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Die Kolumne – Symptom Staatsschulden

25. Mai 2012

Wenn die Kanzlerin mit ihrem Krisenmanagement auf immer größere Widerstände stößt, hat das im Kern einen einzigen Grund: Sie kämpft gegen die falsche Krise.

Europas Politiker haben bitterböse Schulden gemacht, Stabilitätspakte gebrochen und, ach, seit Jahrzehnten immer mehr ausgegeben. Jetzt kriegen sie, was sie verdient haben. Rums. Euro kaputt. So tönen frühere bayerische Ministerpräsidenten unwidersprochen bei Frau Illner. Oder eifrige Professoren für Finanzwissenschaften, zu deren Berufseignungsvoraussetzung nur nicht zu gehören scheint, ihre Theorien gelegentlich mit der Wirklichkeit abzugleichen.

So beliebt die Krisendiagnose hierzulande auch sein mag: Gut möglich, dass sie gar nicht stimmt. Die Staatsschulden sind in fast allen betroffenen Ländern erst nach Ausbruch der Finanzkrise drastisch gestiegen – nicht vorher. Was die gängige Erklärung deutscher Krisendeuter ziemlich absurd erscheinen lässt. Denn dann können die Staatsschulden logisch auch nicht Ursache gewesen sein.

Was hieße, dass auch unsere Kanzlerin seit zwei Jahren an Symptomen kuriert, statt tiefere Ursachen der (Finanz-)Krise zu beheben. Das kann Krankheiten verschlimmern – und auf die Deutschen jetzt zurückschlagen.

Schöne Zeit vor der Krise

Als die Jahrhundertfinanzkrise Mitte 2007 ihren Lauf begann, lag die Staatsverschuldung in Irland, einem späteren Chefkrisenland, bei 28,6 Prozent der Wirtschaftsleistung – spektakulär niedrig. Ähnliches gilt für Spanien mit 42 Prozent. Oder bei höheren Altschulden im Langjahresvergleich sogar für Italien. Da war Griechenland eher die Ausnahme von der Regel. Und selbst dort gilt, dass die große Explosion erst danach kam – und es auch noch andere Gründe geben muss, warum sich die Krise anschließend so verselbstständigt hat.

Alles in allem lag die Staatsverschuldung in der Euro-Zone 2007 so niedrig wie seit zwei Jahrzehnten nicht. Warum sollte da gerade eine Staatsschuldenkrise ausbrechen? Absurd. Trotz der angeblich so furchtbaren Reform des Stabilitätspakts waren selbst die laufenden Strukturdefizite mit nur noch zwei Prozent auf Langzeittief. Mehr noch: Die Quoten lagen damals wie heute niedriger als im Rest der OECD. Auch das passt irgendwie nicht zur Story von den Schulden, die gerade Europa in die Krise gestürzt haben. Per se gilt auch für USA wie Großbritannien: Die Staatsschulden waren vor Ausbruch der Krise historisch eher niedrig. Das passt einfach nicht zum Gequatsche.

Wenn in allen möglichen Ländern, die vom Finanzchaos getroffen wurden, die Staatsschulden seit 2008 hochgeschnellt sind, liegt der Verdacht nahe, dass das an den Banken liegt, nicht umgekehrt: Weil Banken mit Steuergeldern gerettet werden mussten, Regierungen gegen die drohende Depression Konjunkturpakete auflegten und Wachstumsverluste für neue Löcher in Staatshaushalten sorgten. Selbst in Deutschland ist die Schuldenquote seit 2008 ja sprunghaft um 20 Punkte gestiegen. Was für ein dummes Gequassel, dass (nur) Politiker nicht mit Geld umgehen können. Achtung, Bankenkonkurrenz. Die Schulden sind nicht zufällig just in einem Land wie Schweden gesunken, das seine Bankenkrise lange hinter sich und den Finanzsektor seitdem unter Kontrolle hat.

Der Kern der Krise ist nach aller Wahrscheinlichkeit das Platzen einer Finanz- und Kreditblase, deren logischer Schluss darin lag, dass es eine Menge Leute gab, die 2007 ziemlich hoch verschuldet waren oder sich dank hochspekulierter Vermögenswerte nur reich fühlten. Als das aufflog, versuchten alle, ihre Schulden zurückzuzahlen, und da sind – zum Glück – die Staaten eingesprungen, weil so viel kollektiver Ausgabenverzicht rasch in die Depression führt.

Es gehört zu den Standarddramen historischer Finanzkrisen, dass sie irgendwann zu Staatsschuldenkrisen führen – zumal wenn mit einem Schlag weltweit ein derart erhöhter Bedarf an Schuldenfinanzierung entsteht. Eine Frage von Angebot und Nachfrage. Und da trifft es als Erste die, die das schwächste Glied in der Kette sind: Sagen wir Griechenland. Was den Schein erhält, die Schulden, die es dort tatsächlich gibt, seien die Ursache – und von den wahren Ursachen ablenkt. Die Bank dankt.

In solchen Post-Bubble-Zeiten ist sicherzustellen, dass es angesichts chronisch labiler Finanzmärkte zu keiner Abwärtsspirale kommt, wo die Angst die Angst nährt und bei der erste Zweifel an der Solvenz zu höheren Zinsen und höhere Zinsen zu höheren Schuldennöten führen, was irgendwann in Pleitepanik mündet.

Genau hier liegt die Erklärung, warum all das (nur) die Euro-Zone in eine existenzielle Krise gestürzt hat. Nicht, weil die Schulden besonders hoch waren. Unsinn. Sondern weil das Krisenmanagement aufs Kurieren von Symptomen gesetzt hat – statt darauf, die Finanzkrise zu beheben und die fatale Eigendynamik eines angeschlagenen Bankensektors zu stoppen. Was auch geheißen hätte, die Staaten mit jenen Garantien vor der Pleitepanik zu schützen, die Griechenland verwehrt wurden.

Wenn das vermeintlich fahrlässige Erzeugen von Staatsschulden schuld wäre, wäre es richtig, Gesetze und Drohgebärden zu verschärfen, wie es unsere Kanzlerin seit zwei Jahren tut. Dann sind Eurobonds und nette Gesten Teufelszeug, weil sie falsche Anreize geben können.

Wenn die Krise woanders liegt, gilt eher das Gegenteil. Dann führt all das Gängelzeug zu immer neuen Zweifeln am Überleben des Euro-Klubs – ohne dass dadurch die Krise des Finanzsystems behoben wird. Im Gegenteil. Dann führen Sparprogramme über Rezessionen, die sie auslösen, nur dazu, dass Staatsschulden doch weiter steigen und die Banken immer stärker wackeln – weil sie selbst Staatspapiere im Depot haben.

Dann wäre es in unserem eigenen Interesse, die Abwärtsspirale zu stoppen. Ob durch Wachstumsprogramme für Krisenstaaten, die realwirtschaftliche Einbrüche infolge der Finanzturbulenzen auffangen; oder durch gemeinsame Euro-Anleihen, weil womöglich nur so noch die fatale Logik von Finanzmärkten im Panikmodus zu stoppen ist, die ein Land nach dem anderen in die Krise zieht.

Noch scheinen die Deutschen von der Krise zu profitieren: über absurd niedrige Zinsen, die es nur gibt, weil die anderen kriseln und alle in deutsche Anleihen flüchten. Das wird nicht mehr lange halten, wie abstürzende Konjunkturwerte jetzt befürchten lassen. Wenn die Kanzlerin nicht bald gestoppt wird, wird auch die deutsche Wirtschaft bald kriseln.

email: fricke.thomas@guj.de

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  1. Thomas Ricke
    29. Mai 2012 um 09:50

    Vielen Dank für Ihren mutigen Artikel. Endlich bekommen wir einen Lösungsweg aufgezeigt, wie wir die Krise beenden können.

    Ich wünsche mir, dass alle Experten und Politiker Ihren Artikel lesen – dann wird es Deutschland und ganz Europa bald wieder besser gehen.

  2. 29. Mai 2012 um 08:49

    Take-it-away-Jay-Emm-Kay :
    So, für den Anfang aber würde Ich ihnen einen kurzen und knackigen Post von Krugman sehr ans Herz legen (der Ihnen das Wichtigste in einigen wenigen Charts und vielleicht 400 Wörtern aufzeigt):
    http://krugman.blogs.nytimes.com/2012/02/25/european-crisis-realities/
    Viel Spaß beim Lesen! Also, falls Sie es eben wirklich ernst meinen, und nicht nur ‘trollen’.

    Tja, lieber „Take-it-away-Jay-Emm-Kay“, die Fähigkeit, anspruchsvolle englischsprachige Blog-Einträge lesen zu können, ist gewiss eine notwendige, nur leider keine zureichende Bedingung für ein richtiges Verständnis der wirtschaftlichen Probleme in den südlichen Ländern.

