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Banken horten auch das Januar-Geschenk der EZB zum Niedrigzins

15. Februar 2012

Seit vier Wochen müssen die Banken im Euro-Raum nur noch die Hälfte an Reserven bei der EZB hinterlegen. Dennoch bleibt die Versorgung der Institute mit billigem EZB-Geld ungebrochen hoch. Die Banken müssen rund 100 Mrd. Euro weniger bei der Notenbank als Reserve deponieren – gleichzeitig stieg jedoch die Überschussliquidität um gut 70 Mrd. Euro. Ein Großteil davon landet wieder bei der EZB wo es zum Niedrigzins von 0,25 Prozent angelegt wird. Immerhin haben die Banken damit mehr Mittel zur Hand, um theoretisch Darlehen an Unternehmen und Regierung zu vergeben.

Wie jeden Mittwoch nach einer EZB-Zinssitzung hat heute die neue Reserveperiode begonnen. Ein guter Anlass zu schauen, was die Banken mit den gut 100 Mrd. Euro gemacht haben, die sie seit dem 18. Januar nicht mehr als Reserve bei der Notenbank vorhalten müssen. Anfang Dezember hatte der EZB-Rat beschlossen, erstmals den Reservesatz von 2 auf 1 Prozent zu senken. (Die Reserven beziehen auf bestimmte Einlagen und Schuldverschreibungen der Banken, mehr findet man hier dazu). Die durchschnittliche Mindestreservehaltung sank dadurch von 207 Mrd. auf 103 Mrd. Euro.

Ein Blick auf die heutigen EZB-Daten zum Stichtag gestern – dem letzten Tag der vorangegangenen Reserveperiode – zeigt eins ganz klar: Die Banken haben das EZB-Geschenk nicht dazu genutzt, um deutlich weniger Liquidität bei der EZB abzufragen. Im Gegenteil: Lagen am 17. Januar in der Einlagefazilität 528 Mrd. Euro, waren es gestern 524 Mrd. Euro, wofür es derzeit jedoch nur 0,25 Prozent Zinsen p.a. gibt. Von einem Ende der Reserveperiode zum anderen Ende Reserveperiode ein Minus von gerade einmal 4 Mrd. Euro.

Die Schwankungen in der Einlagefazilität und den Reservekonten der Banken bei EZB hatten wir bereits hier ausführlich erklärt –deswegen vergleichen wir hier auch nur jeweils die Bestände zum Ende der Reserveperiode, wenn die Einlagen den höchsten Wert erreichen.

Wichtig ist jedoch ein Blick auf die sogenannte Überschussliquidität. Das sind die Mittel, die sich die Banken von der EZB borgen, die sie aber gar nicht für die Reservehaltung, Bargeldversorgung und die Einlagen der Regierungen brauchen (die beiden letzteren Punkte werden auch autonome Faktoren genannt).


Die Überschussliquidität hat sich in den vergangenen Tag bei etwas mehr als 485 Mrd. Euro eingependelt. In den Tagen bis zum 17. Januar, als noch der alte Reservesatz von 2 Prozent galt, waren es weniger als 420 Mrd. Euro. Jeweils im Vergleich der beiden Periodenenden: Ein Zunahme von 73 Mrd. Euro. Wie die Banken allerdings die überschüssigen Mittel verwenden, dazu fehlen allerdings noch immer die Daten für Januar, die erst Ende dieses Monats veröffentlicht werden.

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