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Warum Europa die Eurokrise nicht in den Griff bekommt…

19. Juli 2012

So richtig in trockenen Tüchern scheint die Eurorettung ja immer noch nicht. Es beschleicht einen das Gefühl, dass das neulich nicht der letzte Krisengipfel war. Eine interessante Analyse, warum Europa die Eurokrise einfach nicht in den Griff bekommt, hat Adalbert Winkler von der Frankfurt School of Finance & Management im Wirtschaftsdienst geschrieben.

Winkler sieht vor allem ein Vertrauensproblem. So schreibt er: „In der Finanzkrise 2008 wurde demonstriert, welche Instrumente verhindern können, dass sich der Vertrauensverlust in einzelne Banken zu einer Systemkrise ausweitet: eine Vergemeinschaftung der Haftung, damals in Form der Staatsgarantie für alle Einlagen, eine Bestandsgarantie für systemrelevante Banken sowie Liquiditätshilfen der Zentralbank. Genau diese Instrumente werden in der Eurokrise jedoch als unwirksam und schädlich erklärt.“

Hier ist sein ganzer Beitrag:

http://www.wirtschaftsdienst.eu/archiv/jahr/2012/7/2811/

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  1. Nemo
    20. Juli 2012 um 11:59

    Was könnte den beklagenswerten Zustand der Ökonomie besser beleuchten als diese Analyse (nebst allem möglichen und vor allem unmöglichen, was die Zunft verzapft). Die ihr zugrunde liegende Gleichung ist so simpel wie falsch und lautet: Weltfinanzsystem = Weltstaatensystem; oder noch kürzer und für das einfältigste Gemüt fasslich: Bank = Staat

    Damit ist die Grundfragfrage sogleich beantwortet: Warum geht die EU in den Fällen Griechenland, Portugal, Spanien & Co nicht so vor wie bei der Bankenkrise? Sind die Ursachen die selben, welche 2008 zum Beinahekollaps des Weltfianzsystems führten, sollte sie es tun, denn auch die (kurzfristig beruhigenden) Wirkungen wären ja die selben. Solten die Ursachen jedoch anders gelagert sein und damit auch die Wirkungen unterschiedlich, dann wäre das Prinzip „copy and paste“ geradezu töricht. Und so ist es. Bank = Staat ist so wahr wie 1 = 4.

    Zugegeben fällt die Trennung zwischen beiden angesichts schwindelerregender Rettungsaktionen der einen für die andere Seite schwer. Doch obwohl kapitalhungrige Staaten und renditehungrige Banken in Komplizenschaft das heute wankende System von scheinbar risikoloser Verschuldung gepaart mit risikoloser Rendite einträchtig aufgebaut haben, funktionieren sie nach sehr verschiedenen Prinzipien.

    Ein paar davon, wie etwa Ordnungspolitik, Rechtsrahmen oder institutionelles Tragwerk, hat der Autor immerhin selbst genannt, freilich sogleich hinzugefügt, dass 27 EU-Mitglieder und 17 Euro-Staaten sich doch bitte weit schneller neu erfinden und konstituieren müssten als bisher geschehen. Er will dieser E-UNO Beine machen, bei der das 28. Mitglied schon vor der Tür steht, sie möglichst rasch den Erfordernissen des Finanzsystems und seinem drängenden Ruf nach mehr Geld anpassen.

    Vom Professor einer Finanzhochschule in Frankfurt ist vielleicht kaum anderes zu erwarten. Doch seine Aufgabe besteht – nur zur Erinnerung – primär darin, sinnvolle Vorschläge für den Umbau des Finanzsystems, zur Regulierung und Kontrolle des Bankensektors und vielleicht zur Beendigung des aberwitzigen privat-öffentlichen Schneeballsystems der Staatsschuldenfinanzierung (mit Schulden fällige Schulden bedienen) zu machen. Europa käme leichter aus der Krise, wenn Limitierungen beachtet sowie Aufgaben und Funktionen klarer respektiert würden – zwischen Banken und Staaten, Nutzen und Verantwortung, Risiko und Haftung, aber auch zwischen Finanzexperten und Staatsmännern.

