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[MarktWirtschaft] Athen kann auf mindestens 10 Mrd. Euro von den Euro-Notenbanken hoffen – Update

21. Februar 2012

Vergangene Nacht ist im Internet die Tragfähigkeitsanalyse der Troika aufgetaucht (für die verschiedenen Quellen siehe auch FT Alphaville), die als Grundlage für das heute beschlossene Rettungspaket gedient hat. Vor dem Wochenende waren die Experten von IWF, EU und EZB also zu dem Schluss gekommen, dass die Verschuldung Griechenlands nur auf 129 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Jahr 2020 fallen wird und nicht auf 120 Prozent wie seit Herbst geplant. In der Analyse findet sich auch ein Absatz, wie die Beteiligung der Notenbanken laufen könnte und welche Beträge da zusammen kommen.

Bis 2020 2014 könnten die nationalen Notenbanken und die EZB folgende Beträge an die Regierungen überweisen, die diese wiederum direkt nach Athen schleusen könnten:

Zinsen auf alle Anleihen (SMP und Investportfolio): 5 Mrd. Euro
Kapitalgewinne auf SMP-Anleihen bei voller Rückzahlung: 5 Mrd. Euro

Hier die Passage aus der Troika-Analyse zum Aufkaufprogramm (SMP):


Das passt zur Schätzung, dass allein im SMP Anleihen Griechenlands im Nennwert von weniger als 30 Mrd. Euro aufgekauft wurden (z.B. Anleihen im Nennwert von 27.5 Mrd. Euro wurden zu 82% (22.5 Mrd. Euro) gekauft, ergibt einen Buchgewinn von 5 Mrd. Euro). Dies ist die Summe, die vergangene Woche von den Notenbanken in Anleihen mit neuen Wertpapiernummern getauscht wurden, die bei einem eventuellen Zwangsumtausch über Umschuldungsklauseln ausgenommen sein dürften.

Der Rest zu den 50 bis 55 Mrd. Euro, die immer wieder genannt werden, müsste dann das Investportfolio der Notenbanken sein. Für letzteren Posten wurde jedoch keine Summe genannt, sondern nur der Anteil der zur Schuldenreduzierung beitragen könnte, wenn diese Anleihe am Schuldentausch teilnehmen: 3.5 Prozent des BIP.

Update, 19 Uhr, 21.02.2012:

Die Finanzminister haben beschlossen,  auch mit Gewinnen aus dem Anleiheaufkaufprogramm der Euro-Notenbanken die Zinskosten Griechenlands zu senken. Das gilt vor allem für die Länder, die selber am Markt zu hohen Kosten Schulden aufnehmen müssen: also etwa Spanien, Italien oder Portugal. Diese Länder vermeiden somit mögliche Verluste, die dadurch entstehen würden, wenn sie nun von den Griechen geringere Zinszahlungen bekommen. Die Finanzminister einigten sich darauf, die Zinsen für die alten Darlehen aus dem ersten Rettungspaket an Griechenland rückwirkend um 1,5 Prozentpunkte zu senken. Die Zinsen sind an Geldmarktsätze (3-Monats-Eurbor) gekoppelt und würden aktuell gut 2,5 Prozent ausmachen. Zuvor hätte Athen bis zu 4 Prozent zahlen müssen – nach heutigem Stand.

Durch die geringeren Zinsen sinkt der Finanzbedarf Griechenlands bis 2014 um 1,4 Mrd. Euro, heißt es in der Erklärung der Finanzminister. Dies würde nach jetzigem Stand die Verschuldung Griechenlands bis 2020 um 2,8 Prozentpunkte senken. Die 1,4 Mrd. Euro sind jedoch deutlich weniger als die 5 Mrd. Euro, mit denen die Troika zuvor für den Fall gerechnet hat, dass alle Länder die Gewinne der Notenbanken für die Zinssenkung nutzen würden. Die Gewinne entstehen dadurch, dass die Währungshüter Anleihen im Rahmen des Ankaufprogramms (SMP) mit deutlichen Abschlägen auf den Nennwert erworben haben. Bei Fälligkeit könnten sie nun aber 100 Prozent von Griechenland ausgezahlt bekommen. Notenbanken wie die Bundesbank verwiesen darauf, dass sie auch Rückstellungen für Risiken aus den Anleiheaufkauf bilden muss, und daher eventuell nicht alle künftigen Gewinne an den Bund überweisen könnte.

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