Ländern wie Großbritannien und die USA vergleichen, ist das ein Muss.

Darin kommt Gros zu dem Schluss, dass viele der südlichen Länder, er nennt sie freundlicherweise nicht PIIGS, sondern GIPSY-Club, sich auf Jahre mit harten Anpassungen einstellen müssen, um mit den Folgen ihres geplatzten Kreditbooms fertig zu werden.

Besonders schwer dürfte es Griechenland und Portugal treffen. „The key finding is that the adjustment will be particularly difficult for Greece (and Portugal) because these are two relatively closed economies with low savings rates. Both of these countries are facing a solvency problem because they combine high debt levels with low growth and high interest rates”, schreibt Gros.

Eine geordnete Insolvenz von Staaten

Umso wichtiger, dass sich die Euro-Zone zur Not auf eine staatliche Insolvenz einstellt. Entscheidend ist, dass Gros‘ und Mayers Pläne über das hinausgehen, was der IWF derzeit an Krisenhilfe zu bieten hat: Wenn etwa die Regierung in Athen ihre Schulden nicht mehr begleichen kann, dann kauft der Europäische Währungsfonds sämtliche Staatsanleihen mit einem Abschlag auf.

Die Gläubiger sollten aber das Ausmaß der möglichen Verluste vorher kennen, damit sie sich drauf einstellen. Ein Vorschlag der beiden Ökonomen: Alle Staatsanleihen zusammen hätten nur noch einen Wert, der 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht. Die Papiere wären nicht völlig wertlos, zugleich werden die Gläubiger, die zuvor hohe Renditen kassiert haben, an den Verlusten beteiligt. Eine schnelle Ankündigung des Fonds würde den Anleihemarkt Griechenlands deutlich entspannen. „Es wäre ein starkes Signal“, sagt Gros. Es wäre erstmals klar, wie die Euro-Zone im Notfall reagiert. Warten wir ab, ob er Recht behält.

In der Insolvenz würde der Fonds den Pleitestaat finanzieren, indem er selbst Gelder aufnimmt. Wer sich den Vorgaben des Fonds komplett widersetzt, würde am Ende aus dem Euro-Raum und der Europäischen Union ausgeschlossen. „Wenn man weiß, was die letzte Station ist, ist die Wahrscheinlichkeit sehr viel kleiner, dass man sich auf diesen Weg begibt“, blickt Gros voraus.

Strafen für zu hohe Defizite und Schulden

Disziplinierend würde zudem wirken, dass Defizit- und Schuldensünder Strafen zu zahlen hätten, mit denen der Fonds sich teilweise finanziert. Gros und Mayer schlagen vor, sich an den Maastricht-Kriterien der EU zu orientieren, die die Höhe der absoluten Staatsschulden und der jährlichen Neuaufnahme von Verbindlichkeiten festlegen. Ein Prozent der jährlichen Defizitsumme müsste gezahlt werden, sofern diese drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts übersteigt. Ein Prozent wäre zusätzlich fällig auf alles, was die Schuldengrenze von 60 Prozent übersteigt.

Natürlich adressiert der Fonds noch lange nicht die Ungleichgewichte im Euro-Raum, die unterschiedliche Lohnentwicklung usw., die uns in die heutige Lage versetzt haben. Dazu steht hier ja schon etwas. Aber gut zu wissen, dass es hoffentlich bald einen solchen Fonds geben wird – wenn er denn alle verfassungsrechtlichen Schranken übersteht. Zumindest ein Gutes haben  gerade die Anti-Euro-Wetten spekulativer Investoren. Ein paar Jahre mit einer deutlich billigeren Währung dürften ein Segen für den Euro-Raum sein.

%d Bloggern gefällt das: