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Ökonomenumfrage 2010 – Alle Daten, Teil I: Zum inhaltlichen Meinungsbild

25. Juni 2010

Hier kommen die Details der Auswertungen der FTD-Ökonomenumfrage zum inhaltlichen Meinungsbild der Wirtschaftswissenschaftler, inklusive zusätzlicher, bisher unveröffentlichter Fragen.  Alle Angaben in %. Die Vergleichswerte von 2006 stammen aus der damaligen Vorläuferumfrage.

4. Frauen haben einen unterproportionalen Anteil. Wie würden Sie das erklären?
4.1 Das liegt am mangelnden Interesse von Frauen an diesem Fach.
2010  
Stimme stark zu 8,1
Stimme etwas zu 43,0
Stimme nicht zu 41,0
Keine Meinung 8,0

 

4.2. Frauen werden in der Ökonomie besonders stark von Männern ausgegrenzt.
2010  
Stimme stark zu 7,4
Stimme etwas zu 21,7
Stimme nicht zu 66,8
Keine Meinung 4,1

 

4.3. Frauen sind weniger geeignet für ökonomisch-analytisches Denken.
2010  
Stimme stark zu 0,7
Stimme etwas zu 3,3
Stimme nicht zu 93,6
Keine Meinung 2,4

 

5. Akademischer Teil
5.2. Welcher großen Denkschule fühlen Sie sich am nächsten?
2010  
Neoklassik 43,4
Monetarismus 4,7  
Keynesianismus 19,7  
Sozialismus/Marxismus 0,3  
Andere 31,9  

 

5.3. Wie wichtig ist der Beitrag folgender Personen für die heutige Volkswirtschaftslehre?
2010  
Walter Eucken    
Sehr wichtig 21,5 17
Einigermaßen wichtig 31,5 35,2
Eher unwichtig 24,4 27,4
Unwichtig 8,8 9,9
Keine Meinung 13,8 10,5

 

Milton Friedman
2010 2006
Sehr wichtig 43,3 41,5
Einigermaßen wichtig 41,3 43
Eher unwichtig 10,8 9,6
Unwichtig 1,5 1,9
Keine Meinung 3,1 4

 

Friedrich von Hayek
2010 2006
Sehr wichtig 35,8 35,6
Einigermaßen wichtig 38,8 39,1
Eher unwichtig 14,8 2,3
Unwichtig 2,8 2,7
Keine Meinung 7,8 5,2

 

Paul Samuelson
2010 2006
Sehr wichtig 54,6 50,4
Einigermaßen wichtig 33,2 37,2
Eher unwichtig 7,1 9
Unwichtig 0,8 1,2
Keine Meinung 4,4 1,7

 

John Maynard Keynes
2010 2006
Sehr wichtig 65,8 50,5
Einigermaßen wichtig 26,6 34,9
Eher unwichtig 4,8 10,8
Unwichtig 0,8 2,1
Keine Meinung 2,1 2,1

 

Ludwig Erhard
2010 2006
Sehr wichtig 8,3 5,8
Einigermaßen wichtig 22,0 19,4
Eher unwichtig 35,3 40,1
Unwichtig 27,6 29,5
Keine Meinung 6,8 5,9

 

Daniel Kahneman
2010 2006
Sehr wichtig 29,0 25,1
Einigermaßen wichtig 29,1 30
Eher unwichtig 15,0 15,5
Unwichtig 4,7 4,3
Keine Meinung 22,1 26,9

 

Paul Krugman
2010 2006
Sehr wichtig 37,9 29,1
Einigermaßen wichtig 43,9 47,8
Eher unwichtig 9,8 14,3
Unwichtig 2,8 9,8
Keine Meinung 5,7 7,5

 

Gary Becker
2010 2006
Sehr wichtig 39,1 36
Einigermaßen wichtig 31,0 41
Eher unwichtig 16,0 2,5
Unwichtig 4,0 4
Keine Meinung 9,9 8,9

 

Amartya Sen
2010 2006
Sehr wichtig 31,0 25
Einigermaßen wichtig 40,4 43,3
Eher unwichtig 13,5 14,9
Unwichtig 2,6 11,6
Keine Meinung 12,6 14,3

 