    1) „Welfare State“ mag zwar im Fokus der US-Kritik an Europa stehen, ist aber eine zu enge begrifflich-statistische Fixierung. Wenn Griechenland (nur als Beispiel) eine Behörde für die Verwaltung des 1930 ausgetrockneten Kopais-Sees beschäftigt, dann ist auch das eine Art „Welfare“-Zahlung des Staates an die Begünstigen. Also selbst wenn die Sozialausgaben im eigentlichen Sinn prozentual geringer sein sollten als bei uns, wirft die griechische Regierung weitere gewaltige Summen für ‚*Wohltaten‘ zum Fenster raus. Und wenn nicht diese Ausgaben „geslasht“ werden, sondern eher die Renten usw., dann ist das nicht die Schuld von der Angela und vom IWF. Der politisch-bürokratische Parasitenfilz, der in Griechenland an den Fleischtöpfen sitzt, kürzt halt lieber bei anderen, als sich selbst zu entlassen.

    2) Die konkreten Problemlagen sind in jedem Land anders; ein (zu) hohes Maß an Ineffizienz der staatlichen Verwaltung und höhere Korruption als in Europas Norden scheint aber ein generelles Problem der Südländer zu sein (mit unterschiedlicher Intensität). Wenn man das wirksam adressiert, fördert man das Wachstum.

    3) Zitat Krugman: „What we’re basically looking at, then, is a balance of payments problem, in which capital flooded south after the creation of the euro, leading to overvaluation in southern Europe.“ Richtig: Der Süden hat genommen, ohne zu geben. Vor allem: er hat keine Industrien aufgebaut, mit deren Produkten er die Kredite zurückzahlen könnte.
    Wie unter solchen Umständen eine Inflationierung („what the GIPSIs really need is a general European reflation“) die Lösung sein soll, muss das Geheimnis des klugen Meister Krugman bleiben. Auch wenn man sie euphemistisch als „reflation“ bezeichnet.
    Okay: Außer Krugman haben natürlich (neben Herrn Stiglitz, Herrn Fricke und vielen weiteren Adepten einer inflationsgetriebenen Produktionsmagie) auch Sie eine plausible Erklärung für den ökonomischen Funktikonsmechanismus, mit welchem die spanische Immobilienindustrie durch „Reflationierung“ zu einem Exportmotor wird, oder die griechischen Staatsparasiten plötzlich produktiv – oder der italienische Mezzogiorno nach 150 Jahren Einheit nun aber ganz bestimmt eine blühende Landschaft.

    Also, falls Sie es wirklich ernst meinen, lieber „Take-it-away-Jay-Emm-Kay“: Viel Spaß bei Ihrer Entwöhnung von Autoritäten-Zitzen – und beim SELBER NACHDENKEN!

    Liebe Grüße
    Cangrande

  3. Nemo
    28. Mai 2012 um 20:31

    Seltsam, dass Ihre Schuldzuweisungen so grandios einseitig sind, wo in der Finanz- und Staatsschuldenkrise doch eines überdeutlich wird: Banken und Staaten haben über Jahrzehnte eine unheilge Allianz gepflegt, die beiden scheinbar risikoloses Handeln auf Ewigkeit garantierte. Und das war der Deal: Banken verdienen an Staatsanleihen im Schlaf, für die sie keinerlei Risikovorsorge tragen müssen. Staaten verschulden sich ungeniert, in dem ihre Anleihen als ausfallsicher gelten.
    Griechenland lag (mit geschönten Zahlen) 2008 bereits bei 111% Verschuldung gemessen am BIP, Italien bei 106%, Portugal bei 72%. Spanien und Irland waren mit rund 40% nur gering öffentlich verschuldet, doch hing bei beiden ein aus allen Fugen geratener Imobilienmarkt z.T. in Kombination mit einem grotesk aufgeblähten Bankensektor wie ein Fallbeil über den Häuptern. Hier drohten gigantische private Schulden aus dem Ruder zu Laufen, kräftig befeuert durch annähernd gleiche Niedrigzinsen in Euroland (wenn man so will eine Art faktische Eurobonds). Die giftigen Nebeneffekte waren stark ansteigende Löhne und Leistungsbilanzdefizite bei gleichzeitig steil abfallender Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität.
    In dieser heiklen Situation drohte ein Finanzcrash. Ihn abzuwenden, sprangen die Staaten 2009/10 mit zum Teil dicken, schuldenfinanzierten Rettungs- und Konjunkturpaketen ein. Sie verhüteten das Schlimmste, freilich auf Kosten einer weiteren Schwächung. Im Krisenmodus zeigte sich, eigentlich kaum überraschend, dass Euroland nicht die USA oder Japan, sondern eine Ansammlung von Einzelstaaten mit dramatischen Unterschieden ist – gemeinsame Währung hin oder her. Banken und Versicherungen entdeckten plötzlich nicht nur Billionen an faulen Derivaten, tötlichen Kreditausfallversicherungen und wertlosen Immobilien in ihren Büchern, sondern auch Berge von nunmehr zweifelhaften, auf Euro laufenden Staatspapieren, die sie massiv abzustossen begannen. Der Euro, seine auf ihn laufenden Staatsanleihen und die EZB waren auf dieses Szenario nicht vorbereitet, ja niemals dafür konstruiert worden. Für weitere schwere Programme, die eher die Strukturen von Volkswirtschaften verändern als Konjunkturen kurzfristig beeinflussen müssten, vor allem aber ein Europa voraussetzen, das in seiner Abstimmung und Steuerung grundlegend anders funktionieren müsste als das gegenwärtige, fehlt die Basis. Eurobonds und Mega-Geldtransfusionen lösen keine Probleme, sondern hiefen sie nur auf eine noch schwindelerregendere Fallhöhe.

  4. EXE
    28. Mai 2012 um 16:07

    Take-it-away-Jay-Emm-Kay :
    Dann lesen Sie mal Keynes! Selbstverständlich war er FÜR (antizyklische) Konjunkturprogramme, gerade wenn monetäre policy nicht mehr ausreicht (oder die Entscheidungsträger bei den jeweiligen Zentralbanken zu hawkish sind trotz Krise)
    Aber es ist ja dann doch schön, dass Sie wenigstens einsehen, dass Hank Paulson’s glorreiche Lehman Entscheidung ja dann doch nicht so super war. Endlich etwas, wo links und rechts einer Meinung sind (das, und das
    Oh, und wenn wir schon bei Lehman sind: das gleiche hirntote ‘moral hazard’ Argument (welches Paulson damals benutzt hatte, und seine Entscheidung zu vertreten) wird jetzt weniger als 3 Jahre später schon wieder ausgepackt. Jetzt meint unsere Mutti also, dass Eurobonds nicht gehen, bevor die faulen, verschwenderischen und dummen Südländer erst mal ordentlich neoliberale, äh…ich meine “alternativlose”, Strukturreformen (die zum größten Teil auf junk economics basieren, btw) durchführen, und die werden dann bereits in 7-10 Jahren auch wirken (in der Realität werden Sie das näturlich nicht, also die meisten davon, aber pfffft: widersprecht der Mutti nicht!!!), und in der Zwischenzeit können wir ja mit den lustigen Projektbondlis rumspielen. Yaaaaaayyyy!!! Projektbonds! Happy Time!
    Aber jetzt mal im Ernst: wenn der konservative Teil Europas (also vor allem wir in D) nicht versteht, dass uns die Zeit davon rennt, und anti-wissenschaftliche Reformen aufdrücken will (das mit den Sonderwirtschaftszonen war ein Witz, oder? SONDERWIRTSCHAFTSZONEN?!? D A S sollen die heilbringenden Reformen sein?!?!), während man natürlich stets gleichzeitig betont, dass man den hinterlistigen Peripherieländern nicht über den Weg traut, und deswegen sind ja auch die Eurobonds so total blöd und DOOF und wir hassen Sie voll total und sind-ja-eh-alles-Schmarotzer-die-faulen-Südländer. Auf Politisch-korrekt-Sprach nennt man so was dann ‘moral hazard’, und das ist VERY SERIOUS!!!! Es hört sich nämlich schon total serious an (‘also leck mich du linker Traumtänzer und benutze erst mal so wie ICH very serious nomenclature, und außerdem geh duschen Hippie!!!’)
    OK, genug rumgealbert. Das endgame hat sich nach wie vor nicht geändert: wenn man die Südländer weiter so behandelt, und wenn GR vollends rausgeekelt wird aus der Union, dann ist die endgültige Spaltung Europas nicht mehr aufzuhalten (und dafür brauche Ich noch nicht mal meine Glaskugel oder irgendeinen Tintenfisch zu Rate ziehen!) Portugal und Irland werden dieses gleiche erbärmliche Spielchen nicht mitspielen wollen, und auch in Spanien werden soziale Unruhen wohl schon in diesem Kalenderjahr ausbrechen, der Austeritätswahnsinn wird dafür schon sorgen.
    Merkel muss endlich kapieren, dass es IHRE policies sind, die Europa in den Ruin treiben, ansonsten ist es Game Over. Und das kann doch kein Mensch wollen.

    Sind sie sich ganz sicher, dass sie Keynes studiert haben und seine Lehren auf das heutige Geldsystem beziehen können?

    Ansonsten: Merkel kann leider auch nichts dafür, dass die Staaten ihr fiktives Wachstum verlieren müssen, um überhaupt wieder zu lernen, einigermaßen normal zu wirtschaften.