  2. 20. Juli 2012 um 00:33

    Herrn Winklers EURO-Dauerkrisenbegründung sind bestenfalls Auswirkungen,aber keine Ursachen. Ursache,gehe davon aus auch Herrn WInkler bekannt.“Der EURO ,verheerende Auswirkung einer GEMEINSCHAFTSWÄHRUNG für 17 absolut unterschiedlichen Nationalstaaten!!Dazu das TABU EURO über das man nicht Reden darf,gleich eines „Heiligtums“.Die Systemverteidiger betätigen sich demnach in Ursachenvernebelung Herr WINKLER

  3. Harald Münzhardt
    19. Juli 2012 um 17:23

    „…Winkler sieht vor allem ein Vertrauensproblem. So schreibt er: “In der Finanzkrise 2008 wurde demonstriert, welche Instrumente verhindern können, dass sich der Vertrauensverlust in einzelne Banken zu einer Systemkrise ausweitet“

    Falsch Herr Kaelble!

    Es geht nicht um eine Krise, die sich entwickeln könnte, sondern um eine systemimmanente Krise, die im Zinssystem begründet ist.

    Man kann nicht unbegrenzt Geld aus dem Nichts schöpfen!

    Und da aber immer wieder einige wenige davon herrlich profitieren, wollen sie dieses System am Leben erhalten.
    Und um dabei nicht ertappt zu werden, weichen Sie nachprüfbaren Zahlen aus, deshalb ist dann die Rede von Vertrauen, nervösen Märkten etc.

    Nein, Geld ist keine Sache des Vertrauens,
    sondern des Wissens um die Zusammenhänge.

    Herr Kaelble,

    wenn Sie die sogen. Euro-Krise als „Vertrauensproblem“ definieren, und sich auf den ellenlangen Beitrag von Herrn Winkler beziehen, dann kann ich zu Ihrem Beitrag leider gar kein Vertrauen entwickeln.

    Meine Aufforderung an Herrn Winkler, konkrete Zahlen vorzulegen, nach dem ich Ihrem Link gefolgt bin:

    “ „…Und die brennende Lunte wird immer kürzer. Es ist schon sehr spät, aber ein kräftiger, starker Wasserstrahl könnte das Feuer noch löschen“

    Herr Winkler, verbal mag das ja gut klingen, aber in Ihrem riesigen Aufsatz mit immerhin 19 Quellenangaben vermisse ich ganz konkrete Zahlen.
    Nur an Zahlen lassen sich FÜR und WIDER ökonomischer Entscheidungen abwägen, oder?

    Ich nenne Ihnen zu Ihrem „Feuer“ konkrete Zahlen, bitte rechnen Sie vor, welch „starker Wasserstrahl“ dann in Zahlen ausgedrückt „das Feuer“ dauerhaft ersticken soll!

    Da immer wieder Deutschland als „starkes“ Geberland favorisiert wird, das vielleicht solch einen „starken“ Wasserstrahl vermuten lassen könnte,
    möchte ich Sie mit diesem Zitat aus einem vergleichsweise knapp gefassten Artikel mit insgesamt 24 Quellenangaben konfrontieren:

    „Man wird zunehmend eine notwendige „Integration“ für den Erhalt des Euro für „starke“ Länder propagieren.
    Deutschland ist so ein „starkes“ Land, mit vor allem STARKEN 2000 Mrd Euro SCHULDEN /17/.
    Zum Vergleich die Dimension: 12 Bio Schulden allein der Südstaaten (3/4 davon Bankschulden!)“
    Euro-Suggestion und Verfassungsbeschwerde
    freitag.de/autoren/haraldmuenzhardt

    Bitte rechnen Sie jetzt Ihr Modell vor, ich habe Ihnen ganz konkrete Zahlen genannt!“

    Herr Kaelble, vielleicht können Sie Herrn Winkler ja dabei zur Seite stehen?

    Zum Nachdenken mit auf den Weg:

    „Die Euro-Krise ist jedoch nicht nur ein währungsspezifisches Phänomen. Die Krise reflektiert auch das Endstadium unseres Geldsystems. Dieses beruht auf einer stetigen Ausweitung der globalen Schuldenmenge“ Prof. Senf
    mmnews.de/mmnewstv/%3Cwbr%3E5440-euro-diefalle-schnappt-zu#13426878387802&if_height=206

    1/21 Prof. Bernd Senf – Tiefere Ursachen der Weltfinanzkrise Teil II
    youtube.com/watch?v=NCEkqXB9684

    Harald Münzhardt
    13059 Berlin

  1. 31. Juli 2012 um 12:27
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