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Was ist da los in der Eigenlagenfazilität der EZB?

20. Januar 2012

Viele mögen sich in dieser Woche gewundert haben über die starken Schwankungen in der Einlagenfazilität der EZB, gerne auch mal „Angstkasse“ genannt. Doch was steckt dahinter, taugt dieses Einlagenkonto überhaupt noch, den Stress unter den Banken zu messen?

Erst parkten die Institute in der Nacht von Montag auf Dienstag 528 Mrd. Euro bei der Notenbank – höchster Stand überhaupt.
Einen Tag später waren es nur noch 395 Mrd. Euro, was die ersten Analysten vermuten ließ, dass das Misstrauen zwischen den Banken plötzlich abgenommen habe und eine Entspannung eingesetzt haben könnte. In der Nacht auf Donnerstag stiegen die Einlagen jedoch wieder auf 421 Mrd. Euro. Zum Vergleich: Dientag vergangener Wochen waren es 471 Mrd. Euro gewesen.

Zunächst sollte man sich von den starken Schwankungen nicht irritieren lassen – sie haben eher einen „mechanischen“ Grund.

Banken können jeden Tag bei der EZB überschüssige Liquidität jeweils für eine Nacht parken, die sie anderen Geldhäusern nicht leihen wollen oder können. Dafür bekommen die Banken auf speziellen Konten (Einlagefazilität) einen Zins von der Notenbank – aktuell 0,25 Prozent. Daneben muss eine Bank Mindestreserven bei der EZB hinterlegen, für die sie den Leitzinszins erhält – aktuell 1,0 Prozent.

Die Mindestreserven richten sich nach den Verbindlichkeiten eines Instituts innerhalb eines guten Monats, dass sind die Einlagen oder selbst herausgegebenen Schuldverschreibungen mit Laufzeiten oder Kündigfristen von bis zu zwei Jahren. Davon mussten die Banken bis vor Kurzem zwei Prozent, den Mindestreservesatz, bei der EZB hinterlegen.

Da eine Bank am Anfang des jeweiligen Monats, im Fachjargon Mindestreserveerfüllungsperiode, noch nicht weiß wie hoch ihre Einlagen ausfallen werden, legt es zunächst einen Puffer auf dem Reservekonto an. Umso weiter die Reserveperiode fortschreitet, umso genauer weiß die Bank, wie viel sie bei der Notenbank in dem jeweiligen Monat hinterlegen muss.

Um auch auf dem nicht benötigten Puffer wenigstens noch einen Zins zubekommen, schiebt die Bank also von Tag zu Tag mehr Gelder hinüber in die Einlagenfazilität, wo es immerhin noch aktuell 0,25 Prozent gibt – sonst würden das Institut auf die überschüssigen Reserven gar keine Verzinsung bekommen (siehe Grafik).

Eine Reserveperiode mit der Dauer von rund einem Monat beginnt immer in der Woche nach einer Zinssitzung, wenn der EZB-Rat die wichtigsten Schlüsselzinssätze festlegt: sie beginnt immer einen Tag nachdem die Notenbank ihr wöchentliches Geldleihegeschäft (Main Refinancing Operation) mit den Banken durchgeführt hat – in dieser Woche war dies also am Mittwoch. Dies erklärt, weshalb die Einlagen in der Nacht auf Mittwoch so stark geschrumpft sind von 528 auf 395 Mrd. Euro.

Zugleich stieg jedoch das Reservekonto von 95 Mrd. Euro auf 243 Mrd. Euro an, am Donnerstag, dem zweiten Tag der Reserveperiode, waren es sogar nur 194 Mrd. Euro. In letzterer Zahl steckt ein Puffer von rund 100 Mrd. Euro, den die Banken zu Beginn der Reserveperiode angelegt haben. Als Mindestreserveanforderungen nennt die EZB für diese Periode eine Summe von 103 Mrd. Euro – ein Durchschnittswert, den die EZB aus den Verbindlichkeiten der Banken jeweils von vor zwei Monaten schätzt.

Zu Beginn der Reserveperiode im Dezember lagen die Mindestreserveanforderungen noch bei 207 Mrd. Euro und die Banken begannen die Reserveperiode ebenfalls mit einem Puffer von rund 100 Mrd. Euro: 319 Mrd Euro am zweiten Tag der Dezember-Periode.

Die Differenz von 194 Mrd. Euro im Januar und 319 Mrd. Euro im Dezember erklärt sich daraus, dass die EZB am Mittwoch den Mindestreservesatz erstmals seit Euro-Einführung von zwei auf ein Prozent gesenkt hat. Ein Institut muss also nur noch die Hälfte dessen bei der Notenbank hinterlegen, was sie bisher vorhalten musste. Ein weiterer Liquiditätsschub von 100 Mrd. Euro. Was die Banken wohl damit machen werden?

ps: Der Anstieg der Einlagen über die Reserveperioden hinweg geht natürlich auch auf die zugenommene Liquidität im System zurück. Als die Notenbanker den Instituten Ende 2011 knapp 500 Mrd. Euro für drei Jahre zum Leitzins verliehen, dürften laut Analysten auch viele zugegriffen haben, die zuvor noch ausreichend frische Mittel am Interbankenmarkt bekommen hatten.

Banken, die noch bis vor Kurzem Kreditnehmer für ihre Überschüsse gefunden hatten, bleibt dann oft nichts anderes übrig, als das Geld bei der EZB zu parken. Die Höhe der Einlagen taugt ohnehin kaum noch als Gradmesser für Stress.

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