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Konferenz der neuen Denker: Evolution statt Gleichgewicht

11. Oktober 2011

Dass die alten Modelle nicht mehr so richtig taugen, haben auch Entscheider gemerkt. So unterschiedliche Naturen wie Hank Paulson (Lehman-Terminator) und Jean Claude Trichet (bisheriger EZB-Chef) haben beide mal gesagt, die ökonomischen Modelle hätten ihnen wenig weiter geholfen.

Was neue Modelle können, müssen sie noch beweisen. Eric Beinhocker, Ökonom am McKinsey Global Institute, fordert ein neues narrative, eine „Erzählung“, wie das heute heißt, ein neues Paradigma. Die vorherrschende neoliberale Erzählung sei auch ein sehr stark moralische, deren Werte von Freiheit und Autonomie auch Nicht-Ökonomen überzeugt hätten. Ayn Rand war so ein Beispiel. Die war keine Ökonomin, hat aber auch Ökonomen wie Greenspan bekanntermaßen stark geprägt.

Zunächst mal geht es aber eher um die trockenere Technik des Verstehens. Neues ökonomisches Denken ist aus Beinhockers Sicht vor allem eine Sichtweise auf die Welt als komplexes System. „Die Wirtschaft ist nie wirklich im Gleichgewicht. Sonst gäbe es beispielsweise keine Innovationen.“ Statt dessen sei die Wirtschaft evolutionär, sie ändere ich ständig. Tatsächlich hätten Ökonomen, nicht Biologen das Konzept der Evolution entdeckt. Darwin habe ja offen zugestanden, es bei Thomas Malthus abgeschaut zu haben.

Das neue ökonomische Denken sei noch immer in seiner Frühphase. Darum wirkt vieles noch etwas vage und abstrakt. Es geht um Interaktionen in Netzwerken, nicht-lineare Entwicklungen, manche von ihnen irreversibel. Dann gibt auch Rückkopplungen in Politik und Gesellschaft. Zwar alles noch etwas abstrakt, aber das kann ja noch werden.

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