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Davos 2012 – Ein ungewöhnlicher Nobelpreisträger

26. Januar 2012

Mohammed Yunus ist wahrscheinlich der einzige Banker, dessen Ansehen durch die Finanzkrise sogar gestiegen ist.

Der 72-jährige Friedensnobelpreisträger aus Bangladesh hat das Prinzip der Mikrokredite erfunden, die den Ärmsten der Armen Zugang zu Kapital verschaffen. Die von Yunus gegründete Grameen-Bank hat heute Millionen Kunden, nicht nur in Bangladesh. Sogar im Weltfinanzzentrum New York hat der Wirtschaftswissenschaftler ein Mikrokreditinstitut aufgebaut.

In Davos beginnt sein Programm am Morgen mit einem halbstündigen „one on one“ Talkformat: Yunus wird von einem Journalisten des „Time“-Magazin interviewt und trägt seine „große Idee“ vor, die in Wahrheit ein revolutionäres Feuerwerk ist: Die Welt braucht einen kompletten Neuanfang, die alten, über Jahrhunderte gewachsenen Strukturen sind untauglich für die Lösung unserer heutigen Probleme. Eine Welt ohne Arbeitslosigkeit, ohne Armut, ohne Umweltzerstörung ist möglich, wenn radikal neu gedacht wird. Vor allem auf die Jugend setzt Yunus seine Hoffnung, denn nur sie sorge für die nötige Geschwindgkeit des Wandels.

Die Botschaft begeistert allerdings auch gesetztere Zuhörer. Den ganzen Tag über hat Yunus in Davos Gesprächstermine mit Unternehmenschefs, die sich vor allem für seine „Social Business“-Idee interessieren: Unternehmen arbeiten nach diesem Modell  nicht profitorientiert und schütten auch keine Gewinne aus; sie stehen aber wirtschaftlich auf eigenen Füßen und sind nicht von Zuschüssen spendabler Geber abhängig. Das Unternehmensziel ist es, der Gesellschaft zu helfen.

Das interessiert auch die Vorstände von Weltunternehmen. Bevor sich Yunus am Abend mit der FTD trifft, hat er BASF-Chef Kurt Bock das „Social Business“ erklärt.

Christian Schütte berichtet für die FTD vom Weltwirtschaftsforum in Davos. 

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