  5. EXE
    28. Mai 2012 um 15:53

    Take-it-away-Jay-Emm-Kay :
    Insgesamt kann man ja leicht sehen, dass sich links und rechts bei dem Thema Eurokrise nicht verstehen, ja offensichtlich in völlig verschiedenen Sprachen kommunizieren. So ignorieren auch die rechten Kommentatoren hier im Forum komplett, dass Fricke (zu Recht) die Schulden als S Y M P T O M erkennt, und eben NICHT als Ursache.
    Und dann gibt es immer trotzdem immer noch welche, die meinen, dass Fricke verrückt ist, weil er wir zu letzt 1968 einen ausgeglichenen Haushalt hatten, und deswegen kann es ja nur eine Schuldenkrise sein (die anderen ‘Argumente’ für die ‘Schulden’-krise sind genauso dämlich, aber nicht hervorhebenswert, da dieses Argument mich viel mehr belustigt).
    Wieder andere sind empört, ja: EMPÖRT, dass Fricke es wagt, die unfassbare Importanz der Schulden herunterzuspielen (er tut dies überhaupt nicht, aber wenn man E M P Ö R T ist, dann ist es mit den Fakten eh nicht so weit her).
    Dann fragt man sich als linker eben schon: was können wir noch tun, um es euch zu erklären. Wie könnt ihr Konservativen es am besten verstehen?
    Ich persönlich bin für mich zum Schluss gekommen, dass Konservative ohnehin nur das lesen, was Sie lesen WOLLEN, und wenn man Sie intellektuell in die Enge treibt (wie Krugman, Stiglietz, DeLong, Thoma, Blanchard und eben auch Fricke ja regelmäßig machen), gehen die Finger in die Ohren und es heisst dann nur: LA-LA-LA SCHULDEN SIND DOOF LA-LA-LA IHR LINKEN SEIHT EH ALLE REALITÄTSFERN UND WAHRSCHEINLICH AUCH SCHWUL LA-LA-LA-LA EST IST EINE SCHULDENKRISE LA-LA-LA-LA
    So kommen wir aber nun mal nicht weiter, meine konservativen Freunde. Und deswegen finde Ich die Idee ganz spannend, dass Obama (den Kommie aus Kenia meine Ich. Er hat mal Hundefleisch gegessen. Und ist voll fies zu den job creators…Ihr kennt ihn) vielleicht doch deutlichen Druck auf Merkel ausüben sollte (Tim Duy hatte diese Idee auf seinem exzellenten Blog vor kurzem, wenn mich nicht alles täuscht…mag jetzt nicht nachgucken, bin ja auch ein fauler Linker).
    Dieses Eingreifen könnte ein diplomatischer Supergau werden, aber ein deutliches (und möglicherweise gar öffentliches?) abkanzeln der Mutti könnte mehr wert sein, als mit vorsichtigen, diplomatisch korrekten Minischritten die Mutti zur Vernunft bringen zu wollen.
    Ich persönlich würde es natürlich begrüßen, allein schon weil die Springer Blätter dann vor einem unheimlichen Dilemma stünden: Amerika ist großartig und wir lieben es total (steht ja so im Springer Grundgesetz, oder wie auch immer die das da nennen), aber der böse Ami hat die Mutti böse in die Mangel genommen! Köpfe würden explodieren!!!
    Oh, und es wäre auch super für die Europa und die Welt und so, aber vor allem wäre es ein schönes Dilemma für Springer! Wer will das auch sehen? Wortmeldungen? Facebook-likes? Irgendwer?

    Amerika drückt auch ganz sicher nicht auf die Tube, weil sie über Jahre komplett defizitär gelebt haben? Die haben zwei Jahrzehnte lang einmal ihre Grundlage für Steuern verloren, sie haben nicht gespart, sie haben Ausgaben erhöht und sie haben künstliches Wachstum befeuert sowie ein einzigartiges Außenhandelsdefizit.

    Gleichzeitig haben sich fast alle Länder von ihrer (Zinsknechtschaft) befreit und eigene Produkte für den Weltmarkt entwickelt.

    Europa soll am besten genauso werden, um entweder alle Gläubiger prellen zu können oder eben mittels Platzen einer weiteren sozialromantischen Blase Gelder 1 zu 1 in die USA zu transferieren.

    Ansonsten liefern sie doch mal ökonomische Daten, irgendwelche Argumente, anstatt sich über angebliche Unvernunft oder angeblichen „Nichtmögen von Linken“ zu beschränken. Vielleicht hat die allgemeine Gegenliebe eher damit zu tun, dass sich extrem viele Leute stark in die Materie eingearbeitet haben, anstatt vorher bereits alles zu wissen oder gewusst zu haben.

  6. EXE
    28. Mai 2012 um 15:33

    Andreas :
    “mit Ausgabenpaketen ohne zugrundeliegener Wertschöpfung” – auf welchem planeten wurde denn ihrer Meinung nach diese Wertschöpfung betrieben?

    Planet ist die Erde. Aber der für die Geldschöpfung zugrundeliegende Wert sind die Staatsschulden an sich, und hier fehlt in vielen Ländern oftmals leider das Reale dahinter. Deutschland verliert Bevölkerung und dadurch Arbeitsplätze, trotzdem steigt die Staatsquote insbesondere bei Niedrig- & Normalverdienern seit 1998, und dem Kurs weg von Sozialer Marktwirtschaft.

    • Andreas
      29. Mai 2012 um 07:42

      Ach nee! Geld wird als Schuld geschöpft, ohne, dass irgendjemand sich verschuldet, gäbe es kein Geld. Der Staat ist aber nicht wegen der Geschenke an Bedürftige verschuldet, sondern weil er in Krisenzeiten als Letzter dagegen halten muß! Und er nimmt quasi die Sparguthaben der reichsten paar Prozent auf, die müssen irgendwo gegengebucht werden, es sei denn, man würde da besteuern, aber genau das will ja hier keiner! Deutschland hat Überschüsse, das heißt, wir expoertieren mehr, als wir importieren, heißt wir leben UNTER unseren Verhältnissen!

  7. EXE
    28. Mai 2012 um 15:22

    Take-it-away-Jay-Emm-Kay :
    Wow. 2 Tipps:
    1) Sie können Blödsinn auch in weniger als 8000 Worte fassen. So etwa:
    “Ich bin zwar kein Ökonom, aber bin 100% davon überzeugt, dass Sie, Herr Fricke, voll blöd sind. Ich mag Sie nach diesem fiesen-weil-gut-durchdachten Artikel jetzt nicht mehr. Und mit ihren listigen, auf Empirie beruhenden, (leider) sehr guten Argumenten bin Ich gezwungen, meine Position neu zu überdenken. ICH MAG DASS ABER NICHT GERN TUN! Was Sie schreiben ist doch eh alles Traumtänzerei, und die Bild Zeitung sagt, es ist eine SCHULDENKRISE, also IST DAS AUCH SO. Mit Ihnen und ihren Kommie Freunden ist es voll schwer, eine ERKENNTNISFÖRDERNDE Diskussion zu führen, weil Ihr blöden Linken immer mit eurer blöden Empirie und euren fiesen Fakten kommt, und wie soll Ich da noch was gegen halten. So geht es nicht, Herr Fricke.”
    Sehen Sie, so hätten Sie doch auch Ihren Punkt rüberbringen können!
    2) Sie würden gerne ein paar andere Ökonomen hören, die wie Fricke argumentieren (irgendwo in den 8000 Worten hatten Sie das ja anklingen lassen). Wie wär’s mit ein paar Nobelpreisträgern: Paul Krugman + Joe Stiglitz! Ach, Nobelpreisträger in ihren Eifeltürmen mögen Sie nicht? OK: Paul de Grauwe, Will Buiter, Brad DeLong, Simon Wren-Lewis, Tim Duy, Mark Thoma, Ollie Blanchard. Oder einen Wirtschaftsweisen vielleicht? Probieren Sie Peter Bofinger! Oder Kolumnisten? Wie wäre es mit Wolfgang Münchau, Martin Wolf, Ezra Klein oder Felix Salmon? Stehen mehr auf Kultur? John Cassidy hat beim New Yorker mehrmals so argumentiert, vielleicht mögen Sie ja den New Yorker lieber?
    Ich will nur deutlich machen, das wir es hier mit der STANDARD Interpretation der Krise zu tun haben, die Fricke hier aufzeichnet. Nur sind wir in D leider ein bisschen zu dumm, um Standard zu verstehen.
    Wir waren mal das Land der Dichter und Denker. Denken können wir offensichtlich nicht mehr, das müssen wir jetzt den anderen überlassen. Und seit Günter Grass nur noch mistige Gedichte schreibt, ist es mit den Dichtern auch vorbei.
    TROTZDEM MÜSSEN ALLE SO WERDEN WIE WIR!!!!!!

