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Jahrestagung des VfS 2012 – Exportschlager Hartz-Reformen

12. September 2012

Aller Störfeuer zum Trotz traten Deutschlands Ökonomen in Göttingen ziemlich selbstbewusst auf. VfS-Chef Michael Burda sieht in Schröders Arbeitsmarktreformen eine Blaupause für die Euro-Südländer – selbst wenn das die Rezession von Wirtschaft und Arbeitsmärkten dort erstmal verschärfen dürfte.

Kritik am Verein für Socialpolitik hagelt es in diesem Jahr zuhauf: Erstmals seit seiner Gründung gibt es eine Gegenveranstaltung, die organisierende Arbeitsgruppe hält die Themen der eigentlichen Tagung für zu einseitig. Der neue Ethikkodex, eben erst mit über 90 Prozent Zustimmung der Mitglieder beschlossen, wird von einigen Bloggern ebenfalls bereits zerpflückt.

Den VfS ließ das weitgehend kalt. Vielmehr schimmerte in vielen Veranstaltungen und Gesprächen durch: Man ist verdammt stolz auf sich. Die Hartz-Reformen, die weitgehend nach den Vorschlägen der deutschen Volkswirte umgesetzt wurden, waren zwar schmerzhaft – aber eben auch der Grund für das sogenannte Jobwunder, lautet die Geschichtsinterpretation der Zunft. Und was für Deutschland gut war, kann für die kriselnden Euro-Südländer also nicht schlecht sein.

So ist denn auch wenig verwunderlich, dass VfS-Chef Burda (wie am Montag bereits Altkanzler Schröder), die Reformen als möglichen Krisenausweg für Griechenland empfahl. Damit ist er sicher kein Einzelfall: Hätte Walter Krämer kurzerhand einen entsprechenden Aufruf intiiert, wäre eine große Mehrheit wohl schnell gefunden gewesen.

Stellt sich bloß die Frage, ob das wirklich gut gehen kann. In Italien macht Monti derzeit den Schröder – erklärtes Vorbild ist des Altkanzlers Agenda. Das Problem: Die Vorzeichen für Italien sind 2012 ungleich ungünstiger als für Deutschland 2003. Die Arbeitslosenquote im Land südlich der Alpen liegt bereits heute bei fast elf Prozent – im vergangenen Jahr ist sie um 2,5 Punkte und damit so stark gestiegen wie in fast keiner anderen Euro-Volkswirtschaft.

Italiens Wirtschaft steckt in der Rezession, ebenso die gesamte restliche Euro-Zone. Und ernstzunehmende Konjunkturprognostiker erwarten für 2013 allenfalls ein Mini-Plus. Auf eine steigende Nachfrage seiner Nachbarn braucht das Land also nicht zu hoffen. Genau davon profitierte Deutschland jedoch Mitte der 2000er Jahre. Die Binnenwirtschaft lag am Boden, dass die Gesamtwirtschaft wuchs, war in erster Linie dem Boom im Rest des Kontinents zu verdanken.

Die Arbeitslosigkeit in Deutschland stieg in dieser Zeit weiter, bis Frühjahr 2005 auf über fünf Millionen Erwerbslose, die Quote auf über zwölf Prozent. Gut möglich, dass die Joblosenquote in Italien schon bald auf 15 Prozent und mehr steigt.

Ob Länder wie Griechenland und Spanien mit den weltweit höchsten Arbeitslosenraten eine solche Reform verkraften, darf dann getrost bezweifelt werden. Dort ist inzwischen bereits jeder Vierte ohne Job. 25 Prozent. Dass die Prognosen der Ökonomen für die kommenden Monate nicht bei 30 Prozent und mehr liegen, ist meiner Einschätzung nur der fehlenden Phantasie geschuldet. Aber es wäre nicht das erste Mal in dieser Krise, dass Vorhersagen deutlich nach unten revidiert werden müssen.

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  1. Christoph Strebel
    16. September 2012 um 23:28

    Die Industrie ist so produktiv, dass man gar nicht so viele Arbeitskräfte braucht.
    Es gibt eher einen Streit um die Umverteilung der Arbeitslosigkeit. Oder wie man die durchfüttern, die nicht gebraucht werden oder im Ringen der Konkurrenz verloren haben.

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