George Akerlof
2010  
Sehr wichtig 49,7  
Einigermaßen wichtig 34,2  
Eher unwichtig 7,6  
Unwichtig 0,8  
Keine Meinung 7,7  

 

Robert Solow
2010  
Sehr wichtig 47,6  
Einigermaßen wichtig 34,9  
Eher unwichtig 10,6  
Unwichtig 1,3  
Keine Meinung 5,6  

 

Joseph Stiglitz
2010 2006
Sehr wichtig 47,8 39,1
Einigermaßen wichtig 38,2 42,8
Eher unwichtig 7,6 10,8
Unwichtig 1,5 5,2
Keine Meinung 5,0 5,2

 

Joseph Schumpeter
2010  
Sehr wichtig 43,9  
Einigermaßen wichtig 38,3  
Eher unwichtig 11,8  
Unwichtig 1,2  
Keine Meinung 4,8  

 

Robert Shiller
2010  
Sehr wichtig 17,3  
Einigermaßen wichtig 35,7  
Eher unwichtig 17,4  
Unwichtig 4,1  
Keine Meinung 25,4  

 

Hyman Minsky
2010  
Sehr wichtig 8,0  
Einigermaßen wichtig 26,2  
Eher unwichtig 22,8  
Unwichtig 7,9  
Keine Meinung 35,1  

 

5.4. Für welche Partei in Deutschland haben (oder hätten) Sie die größte Präferenz?
2010 2006
CDU/CSU 14,1 13,9
SPD 14,3 13,7
FDP 20,2 27,8
Grüne 25,3 22,7
Die Linke 1,8 0,6
Andere 1,9 0,6
keine Präferenz 22,5 20,7

 

5.6. Vergangenes Jahr gab es einen Methodenstreit unter Deutschlands Ökonomen. Mit welcher der beiden Positionen hatten Sie die größte Sympathie?
2010  
Mit den Vertretern der deutschen Ordnungslehre 22,8  
Mit den eher mathematisch-empirisch orientierten Vertretern 46,7  
Mit keiner der beiden 30,5  

 

6. Zur Finanzpolitik
6.1. Kann Finanzpolitik ein effektives Instrument sein, den Konjunkturzyklus zu stabilisieren?
2010 2006
Ja 17,9 12,1
Ja, unter Vorbehalt 70,1 55
Nein 9,6 28,8
Keine Meinung 2,4 4

 

6.2. Was ist der Hauptgrund für die hohen Staatsschulden in Deutschland?
2010  
Fehlender Konsolidierungswille von Politikern 58,1  
Ineffiziente Strategie zum Abbau der Schulden 14,3  
Es gibt zwar Erfolge beim Abbau, diese wurden nur wiederholt durch Schocks (Einheit, Finanzkrise) konterkariert 14,5  
Andere 13,0  

 

6.3. Ist die Schuldenbremse ein geeignetes Instrument zum Abbau der Staatsschulden in den nächsten Jahren?
2010  
Ja, absolut 15,8  
Ja, aber nur bedingt 55,8  
Nein 25,4  
Keine Meinung 3,0  

 

6.4. Ist Wirtschaftswachstum für einen dauerhaften Schuldenabbau nötig?
2010  
Ja 61,5  
Nein 29,9  
Weiß ich nicht 8,5  

 

6.5. Was ist die beste Strategie zum Abbau von Staatsschulden?
2010 2006
Verfolgung von festen jährlichen Defizitzielen wie im europäischen Stabilitätspakt 21,7 15,6
Vorgabe eines Ausgabenpfads für konjunkturabhängige Ausgaben 22,9 37,2
Vollständiges Verbot von Neuverschuldung 5,5 11,5
Quasi-Verbot von Neuverschuldung unter Berücksichtigung besonderer Umstände und Konjunkturzyklen (Schuldenbremse) 38,1  
Andere 11,7  

 

7. Zu Geldpolitik und Währung
7.1. Sollte sich eine Notenbank auf den Kampf gegen Inflation beschränken oder auch zur Gewährleistung hoher Beschäftigung beitragen?
2010 2006
Ausschließlich gegen Inflation kämpfen 31,0 28
Prioritär die Inflation bekämpfen 50,4 52,4
Gleichzeitig Inflationsziel und hohe Beschäftigung ansteuern 16,0 16,6
keine Meinung 2,6 3,1