    Also ein Denker scheinen sie definitiv nicht zu sein. Aber sie können ja gerne nur ein Argument liefern, warum das eben gesagte Falsch sein soll. (Ich stimme insbesondere dem Punkt mit dem Eigentum nicht zu, ist aber nicht Gegenstand dieser Diskussion)

  8. Traumschau
    28. Mai 2012 um 07:29

    Na endlich, endlich kommt auch die FTD zum Kern der Problematik. Foristen haben hier und an anderer Stelle immer wieder genau das geäußert, was Sie jetzt in diesem Artikel vertreten.
    Nur, man hätte das schon SEHR viel früher thematisieren können. Lesen Sie bitte mal des öfteren in den Foren von SPON oder auch die Beiträge bei „Querschüsse“. Da finden Sie Links und amtliche Daten ohne Ende. Aber Schwamm drüber! Um so erfreulicher ist jetzt die argumentative Kehrtwende bei FTD. Wenn Sie auch dann noch die Sichtweise zu eigen machen könnten, dass KEINE Massnahme zu Erfolgen führen kann, solange die Finanzmärkte nicht wirkungsvoll reguliert werden, dann wäre ich echt aus dem Häuschen. Ich sage hiermit voraus, dass auch Eurobonds unter den derzeitigen Voraussetzungen (s.o.) nur Zeit erkaufen und letztlich scheitern werden, ja der Euro zerbrechen wird. Und ein letztes: Wenn sich die Staaten nicht endlich alle an das vereinbarte Inflationsziel von 2% halten bzw. die Löhne in D. sich nicht endlich an der Produktivität orientieren, wird unter keiner Umständen die Krise zu lösen sein. Deshalb muss jeder vernünftige Mensch jetzt für einen gesetzlichen Mindestlohn sein. Wir brauchen einen Schub des Binnenmarktes – unser Export in die EU wird bald zusammenbrechen – das ist nur eine logische Folge der Sparorgien in den Krisenländern. WIR machen diese Länder zu einem großen Teil mit unserem Lohndumping kaputt.
    Wenn Sie jetzt noch bitte dafür Sorge tragen – nachdem Sie, wie fast die gesamte Presse, so lange geschlafen haben – , dass das auch bei unserer Regierung zu einer Einsicht und Kehrtwende führt, dann wäre die FTD endlich mal nützlich. Sorry, aber das musste mal gesagt werden!

    • Take-it-away-Jay-Emm-Kay
      28. Mai 2012 um 20:27

      Schön, dass es noch denkende Menschen hier im Forum gibt!

      Sie haben natürlich vollkommen Recht, dass der entscheidende Lösungsweg in der Eurokrise über deutliche Lohnerhöhungen (und parallel dazu deutlich höhere Inflation) in D führen muss (und ja, gleichzeitig Lohnzurückhaltung und Disinflation im Süden)

      Das unsere konservativen Mitbürger dies ohnehin nicht kapieren werden, ist von vorneherein eh klar. Und einen Schwenk in den Medien wird es nicht geben, weil FAZ, Handelsblatt, Focus, Bild und Welt in keinster Weise an Empirie oder Fakten interessiert sind, es gebt immer nur im Dogmen und Ideologie.

      Die FT ist in dieser Hinsicht zweifelsohne Lichtjahre voraus. Ja, es gibt immer wieder bescheuerte Meinungsartikel in der FTD, aber Stimmen wie z.B. Münchau, Fricke und die Essays von Star-Ökonomen, die man ansonsten nur auf Project Syndicate finden würde, dürfen Sie ja nun nicht einfach unter den Tisch fallen lassen wenn Sie von der FTD sprechen.

      Wenn Ich irgendetwas an der Berichterstattung der Eurokrise in der FTD zu meckern hätte, dann dass Martin Wolf’s großartige Kolumnen (meines Wissens nach – korrigieren mich bitte jemand, wenn Ich falsch liegen sollte) nur in der englischsprachigen Ausgabe erscheinen.

      Man könnte aber auch im FTD Archiv nachsehen, wie oft (nur als Bsp.) in den Leitartikeln das Wort ‚Schuldenkrise‘ anstatt dem wissenschaftlich korrekteren Begriff ‚Eurokrise‘ verwendet wurde in den letzten Monaten.

      FALLS die FTD regelmäßig das Wort ‚Schuldenkrise‘ benutzt haben sollte (oder Begriffe wie ‚verschwenderische Peripheriestaaten‘, ‚Exportweltmeister‘ oder einfach nur dümmliche Klischees wie ‚den Gürtel enger schnallen‘ oder ‚über ihre Verhältnisse gelebt‘ propagandiert gehabt hätten), dann wäre die FTD sicherlich auch mit an der derzeitigen Situation Schuld, kein Thema. Aber das müsste man empirisch untersuchen.

      Nach meinem Empfinden war die FTD aber eigentlich eine intelligente Ausnahmeerscheinung in einem Meer von hirntotem Rotzjournalismus hier in D, wobei die englische Version mehr Lob verdient als die deutsche.

  9. Take-it-away-Jay-Emm-Kay
    28. Mai 2012 um 00:23

    Insgesamt kann man ja leicht sehen, dass sich links und rechts bei dem Thema Eurokrise nicht verstehen, ja offensichtlich in völlig verschiedenen Sprachen kommunizieren. So ignorieren auch die rechten Kommentatoren hier im Forum komplett, dass Fricke (zu Recht) die Schulden als S Y M P T O M erkennt, und eben NICHT als Ursache.

    Und dann gibt es immer trotzdem immer noch welche, die meinen, dass Fricke verrückt ist, weil er wir zu letzt 1968 einen ausgeglichenen Haushalt hatten, und deswegen kann es ja nur eine Schuldenkrise sein (die anderen ‚Argumente‘ für die ‚Schulden‘-krise sind genauso dämlich, aber nicht hervorhebenswert, da dieses Argument mich viel mehr belustigt).

    Wieder andere sind empört, ja: EMPÖRT, dass Fricke es wagt, die unfassbare Importanz der Schulden herunterzuspielen (er tut dies überhaupt nicht, aber wenn man E M P Ö R T ist, dann ist es mit den Fakten eh nicht so weit her).

    Dann fragt man sich als linker eben schon: was können wir noch tun, um es euch zu erklären. Wie könnt ihr Konservativen es am besten verstehen?

    Ich persönlich bin für mich zum Schluss gekommen, dass Konservative ohnehin nur das lesen, was Sie lesen WOLLEN, und wenn man Sie intellektuell in die Enge treibt (wie Krugman, Stiglietz, DeLong, Thoma, Blanchard und eben auch Fricke ja regelmäßig machen), gehen die Finger in die Ohren und es heisst dann nur: LA-LA-LA SCHULDEN SIND DOOF LA-LA-LA IHR LINKEN SEIHT EH ALLE REALITÄTSFERN UND WAHRSCHEINLICH AUCH SCHWUL LA-LA-LA-LA EST IST EINE SCHULDENKRISE LA-LA-LA-LA

    So kommen wir aber nun mal nicht weiter, meine konservativen Freunde. Und deswegen finde Ich die Idee ganz spannend, dass Obama (den Kommie aus Kenia meine Ich. Er hat mal Hundefleisch gegessen. Und ist voll fies zu den job creators…Ihr kennt ihn) vielleicht doch deutlichen Druck auf Merkel ausüben sollte (Tim Duy hatte diese Idee auf seinem exzellenten Blog vor kurzem, wenn mich nicht alles täuscht…mag jetzt nicht nachgucken, bin ja auch ein fauler Linker).
    Dieses Eingreifen könnte ein diplomatischer Supergau werden, aber ein deutliches (und möglicherweise gar öffentliches?) abkanzeln der Mutti könnte mehr wert sein, als mit vorsichtigen, diplomatisch korrekten Minischritten die Mutti zur Vernunft bringen zu wollen.

    Ich persönlich würde es natürlich begrüßen, allein schon weil die Springer Blätter dann vor einem unheimlichen Dilemma stünden: Amerika ist großartig und wir lieben es total (steht ja so im Springer Grundgesetz, oder wie auch immer die das da nennen), aber der böse Ami hat die Mutti böse in die Mangel genommen! Köpfe würden explodieren!!!

    Oh, und es wäre auch super für die Europa und die Welt und so, aber vor allem wäre es ein schönes Dilemma für Springer! Wer will das auch sehen? Wortmeldungen? Facebook-likes? Irgendwer?

  10. EXE
    26. Mai 2012 um 18:00

    @Take-it-away-Jay-Emm-Kay:
    Aufpassen, wenn man sich auf Keynes beruft. Keynes war für Staatseingriffe zur Stabilität (ergo Banken nicht absaufen lassen), nicht für Konjunkturpakete. Und das wäre auch das beste in der Krise gewesen, denn die psychologische Wirkung von Konjunkturpaketen war vermutlich auch nicht mal nötig gewesen.

    Konjunkturpakete sind nichts anderes als ein Vorwand, sich wenig später das Geld durch stärkere Besteuerung zurückzuholen und somit den Einfluss des Staates zu erhöhen. Deshalb befindet sich Deutschland auch auf dem Weg in eine nordische Sozialdemokratie.

    Dass der rechte Weg, mit Absaufen lassen, nicht unbedingt schlauer war, zeigt das Beispiel USA und Lehman Brothers. Keynes war aber liberal.

