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INET 2012 – Asmussen gibt sich moderat

13. April 2012

Hoch ranging besetztes Podium am frühen Morgen: OECD-Chef Angel Gurría, EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen – und ein paar angenehme Überraschungen.

Dazu gehört, dass Asmussen Dinge gesagt hat, die vermuten lassen, dass er nicht bald wieder zurücktritt wegen der Krisenpolitik des EZB-Rats, in dem er jetzt sitzt. Was nach den Vorlagen von Ex-Bundesbankchef Axel Weber und Jürgen Stark sowie dem jüngsten Genöle von Bundesbankchef Jens Weidmann ja nicht mehr selbstverständlich ist.

Zwar ritt auch Asmussen darauf herum, dass die EZB ja ihr Mandat nicht überschreiten dürfe, wonach sie priorität die Preisstabilität garantieren müsse. Aber die Aufgabe der EZB sei auch, so Asmussen, für ,financial stability‘ zu sorgen, so wie das ein paar Sätze weiter in den Statuten der Bank geschrieben sei. Und: da selbst Asmussen die Inflationsgefahren für moderat hält und die EZB eine Inflation unter zwei Prozent für Anfang 2013 erwarte, spricht halt nichts dagegen, auch das zweite Ziel zu erfüllen. Klingt zwar nach einer arg komplizierten Bundesbank-Logik, bringt aber wenigstens ein vernünftiges Ergebnis.

Wie sehr er sich in solchen wichtigen Details von manchem Hardliner hierzulande abhebt, wollte Asmussen dann wohl auch nochmal etwas direkter ausdrücken: Anders als das in seinem Land gelegentlich gesehen worden sei, so Asmussen, halte er die jüngsten außergewöhnlichen Maßnahmen der EZB daher auch für richtig und durch das Mandat der EZB gedeckt. Nun müsse halt nur die Politik nachziehen und auch mal liefern (wobei man nicht so richtig weiß, was das jetzt genau für Länder heißt, die seit zwei Jahren ein Austeritätsprogramm nach dem anderen auflegen).

Bliebe für eifrige ECB-Deuter vielleicht noch die Beobachtung zu übermitteln, dass so ein Jörg Asmussen auf dem Podium genüsslich aus der Wasserflasche trinkt – statt das Glas zu nutzen, das gleich daneben steht. Ein Zeichen, wie einst die legendäre Tasche unter dem Arm von Alan Greenspan? Oder Demonstration neuer deutscher Lockerheit? Wer weiß? Fest steht nur: das hätte es bei Schlesingers und Tietmeyers nicht gegeben.

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  1. 13. April 2012 um 13:21

    Na immerhin. Es war ansonsten ja kaum mehr auszuhalten, wie sehr die Presse solche „mad Hayekians“ wie Starck oder Weber hochgejubelt hat. Man darf die EZB gern kritisieren – es gibt da sogar eine Menge – aber, was war eigentlich die Alternative, die die Geldpolitikorthodoxie präsentiert hat? Tabubruch, tabubruch hat sie gebrüllt, aber eine Handlungsalternative nicht aufgezeigt.

  2. Tim Miller
    13. April 2012 um 11:35

    „Zwar ritt auch Asmussen darauf herum, din EZB ihr Mandat nicht überschreiten dürfe, was ja Priorität die Sicherung von Preisstabilität vorsehe.“

    Da kann man nur noch ahnen, worauf er ritt.

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