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Der Euro geht unter, wenn Griechenland austritt

7. November 2011

Abwertung, Bankenkrise und Überschuldung: Einige Ökonomen und Politiker sehnen sich ein Ende mit Schecken für Hellas herbei, um den Rest der Eurolands zu schützen. Doch ein Austritt Griechenlands wäre das Ende der Gemeinschaftswährung – keine schönen Aussichten für viele Deutsche. Es war ein großer Fehler von Merkozy, damit öffentlich zu drohen.Ach wäre es doch nur so einfach, diese Schuldenkrise zu beenden. Nicht wenige stellen sich die Lösung ungefähr so vor: Griechenland  tritt freiwillig aus dem Euro aus, dann bräuchten wir viele Milliarden weniger für den Rettungsschirm, der halbwegs gesunde Banken und Länder wie Spanien und Italien vor der Krise abschirmen soll. Endlich wäre es vorbei mit den nervigen Euro-Gipfeln, die jedes Mal doch nur Katerstimmung hinterlassen.

Doch leider haben diese Gedanken einen gefährlichen Haken – egal ob sie eher aus einem Bauchgefühl heraussprudeln oder ob jemand viele schöne Argumente findet, um ein Ende mit Schrecken für Griechenland zu begründen. Diese Szenarien bedeuten immer nur eins: Der Euro würde am Ende zugrunde gehen. Warum nicht, könnte man sich gerade in Deutschland fragen, mit der D-Mark war es doch auch nicht schlecht? Und überhaupt, ob der Grieche nun deutsche U-Boote in Drachme oder Euro bezahlt, wir in Deutschland kaum einer spüren.

Klar, einem Deutschen zeigen sich die Vorteile des Euro bisher nur darin, dass die Preise weniger  stark steigen als zu D-Mark-Zeiten. Dafür hat er Hartz-IV bekommen, er musste auf Reallohnsteigerungen verzichten und er geht jetzt statt zum Arbeitsamt zur Zeitarbeit. Dass die Industrie weniger Wechselkursverluste einfährt und die ganze Welt wie bescheuert deutsche Maschinen und Autos kauft – davon haben die meisten Deutschen bisher wenig gespürt.

Nur die Frage nach dem Warum sollten sie eher ihren Gewerkschaften und den Banken stellen. Zumindest die Unternehmer verrichten ihren Job verdammt gut, wenn sie jedes Jahr kostengünstiger produzieren lassen. Falls Gewerkschafter und Politiker künftig tatsächlich etwas mehr  Wohlstand den Unternehmen und Banken entreißen wollen, darf der Euro aber nicht in sich zusammenfallen. Sonst müssen viele Deutsche noch einmal mindestens ein Jahrzehnt warten, bis sich Europas Wirtschaft von dem drauf folgendem Austrittschock erholt hat.

Das Schlimme ist: Euroland leidet derzeit unter einer akuter Brandschutzmanie, die direkt in Chaos und Depression führt. Seit zwei Jahren wird gelöscht und gelöscht und die Brandschutzmauern werden höher und höher gebaut – als gäbe es kein Morgen mehr. Dabei passiert Folgendes: Es wird gespart und nochmals mehr gespart, weil alle vorherigen Programme die Wirtschaft zu stark abwürgen. Rettungsschirme werden aufgelegt, ausgeweitet, um dann nochmals gehebelt zu werden.

Allein diese sprachlichen Bilder, die Politiker so gerne benutzen, verraten viel. Sie sehen zwar viel Rauch, aber die eigentlichen Ursachen dieser Krise gehen sie bisher viel zu halbherzig an. Und bisher hat jeder Feuerwehreinsatz, die Krise nur verschärft. Portugal musste unter den Rettungsschirm, nachdem Berlin für die fernere Zukunft eine stärkere Beteiligung der Gläubiger in Staatsfinanzkrisen durchgesetzt hatte.

Das Kalkül der Bundesregierung war  eigentlich völlig richtig: Die Steuerzahler können doch nicht bis in alle Ewigkeit alleine für Verluste der Banken aufkommen. Sonst verschlechtert sich auch in stärkeren Ländern wie Deutschland die Kreditwürdigkeit. Das Schlimme ist nur, dass die Geldgeber seit Juli aus Italien und Spanien flüchten, seit August auch aus Frankreich. Zuvor hatte Berlin noch durchgesetzt hat, dass die Banken nicht irgendwann in friedlicher Zukunft bluten sollen, sondern im Fall von Griechenland bereits jetzt und am besten sofort.

All diese Euro-Rettungsbeschlüsse mögen von der Idee her richtig gewesen sein. Nur wirken sie in einer Währungsunion verheerend, in der Banken ihre Darlehen an Regierungen und Konkurrenzinstitute in den Krisenländern kürzen und stattdessen das Geld lieber nach Deutschland scheffeln. Die Folge war und ist, dass jedes Sparprogramm, mit Ausnahme von vielleicht Irland, zu heftig und übereilt ausfällt – ohne dass bisher überhaupt ein Land den Wettlauf mit den Finanzmärkten gewonnen hat.

Die heftige Kapitalflucht können weder Währungshüter noch die von den Politikern gespannten Rettungsschirme wirklich stoppen, selbst wenn sie Anleihen aufkaufen oder die Papiere zum Teil absichern. Und so würde am Ende auch ein Euro-Austritt Griechenlands diese Krise nur verschärfen, weil ein Land nach dem anderen immer tiefer hineingezogen wird.

Euroland muss aber nicht untergehen. Dafür braucht es zweierlei. Erstens müssten sich alle Länder zu einer gemeinsamen Schuldenaufnahme durchringen und die Kredite der Banken, Unternehmen und Privathaushalte besser kontrollieren. Dies würde die Kapitalflucht in Europa aufhalten und es wäre auch kein Problem, wenn die Griechen den Euro behalten. Und zweitens, damit die Hellenen die Einheitswährung nicht doch bald zum Teufel wünschen, müssen alle Sparprogramme gestreckt und Aufbauprogramme (auch für ein effektives Steuersystem)  aufgelegt werden. Zumindest die Euro-Länder sollten noch mehr auf Zinsen verzichten als bisher, denn viele Griechen sind so schon gestraft genug.

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