    • Take-it-away-Jay-Emm-Kay
      27. Mai 2012 um 23:41

      Dann lesen Sie mal Keynes! Selbstverständlich war er FÜR (antizyklische) Konjunkturprogramme, gerade wenn monetäre policy nicht mehr ausreicht (oder die Entscheidungsträger bei den jeweiligen Zentralbanken zu hawkish sind trotz Krise)

      Aber es ist ja dann doch schön, dass Sie wenigstens einsehen, dass Hank Paulson’s glorreiche Lehman Entscheidung ja dann doch nicht so super war. Endlich etwas, wo links und rechts einer Meinung sind (das, und das

      Oh, und wenn wir schon bei Lehman sind: das gleiche hirntote ‚moral hazard‘ Argument (welches Paulson damals benutzt hatte, und seine Entscheidung zu vertreten) wird jetzt weniger als 3 Jahre später schon wieder ausgepackt. Jetzt meint unsere Mutti also, dass Eurobonds nicht gehen, bevor die faulen, verschwenderischen und dummen Südländer erst mal ordentlich neoliberale, äh…ich meine „alternativlose“, Strukturreformen (die zum größten Teil auf junk economics basieren, btw) durchführen, und die werden dann bereits in 7-10 Jahren auch wirken (in der Realität werden Sie das näturlich nicht, also die meisten davon, aber pfffft: widersprecht der Mutti nicht!!!), und in der Zwischenzeit können wir ja mit den lustigen Projektbondlis rumspielen. Yaaaaaayyyy!!! Projektbonds! Happy Time!

      Aber jetzt mal im Ernst: wenn der konservative Teil Europas (also vor allem wir in D) nicht versteht, dass uns die Zeit davon rennt, und anti-wissenschaftliche Reformen aufdrücken will (das mit den Sonderwirtschaftszonen war ein Witz, oder? SONDERWIRTSCHAFTSZONEN?!? D A S sollen die heilbringenden Reformen sein?!?!), während man natürlich stets gleichzeitig betont, dass man den hinterlistigen Peripherieländern nicht über den Weg traut, und deswegen sind ja auch die Eurobonds so total blöd und DOOF und wir hassen Sie voll total und sind-ja-eh-alles-Schmarotzer-die-faulen-Südländer. Auf Politisch-korrekt-Sprach nennt man so was dann ‚moral hazard‘, und das ist VERY SERIOUS!!!! Es hört sich nämlich schon total serious an (‚also leck mich du linker Traumtänzer und benutze erst mal so wie ICH very serious nomenclature, und außerdem geh duschen Hippie!!!‘)

      OK, genug rumgealbert. Das endgame hat sich nach wie vor nicht geändert: wenn man die Südländer weiter so behandelt, und wenn GR vollends rausgeekelt wird aus der Union, dann ist die endgültige Spaltung Europas nicht mehr aufzuhalten (und dafür brauche Ich noch nicht mal meine Glaskugel oder irgendeinen Tintenfisch zu Rate ziehen!) Portugal und Irland werden dieses gleiche erbärmliche Spielchen nicht mitspielen wollen, und auch in Spanien werden soziale Unruhen wohl schon in diesem Kalenderjahr ausbrechen, der Austeritätswahnsinn wird dafür schon sorgen.

      Merkel muss endlich kapieren, dass es IHRE policies sind, die Europa in den Ruin treiben, ansonsten ist es Game Over. Und das kann doch kein Mensch wollen.

  11. T . Giger
    26. Mai 2012 um 16:23

    Zuerst haben die Staaten das globale Finanzsystem mit billigem Geld überschwemmt damit sich die Politiker die Wiederwahl sichern konnten (US: Alle brauchen ein Haus, „It’s the economy stupid“, Europa: Solidarität, Wirtschaftswachstum, Euro). Dann wundern sich alle, dass mit den Gratisscheinen gezockt wird wie imKasino und irgendwann fällt dann das Kartenhaus in sich zusammen. Danach verliert man die Nerven und ersetzt die Bankenblase durch eine Staatsblase. Leider gibt’s das Perpetum mobile 2. Art nicht, sonst hätte die Sache vielleicht ja funktioniert…. Herr Fricke hat Recht, die Staatsverschuldung ist nur ein Symptom, die Ursache ist politischer Populismus um die Wiederwahl zu schaffen….

  12. Helmut Levallois
    26. Mai 2012 um 15:52

    Th. Fricke schließt seinen Kommentar mit „Das wird nicht mehr lange halten“. Meine Frage: Was ist „das“? Die niedrigen Zinsen, die Deutschland für seine Staatsschuld zahlt? Werden etwa die Zinsen steigen weil sich das deusche Wachstum abschwächt? Mein Fazit (aber Frickes Wortwahl): Gequatsche !

  13. 26. Mai 2012 um 14:35

    Großen Schwamm nehmen, und die Zusammenhänge vertuschen, das leisten Sie bravourös, Herr Fricke. Und dann den deutschen Steuerzahler an die Hammelbeine kriegen, weil das ach so böse Finanzsystem nun leider, leider ja doch gerettet werden muss.

    Und wie sie Ihre Argumentation aufbauen, das ist schon genial (Steinbrück sollte mal bei Ihnen in die Lehre gehen!).

    Irland eröffnet: dort war ja tatsächlich die Bankenkrise Schuld. Vorher war die Staatsverschuldung gering, erst durch die Bankenrettung ist sie explodiert.

    Auch für Spanien passen die Zahlen, wenn man sie oberflächlich auslegt, zu Ihrer Deutung.
    Wo liegt ihr Denkfehler (oder ihr bewusstes Desinformationsmanöver: das können nur Sie selber wissen!)?

    Sie begründen „die“ Krise so:
    „Der Kern der Krise ist nach aller Wahrscheinlichkeit das Platzen einer Finanz- und Kreditblase, deren logischer Schluss darin lag, dass es eine Menge Leute gab, die 2007 ziemlich hoch verschuldet waren oder sich dank hochspekulierter Vermögenswerte nur reich fühlten. Als das aufflog, versuchten alle, ihre Schulden zurückzuzahlen, und da sind – zum Glück – die Staaten eingesprungen, weil so viel kollektiver Ausgabenverzicht rasch in die Depression führt.“

    Zunächst einmal gibt es „die“ europäische Staatsschuldenkrise nicht. Ein Kollege von Ihnen (weiß nicht mehr, wer es war) hatte in einem Kommentar von ca. 1 – 2 Monaten sehr richtig darauf hingewiesen, dass die Schwierigkeiten in jedem Problemland andere Ursachen haben.
    Dem gegenüber behaupten Sie mit Ihrem o. a. Satz, dass alle Länder (nach dem Folgetext Griechenland vielleicht ausgenommen, aber auch da versuchen sie Zweifel zu säen) die Staatsverschuldung aus Gründen der Konjunkturförderung hochgetrieben haben, also (explizit oder implizit) eine keynesianische Konjunkturförderunspolitik betrieben haben.
    Nun, wenn es so wäre, sollte sich das für einen Ökonomen (der ich nicht bin) relativ leicht verifizieren lassen. Bringen Sie uns die einschlägigen Daten, oder Links zu einschlägigen Arbeitspapieren, dann können wir darüber reden. Es müsste ja doch auf ganzen weiten Welt außer Ihnen wenigstens noch den einen oder anderen Ökonomen gegeben haben, der diese Zusammenhänge begriffen oder vermutet hätte, und sie dann verifiziert – oder falsifiziert. Da Sie keine einschlägigen Arbeiten anführen (können), muss ich zunächst einmal unterstellen, dass es solche nicht gibt.

    Es gab nicht „EINE“ Finanz- oder Kreditblase. Es gab eine Immobilienblase in den USA. Und es gab bzw. gibt (zeitversetzt, und wohl ohne inneren Zusammenhang) eine Immobilienblase in Spanien. Davon, dass die Spanier in den Jahren 2008 ff. hektisch versucht hätten, ihre Hypotheken zurückzuzahlen: davon habe ich noch nirgends etwas gelesen; das scheint mir ein verbales Phantasieprodukt von Ihnen zu sein. Dass die durch Immobilienspekulation getriebene Konjunktur in Spanien nicht nachhaltig sein konnte, liegt auf der Hand. Nur kann in einer solchen Situation auch der Staat nicht einspringen, weil eine Spekulationsblase nun einmal ihrer Natur nicht nachhaltig sein kann. Selbst wenn also (hypothetisch oder meinetwegen tatsächlich) der spanische Staat versucht hätte oder hat, das Nachlassen des Baubooms durch, sagen wir, Straßenbauprojekte, auszugleichen, wäre das kein ökonomisch nachhaltiges Modell gewesen, sondern eben – „bitterböse Schulden“.
    Die spanische Staatsverschuldung ist ja, was sie zwecks Vermeidung von Begründungsschwierigkeiten hier nicht ansprechen, sogar aktuell noch geringer als unsere deutsche.
    Im Vergleich zu Deutschland sind dort also die Staatsschulden nicht wegen ihrer prozentualen Höhe „bitterböse“, sondern wegen der labilen spanischen Wirtschaftslage. DESWEGEN trauen die Finanzmärkte Spanien eine Rückzahlung nicht zu, weil die spanische Wirtschaft allzu sehr spekulationsgetrieben war, aber keine Überschüsse für Zins und Tilgung erwirtschaftet. Dass die von den USA ausgehende ‚internationale‘ Finanzkrise eine Rolle spielt, ist sicherlich richtig. Aber nicht über irgend eine ‚harte‘ Kausalität, sondern lediglich psychologisch über ein (zu Recht!) geschärftes Risikobewusstsein der Märkte.
    Auf Spanien bezogen heißt das, dass (um Ihre Sätze vom Kopf auf die Füße zu stellen) ‚unsere Kanzlerin seit zwei Jahren zu verhindern sucht, dass durch bloßes an Symptomen kuriert wird, statt tiefere Ursachen der (Struktur-)Krise zu beheben. Das würde nämlich die Krankheit verschlimmern – und auf die Deutschen jetzt und immerdar (durch eine ewigliche Transferunion) zurückschlagen.‘