 

7.2. Stimmen Sie zu: „Geldpolitik kann ein effektives Instrument sein, den Konjunkturzyklus zu stabilisieren“?
2010 2006
Ja 14,3 10,3
Ja, unter Vorbehalt 62,4 57,3
Nein 19,0 26,5
keine Meinung 4,3 5,9

 

7.3. Sollten Notenbanken den Auftrag haben, auch für stabile Vermögenspreise zu sorgen? 
2010  
Ja, das sollte als gleichgewichtiges Ziel in die Politik der Notenbank einbezogen sein. 22,5  
Nein, für die Beherrschung systematischer Risiken sollte es eine eigene Institution geben (Systemic Risk Agency). 38,7  
Nein, Finanzblasen lassen sich nicht verhindern, es geht nur darum, die Schäden nach dem Platzen der Blase zu begrenzen. 21,5  
keine Meinung 17,3  

 

7.4. Welches Instrument erscheint Ihnen am ehesten geeignet, um Vermögensblasen zu verhindern?
2010  
Die Zinspolitik der Notenbank 17,9  
Regulative Maßnahmen (z.B. antizyklische Kapitalvorschriften, Bankenabgaben, etc.) 65,6  
keine Meinung 16,5  

 

7.5. Führen flexible Wechselkurse in der Praxis zu einer optimalen Allokation von Ressourcen?
2010  
Stimme im Großen und Ganzen zu 37,3  
Stimme mit Einschränkung zu 45,8  
Lehne im Großen und Ganzen ab 8,8  
keine Meinung 8,1  

 

8. Zu Strukturpolitik und mikroökonomischen Reformen
8.1. Die Arbeitslosigkeit ist in Deutschland zwischen 2005 und 2008 um etwa zwei Millionen gesunken. Was hat den quantitativ größten Teil dieses Rückgangs bestimmt?
2010  
Die gute (Welt-) Konjunktur 33,3  
Die Reformen der Agenda 2010 36,2  
Die Lohnzurückhaltung 22,4  
keine Meinung 8,1  

 

8.2. Wie wichtig ist die von der Bundesregierung geplante Steuerreform ab 2011?
2010  
Sehr wichtig 25,1  
Relativ wichtig 33,7  
Relativ unwichtig 30,7  
Sehr unwichtig 10,5  

 

8.3. Welches Rezept würden Sie für eine mögliche Ausweitung des Niedriglohnsektors in Deutschland bevorzugen?
2010  
Ausweitung der bestehenden Minijob-Regelung (z.B. durch Erhöhung der 400-Euro-Grenze) 4,2  
Einführung einer negativen Einkommensteuer nach amerikanischem Vorbild (earned income tax credit) bzw. eines Bürgergelds nach dem Modell der FDP 27,4  
Einführung einer aktivierenden Sozialhilfe nach dem Vorschlag von Hans-Werner Sinn 30,0  
Einführung von Freibeträgen bei den Sozialversicherungen 4,0  
Wegfall der Sozialversicherungskosten für Arbeitgeber bei Einstellung im Niedriglohnbereich nach dem Magdeburger Modell 3,9  
Ausweitung bisheriger Kombilohnansätze 7,5  
Der Niedriglohnsektor sollte nicht weiter ausgeweitet werden 20,2  
Andere 2,8  

 

8.4. Welche der folgenden Reformen im Gesundheitssystem halten Sie einkommensseitig für optimal?
2010  
Einführung einer Kopfpauschale (für die derzeit Pflichtversicherten) 14,2  
Einführung einer Bürgerversicherung 20,9  
Einführung einer Bürgerpauschale (Kopfprämie für alle Bürger) 28,0  
Nur kleinere Anpassungen, Festhalten am derzeitigen System 13,7  
Keine Meinung 23,3  

 

8.5. Ist die Forderung nach einer Kapitaldeckung der Rente durch die Finanzkrise zu relativieren?
2010  
Ja 30,1  
Nein 57,4  
Keine Meinung 12,5  

Umfrage unter den Mitgliedern des Vereins für Socialpolitik, der Vereinigung deutschsprachiger Ökonomen. Teilnehmer insgesamt: 1158. Alle Angaben in %.

 Quelle: FTD-Ökonomenumfrage

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