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Davos 2011 – Geithner setzt zum Konter an

28. Januar 2011

In den vergangenen Monaten dominierte die Euro-Krise alle Sorgen. Jetzt wächst die Angst davor, dass die Finanzmärkte die US-Staatsfinanzen ins Visier nehmen könnten. Für Amerikas Finanzminister Grund genug, der versammelten Weltelite zu erklären, dass Amerika immer noch besser dastehe als viele andere. 
 
Das Spiel ist auch Europa bekannt. Da versuchten die Iren verzweifelt klarzumachen, dass sie nicht wie die Griechen sind. Und die Spanier, dass sie nicht mit Irland vergleichbar sind. Jetzt setzt Amerika ein, wo die Staatsschulden bald 100 Prozent der Wirtschaftsleistung erreichen. „Unser Land ist immer noch jünger als andere“, sagte Timothy Geithner bei seinem Auftritt vor der Davoser Generalversammlung – ohne Europäer, Deutsche oder Japaner namentlich zu nennen, klar. „Und wir haben eine höjhere Produktivität“, so der US-Finanzminister. In der Krise hätten die US-Unternehmen ihre Produktivität sogar viel stärker gesteigert als sonst in Krisen üblich. „Wir sind jetzt viel stärker als vorher“, sagte Geithner. Außerdem werde die Wirtschaft bei weiter anhaltendem Wachstum automatisch wieder mehr Jobs schaffen. Sprich: mit so einer Wirtschaft lässt sich auch eine hohe Staatsverschuldung besser ertragen.
 
Außerdem habe Präsident Barack Obama eine Mehrjahresverpflichtung angekündigt, um das Staatsdefizit abzubauen. Entscheidend sei nun, das glaubwürdig voranzutreiben. Nach wie vor legen die USA dabei mehr Wert darauf, nichts zu überhasten: „Der Defizitabbau muss so passieren, dass es weder die kurzfristige Erholung gefährdet, noch die längerfristige Stärke der US-Wirtschaft untergräbt“, sagte Geithner mit Verweis auf dringend nötige Investitionen in die Infrastruktur. Die USA müssten zusehen, dass unsere Autobahnen und unser Gesunheitssystem in einen besseren Zustand kämen.
 
Eher ungewollt gab der US-Finanzminister bei seinem Auftritt preis, dass der US-Wirtschaft offenbar ein Einbruch zum Jahresende erspart geblieben ist. Die Meldung über einen solchen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts in Großbritannien hatte diese Woche für viel Aufregung gesorgt. Zwar werden die US-Zahlen erst am heutigen Nachmittag offiziell bekannt gegeben. Geithner sprach allerdings schonmal davon, dass die US-Wirtschaft ja schon seit sechs Quartalen mittlerweile wachse. Und dafür muss auch das vierte Quartal im Plus gewesen sein. „Nach sechs Quartalen Wachstum ist es jetzt Zeit, den politischen Fokus jetzt wieder auf längerfristige Projekte wie Investitionen in die Infrastruktur zu legen“, sagte Geithner. Wobei der US-Finanzminister einräumte, dass Aufschwünge nach solchen Finanzkrisen stets bescheidener ausfallen als sonst. „Es gibt keinen Weg, dies zu verhindern“, so Geithner.
 

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