    Spanien bekommt sehr wohl, was es [genauso wie Greenspan-Amerika!] verdient hat, indem es sich in der Konjunktursonne eines spekulativ durch ausländisches Kapital finanzierten Immobilienbooms gesonnt hat, statt diesen zu bremsen (was man administrativ sehr wohl auch bei einer lockeren Geldpolitik tun kann – Beleihungsgrenzen usw.!) und andere Wirtschaftszweige zu fördern, insbesondere zu deregulieren.

    Mag sein, dass der eine oder andere Politiker diese Kausalitäten ebenso verkennt, wie manche Journalisten – selbst in Wirtschaftszeitungen. Nur ändert das nichts daran, dass Ihr Greenspan-Rezept des fröhlichen Gelddruckens. (Das wird uns nach meiner Einschätzung von angelsächsischen Interessen eingeflüstert, um einerseits natürlich ihre Kredite zurück zu bekommen, vor allem aber – schon teilweise erfolgreich! -, um die Währungskonkurrenz zu schwächen – was ja auch schon erfolgreich gelungen ist!)
    Ich gebe ja gerne zu, dass Irving Fishers Debt-Deflation Theory of Great Depressions in sich schlüssig erscheint. Indes ist es die Bibel eines Spekulanten, und würde (wie von Meister Greenspan ja auch wirklich praktiziert!) eine fortdauernde Inflationierung erfordern.

    Was hinsichtlich der Staatsschulden konkret für Italien gelten soll, ist mir unklar. Doch reicht mir schon ein Blick auf Ihre Einschränkung „im Langjahresvergleich“ um zu ahnen, dass Ihre Argumente hier noch weitaus windiger sind.

    Und was die Steigerung der Schulden angeht, die sie ja (rein spekulativ) darin begründet sehen, dass
    „Banken mit Steuergeldern gerettet werden mussten, Regierungen gegen die drohende Depression Konjunkturpakete auflegten und Wachstumsverluste für neue Löcher in Staatshaushalten sorgten“:
    Fakten, Fakten, Fakten, Herr Fricke: wo sind sie?
    Aber davon abgesehen ist es im Falle Italiens nun einmal Fakt, dass die Schuldenlast schon lange zu hoch war, und die italienische Regierung sie hätte abbauen müssen. In guten Zeiten hat sie das nicht getan, in schlechten Zeiten ‚kann man es nicht verlangen‘ (sagen Sie hier nicht, dürfte aber Ihre Position sein und ist irgendwo ja auch nachvollziehbar).
    Aber auch in Italien sind die Rigiditäten ja sichtbar (vom maroden Mezzogiorno ganz abgesehen) und läuft alles darauf hinaus, dass man die Wirtschaft mit Stroh befeuern kann (nach der Vorstellung – auch – von Monsieur Hollande) – oder eben solide Reformen machen. Wenn das Strohfeuer hübsch lodert, wird nun einmal nicht reformiert. Scheinbar ist ja alles in Ordnung.

    Über Portugal schweigen Sie: passen dort die Daten nicht zu Ihrer Theorie?

    Griechenland? Ja, da passen die Fakten nicht zu ihrer Argumentation. Drum verlegen sie sich auf die totale Mystifikation:
    „Da war Griechenland eher die Ausnahme von der Regel. Und selbst dort gilt, dass die große Explosion erst danach kam – und es auch noch andere Gründe geben muss, warum sich die Krise anschließend so verselbstständigt hat.“

    Guess what: Irgendwann (Mai 2010 war verdammt spät!) merken es sogar die Finanzmärkte, wenn die Lage nicht nachhaltig ist. Die Probleme waren nämlich spätestens Anfang 2009 in der Diskussion (ich habe bereits in einem Blog-Eintrag vom Februar 2009 u. d. T. „Lässt Klingklax sich klaglos beklauen? Keine Euro-Anleihen zur Rettung der Mittelmeer-Länder! Keine deutschen Steuergelder gen Süden senden!“ gegen eine Schuldenunion opponiert.) Und da die griechischen Staatsschulden ständig gestiegen sind, muss es nicht ominöse „andere“ Gründe geben, sondern gab es für die Gläubiger VERDAMMT GUT GRÜNDE, bei Griechenland den Sack endlich zuzumachen!
    Wer bei Griechenland (nicht erst in diesem Kommentar) von den wahren Problemen ablenkt, und und Deutsche fragt, ob wir die totale Haftung wollen, das sind doch Sie:
    „Und da trifft es als Erste die, die das schwächste Glied in der Kette sind: Sagen wir Griechenland. Was den Schein erhält, die Schulden, die es dort tatsächlich gibt, seien die Ursache – und von den wahren Ursachen ablenkt. Die Bank dankt.“

    Das ist als Perfide schon eine reife Leistung: Dass Sie dem deutschen Steuerzahler die von Ihnen propagierte totale Haftungsunion als Kampf gegen die bösen Banken verkaufen!

    Ich kann allerdings nicht ausschließen, dass Sie Ihre Position wirklich guten Glaubens vertreten und letztlich eine Inflationierung wollen, weil sie das für ökonomisch erforderlich halten.
    Ich hätte in diesem Falle tatsächlich Schwierigkeiten, gegenzuhalten. Denn (auch?) ich sehe als tieferen Grund „der“ Krise (aber gewiss nicht der griechischen!) die (wohl schon von Keynes vorhergesehene) Konzentration von Kapital, das wegen seines Umfangs nicht mehr konsumiert wird (werden kann), und wegen mangelnder Kapitalabsorptionsfähigkeit (aus welchen Gründen auch immer: Sättigungserscheinung, administrative oder umweltbezogene Regulierung/Überregulierung, ggf. auch Rohstoffverknappung) auch nicht investiert werden kann.
    Diese Befürchtung habe ich in einem Denkmodell näher ausgeführt [Die Ökonomie der Artos-Phagen (Artosphagen): Warum eine eigentumsbasierte Geldwirtschaft (im Basismodell) nicht dauerhaft funktionieren kann].

    Aber selbst wenn das der wahre Grund für Ihre Positionierung sein sollte, hätte ich damit Schwierigkeiten. In diesem Falle würden Sie sich nämlich, indem Sie diesen Hintergrund aus sozusagen politischen Gründen verschweigen, als Teil eines Manipulationssystems begreifen, nicht als Teil eines diskursiven Erkenntnissystems.
    Und dann wäre eine ERKENNTNISFÖRDERNDE Diskussion mit Ihnen (nicht nur für mich, sondern für alle Gesprächspartner) nicht möglich.

    • Take-it-away-Jay-Emm-Kay
      28. Mai 2012 um 00:44

      Wow. 2 Tipps:

      1) Sie können Blödsinn auch in weniger als 8000 Worte fassen. So etwa:

      „Ich bin zwar kein Ökonom, aber bin 100% davon überzeugt, dass Sie, Herr Fricke, voll blöd sind. Ich mag Sie nach diesem fiesen-weil-gut-durchdachten Artikel jetzt nicht mehr. Und mit ihren listigen, auf Empirie beruhenden, (leider) sehr guten Argumenten bin Ich gezwungen, meine Position neu zu überdenken. ICH MAG DASS ABER NICHT GERN TUN! Was Sie schreiben ist doch eh alles Traumtänzerei, und die Bild Zeitung sagt, es ist eine SCHULDENKRISE, also IST DAS AUCH SO. Mit Ihnen und ihren Kommie Freunden ist es voll schwer, eine ERKENNTNISFÖRDERNDE Diskussion zu führen, weil Ihr blöden Linken immer mit eurer blöden Empirie und euren fiesen Fakten kommt, und wie soll Ich da noch was gegen halten. So geht es nicht, Herr Fricke.“

      Sehen Sie, so hätten Sie doch auch Ihren Punkt rüberbringen können!

      2) Sie würden gerne ein paar andere Ökonomen hören, die wie Fricke argumentieren (irgendwo in den 8000 Worten hatten Sie das ja anklingen lassen). Wie wär’s mit ein paar Nobelpreisträgern: Paul Krugman + Joe Stiglitz! Ach, Nobelpreisträger in ihren Eifeltürmen mögen Sie nicht? OK: Paul de Grauwe, Will Buiter, Brad DeLong, Simon Wren-Lewis, Tim Duy, Mark Thoma, Ollie Blanchard. Oder einen Wirtschaftsweisen vielleicht? Probieren Sie Peter Bofinger! Oder Kolumnisten? Wie wäre es mit Wolfgang Münchau, Martin Wolf, Ezra Klein oder Felix Salmon? Stehen mehr auf Kultur? John Cassidy hat beim New Yorker mehrmals so argumentiert, vielleicht mögen Sie ja den New Yorker lieber?

      Ich will nur deutlich machen, das wir es hier mit der STANDARD Interpretation der Krise zu tun haben, die Fricke hier aufzeichnet. Nur sind wir in D leider ein bisschen zu dumm, um Standard zu verstehen.

      Wir waren mal das Land der Dichter und Denker. Denken können wir offensichtlich nicht mehr, das müssen wir jetzt den anderen überlassen. Und seit Günter Grass nur noch mistige Gedichte schreibt, ist es mit den Dichtern auch vorbei.

      TROTZDEM MÜSSEN ALLE SO WERDEN WIE WIR!!!!!!

      • 28. Mai 2012 um 12:21

        Zunächst einmal freue ich mich konstatieren zu können, dass ich mit Ihrem letzten Absatz absolut konform gehe. Ja, Günther Grass schreibt wirklich mistige Gedichte (sogar die bailoutfreundliche FTD hat sein Griechenland-Gedicht kritisiert).

        Und dass „wir“ offensichtlich nicht mehr denken können, und es deshalb jetzt den anderen überlassen müssen: Davon legt doch justament Ihr Kommentar beredtes Zeugnis ab!

        Ich trage (richtige oder falsche: das mag jetzt mal offen bleiben) Sachargumente vor. Sie glauben, mir Autoritäten um die Ohren hauen zu können.
        Nobelpreise sind kein Nachweis dafür, dass deren Träger für spezifische Probleme korrekt argumentieren; es sind auch schon Physiker beim Reparieren ihres Rasenmähers einen tödlichen Stromschlag geholt. (Gerade neulich las ich irgendwo die scherzhafte Bemerkung, dass in den Wirtschaftswissenschaftern Nobelpreise dafür vergeben würden, dass der eine Preisträger die Thesen des anderen widerlegt hat.)
        Von Stiglitz habe ich die „Schatten der Globalisierung“ gelesen und rezensiert (http://www.beltwild.de/drusenreich_drei.htm#Iceberg_lecture) Letzten Endes hat mich das Buch nicht sonderlich beeindruckt, weil schon dort sein Rezept für die Entwicklungsländer im Gelddrucken (irgend welche obskuren Sonder-Sonderziehungsrechte) bestand.

    • 28. Mai 2012 um 11:21

      Ich habe selten einen so guten und differenzierten Kommentar gelesen, Danke.

      • 28. Mai 2012 um 11:22

        Sorry, meine Antwort sollte eigentlich dem Kommentar obendrüber (Burghardt Brinkmann) gelten.

      • 28. Mai 2012 um 17:27

        Danke, Herr Pfister.
        Ich hoffe nur, dass die FTD auch meine Antwort auf den Kommentar von „Take-it-away-Jay-Emm-Kay“ publiziert!

  14. NLFriese
    26. Mai 2012 um 13:20

    Die Staatsverschuldung wird an der Wirtschaftsleistung gemessen. Und woher kam die Wirtschaftsleistung? (z.B. Irland, Spanien)

  15. EXE
    26. Mai 2012 um 12:01

    Also mich wundert dieser Artikel sehr.

    Selbstverständlich haben wir eine immense Staatsverschuldung in den Südländern. Diese Länder haben sich innerhalb einer vorgegebenen Inflationsrate seitens der EZB davon abgekoppelt, an Wettbewerbsfähigkeit verloren und trotzdem riesige Ausgabenposten angeschafft. Nimmt man die Garantien mit rein, hat jedes der entsprechenden Länder eine Staatsverschuldung weit über 100%, Italien steht dank eines starken privaten Sektors relativ gut da. Das wird von der Politik nicht direkt so beim Namen benannt, weiß aber jeder Kreditor dieser Länder.

    Insofern ist die aktuelle Politik auch das A. und O., denn damit wird fiktivem Wachstum durch unsere Geldtransfers einhalt geboten und die Länder auf normales Wirtschaften zurückgepolt. Nichts anderes müsste man in Deutschland auch in NRW machen.

    Desweiteren hat bislang jedes Konjunkturpaket (Kurzarbeit ist die Ausnahme, wenn man es reinzählen will) vollkommen versagt und lediglich Staatsschulden privatisiert. Es sind Leckerlis, und mit der Generationengerechtigkeit nicht zu vereinbaren.

    Ansonsten hilft innerhalb Europas auch ein Blick auf die Gesamtschuldenlast der Länder, denn mit der Gesamtschuldenlast rückt die notwendige Steuerquote, die direkt auf alle Erzeugnisse fällig ist nach oben. Sind die Privaten schon hoch verschuldet und das Geld im Ausland (Handelsdefizit), wird es allmählich sehr schwer.

    Desweiteren flüchtet man in unsere Anleihen, weil wir ein Safe Haven sind, wie die USA, und es weltweit immense Risiken gibt (China, harte Landung Schwellenländer). Desweiteren spekuliert man auf Währungsgewinne (insbesondere diese Tage), genauso wie man im Umkehrschluss mit unserer Währung höllisch aufpassen muss, aufgrund der Yen-Kredite, dass die diese nicht zustark abwertet und die Schulden der Unternehmen steigen.

    Die aktuelle Krise ist eine lupenreine, hausgemachte Krise von sozialer Romantik, wo Staaten als auch Private zu Banken getrieben wurden, die die Risiken kaschieren sollten. Ist mit der Immobilienkrise („jeder soll ein Haus haben“) in den USA schief gegangen, genauso wie in Europa mit Ausgabenpaketen ohne zugrundeliegener Wertschöpfung seit den 80ern.

    • Andreas
      26. Mai 2012 um 21:56

      Danke, ich habe selten so gelacht, wie bei ihrem Artikel.

    • Andreas
      27. Mai 2012 um 19:37

      „mit Ausgabenpaketen ohne zugrundeliegener Wertschöpfung“ – auf welchem planeten wurde denn ihrer Meinung nach diese Wertschöpfung betrieben?

  16. Hans Prömm
    26. Mai 2012 um 11:26

    Herr Fricke, hier liegen wir diametral auseinander: Die Staatsschulden und die politisch motivierte überschüssige Geldversorgung des Bankensystems (womit sonst sollten diese denn Staatsanleihen kaufen?) sind die Ursache der Malaise und nicht die Symptome! Der letzte ausgeglichene Bundeshaushalt war 1968 und der Finanminister hieß Franz Josef Strauß. Nennen Sie mir einen guten Grund, warum ausgeglichene Staatshaushalte heute als Unmöglichkeit dargestellt werden? Und dann, um zur Therapie zu springen, einen guten Grund, warum bei der „Rettung“ des jetzigen Transfer- und Währungsverbundes die deutsche Kanzlerin auf eine Neuordnung der Machtverhältnisse verzichten sollte?

  17. Take-it-away-Jay-Emm-Kay
    26. Mai 2012 um 10:40

    Also, Ich denke das Schlimmste an Merkels katastrophaler Strategie in den letzten zwei Jahren ist doch, dass wir es hier mit einer IDEE zu tun haben, oder genauer gesagt mit einer ganzen Ideologie, deren Anhänger sich stets zwischen Realitätsferne bis hin zu völligem Wahnwitz befinden/bewegen.

    „Never let a good crisis go to waste“, hat irgendeiner mal gesagt (war’s Churchill?), und Merkel scheint fest entschlossen, ihre radikal rechten Grundüberzeugungen (und machen wir uns nichts vor: es SIND radikale Ideen. Man ist weder schrill noch Kommunist noch sonst was, wenn man es auch ab und zu ausspricht) dem Rest von Europa aufzuzwingen.

    Das Problem mit der korrekten Analyse ist ja, dass die Lösung dafür vor allem:

    – Keynesianischen Stimulus
    – Eine deutlich stärkere EZB, die NICHT im Stil der Bundesbank handeln würde
    – Ein höheres Inflationsziel für Europa, inkl. 4-5 Prozent Inflation in D

    bedeuten würde. Kein einziger von diesen Punkten ist aber mit radikal rechtem (VWL-)Gedankengut vereinbar, vor allem Keynes war ja bekanntlich der Teufel in Person, zumindest wenn es nach Rechten Spinnern geht (und von mehr Inflation wollen Bild, Welt, FAZ, Handelsblatt und Co. ja gar nicht erst anfangen. Dann wird sofort Weimar oder Simbabwe aus dem rechten Hut gezaubert).

    Logisch, dass die von Hayek und von Mises anbetende Merkel (gleiches gilt für Weidman und Schäuble) die Krise so nicht sehen KANN, es würde ihre eigene Weltanschauung ja auf einen Schlag so stark hinterfragen, dass Sie – OH GOTT – ja mal in den Spiegel schauen und sich fragen müsste: Lag Ich möglicherweise doch falsch über all die Jahrzehnte?

    Und dies kann man ja offensichtlich von Konservativen nicht mehr erwarten im Jahr 2012.

    Selbstreflexion? PFFFFFFT! Schuldenkrise!!!!!!!!

  18. 26. Mai 2012 um 09:16

    Hm, ich versteh‘ das noch nicht ganz: die Krise ist doch „nur“ eine Umschuldung von riskant verbrieften US-Subprimes über die gierigen Banken der Welt hin zu schuldenfinanzierten, staatlichen Stützungsmaßnahmen, oder? Da ist doch klar, daß die inner-amerikanischen Schulden dank internationaler Verbanklichung und folgender Verstaatlichung den gierigen Europäern nach Krise I als Staatsschulden im Nacken sitzen. Wenn dann die Wirtschaft nachläßt, nachdem man gerade 11 Billionen $ weltweit durch Bankenrettung verbrannt hatte, und man gleich Konjunkturprogramme hinterherschiebt, läuft man schonmal aus dem Dispo.
    Dann gibt man etwas griechisches Olivenöl und irischen Whiskey dazu, schaukelt das panisch auf und schon kann serviert werden. Ich bin auch kein Fan merkelscher Politik, aber zu sagen die Ursachen lägen woanders – ohne zu sagen, wo genau – und einfach mal zu folgern: stoppt Merkel, klingt irgendwie polemisch. Den Dispo einfach weiter zu überziehen, indem man weitere Konjunkturprogramme hinterherschiebt, sieht für mich nur nach Lösung aus, wenn das irgendjemand anders finanziert. Wer?

  19. 25. Mai 2012 um 16:49

    The banks were and are system-relevant and cannot be left to fight for themselves. So the EU government had to do what they did. They had no way out. The solution was and still is: save them, then reform them. The only aspect of Merkel’s handling one can criticize, is that she hasn’t taken the banks on properly yet. But, that may still happen. Let’s not be too fast to criticize!
    Christo Volschenk

  20. 25. Mai 2012 um 13:25

    Ja, die Staaten haben sich von den Banken fesseln lassen. Aber konnten sie im ersten Schritt anders handeln? Wohl nein, weil Banken systemrelevant sind. Vielleicht war im Nachhinein die Entscheidung der USA besser, die Lehman Bank in Insolvenz gehen zu lassen.
    Finanzblasen gehören grundsätzlich zu unseren Wirtschaftssystemen, idealerweise zeigen sie an, dass Kapital falsch allokiert wurde. Das ist für die Kapitaleigner schmerzhaft, beendet aber die Fehlallokation. Natürlich ist dies bei unserem Bankensystem nicht oder kaum möglich, dass Vertrauen der Anleger wäre massiv zerstört. Also hat man diese Blase nicht platzen lassen. Weil aber nur an Symptomen kurriert wurde, wurde die Blase letzendlich verlagert: auf die Staaten. Wobei die Folgen eines Platzens der Blase hier sehr viel gravierender wäre.
    Jetzt hat „man“ sich also das Vertrauen der „Kleinanleger“ und Wähler geholt, zum Preis des Misstrauens der „Finanzmärkte“. Möglicherweise sind die „Finanzmärkte“ nicht unklug und erkennen, wie von Ihnen beschrieben die „falsche“ Reaktion der Politik.

    • Bonsta
      26. Mai 2012 um 12:14

      Mehrere Fehler begehen sie. Erstens gehören Finanzblasen nicht zum System, da sie vor der Lockerung der Regulierung praktisch längst Vergangenheit waren. Maximal in Doku’s und Geschichtsbüchern konnte man darüber lesen, aber nicht in Nachrichtenmagazinen.

      Zweitens sind längst nicht alle Banken Systemrelevant. Bis heute gibt es keine Untersuchung darüber ob die HRE tatsächlich gerettet werden musste. Zweifel über ihre Systemrelevanz sind durchaus angebracht. Richtig ist allerdings, dass Gläubiger immer mit dem Risiko leben müssen, einen Ausfall hinnehmen zu müssen. Aber gerade das findet ja gar nicht mehr statt. Im Gegenteil wird versucht sämtliche Gläubiger rauszuhauen und die Kosten ihrer Spekulation auf die Allgemeinheit abzuwälzen. Dass dies tatsächlich in schlicht beispieloser Weise gelingt, hat damit zu tun, dass die Finanzbranche nie so mächtig war wie heute. Das mag verschwörungstheoretisch klingen, betrachtet man dabei jedoch die Wirklichkeit, kann man sich das kaum selber ausdenken. Da wird der Chef von Goldman Sachs Deutschland von Kanzlerin Merkel berufen, sich Gedanken über die Regulierung von Banken zu machen. Ein Mann dessen Arbeitgeber ein rein spekulativer Finanzgigant ist, der mit klassischem Banking aber auch rein gar nichts mehr zu tun hat, soll Vorschläge geben, wie er seiner Bank die Geschäftsgrundlage enziehen kann. Ein schier unfassbarer Vorgang, der in der Öffentlichkeit praktisch überhaupt nicht wahrgenommen wurde. Wen das nicht stutzig macht, dem ist nicht mehr zu helfen. Derweil wird jedoch gerade wieder Eimerweise Häme und, ja schon Hass, ausgeschüttet, auf den, den die „Sun“ bereits 1999 als den „gefährlichsten Mann Europas“ bezeichnete. Dabei wollte dieser vor allem die Finanzmärkte regulieren, die damals und die Jahre danach immer weiter dereguliert wurden, was letztlich zu dieser Megabubble 2007 führte. Um den Namen zu nennen, ich rede von Oskar Lafontaine. Dabei geht es mir hier nicht um seine Verteidigung, sondern um die Merkwürdigkeiten einer Mediendemokratie, die offenbar nur an bestimmten Personen und Themen ein nachhaltiges Interesse hat, während andere machen können, was sie wollen.

      So einfach es auch ist den Mainstream der Meinungen zu den Ursachen der „Staatsschuldenkrise“ zu entzaubern – wie das Thomas Fricke hier geradezu spielend leicht gelingt – so unmöglich ist es, sich damit in der Öffentlichkeit Gehör zu verschaffen. Wer es dennoch versucht, setzt sich der Gefahr der Denunziation aus, was dann vielleicht immer noch besser ist, als vollständig ignoriert zu werden…

  21. dr. seltsam
    25. Mai 2012 um 12:16

    naja,, der blick muss natürlich über die staatshaushalte hinausgehen und die private verschuldung mit einbeziehen, damit ein schuh draus wird. trotzdem ist der verweis auf regulierungslücken natürlich völlig richtig – solange die ganze offshore-finanzwelt nicht als eines der kernprobleme identifiziert wird, liefert man die öffentliche hand immer wieder dem bubble-wahnsinn aus…

    beim ansturm des ’sicheren hafens‘ deutschland, sollten sie mal drüber nachdenken, inwieweit das überhaupt noch etwas mit den konjunkturaussichten/fundamentaldaten zu tun hat und inwiefern es einfach nur noch marktverwerfung und ausnahmezustand darstellt… rationalität würde ich da jedenfalls nicht zwingend unterstellen, anscheinend gibt es genug spekulative akteure, die die strategie als euro-short fahren und die möglichkeit der kernschmelze im währungsraum ausblenden…

  22. Rano
    25. Mai 2012 um 10:51

    Wie wahr, wie wahr! Und warum kauft die EZB die Staatsanleihen nicht gleich selber, anstatt den Banken Milliarden hinterher zu schmeissen, mit denen sie dann doch keine Staatsanleihen kaufen und auch sonst nix Sinnvolles damit machen.

    • Chrisperator
      25. Mai 2012 um 22:53

      Dogmatismus!

    • Take-it-away-Jay-Emm-Kay
      26. Mai 2012 um 10:20

      Weil es ihr nicht erlaubt ist. Die EZB war von Anfang an falsch konzipiert, hätte von Tag 1 an lender-of-last-resort Status haben müssen. Ich sage es mal so: wenn DT sich weiter weigert, Eurobonds zu akzeptieren, und in ein Paar Wochen das Unfassbare eintreffen sollte (ungeordneter default in GR), wird die EZB sich dann hoffentlich einen feuchten Dreck um dämliche Regeln scheren, und handeln.

      Und dann gibt es wohl unter anderem auch massiv QE, so wie Sie es ja zu Recht fordern. Die Frage ist nur, ob es dann nicht schon ‚Game Over‘ für Europa heist…

      • 27. Mai 2012 um 10:08

        @Take-it-away-Jay-Emm-Kay:
        Ohne Kenntnis der Bedeutung Ihrer Abkürzungen DT, GR, QE (cool?!) ist Ihr Beitrag für mich leider unverständlich.

  1. 31. Mai 2012 um 12:05
  2. 25. Mai 2012 um 15:42
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