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Lehrmeister: Paul Krugman – Vergesst die Krise!

23. September 2012

Paul Krugman - Vergesst die Krise!Markt oder Staat? Egal, ob man Paul Krugman in dieser Frage folgt (seine Antwort lautet: Staat!), er stellt sie genau zum richtigen Zeitpunkt. Die 2008 ausgebrochene Finanzkrise ist für ihn der zwingende Anlass, mit dem Dogma des freien Marktes endlich aufzuräumen. Ohne massive Staatsinvestitionen, sagt er, würden die Industrienationen die Krise unmöglich meistern können und vollends in die Depression abdriften.

Zwar bemüht der Nobelpreisträger mit seinem überzeugten Keynesianismus eine bereits 80 Jahre alte Theorie, und wer damit vertraut ist, wird bei Krugman kaum Neues lesen. Alle anderen aber wird das Kontrastprogramm zum Konzept des selbstregulierten Marktes tatsächlich dazu ermuntern, die Krise, ihre Gründe und einen möglichen Ausweg anderswo als üblich zu suchen. Wie immer gelingt es Krugman, seine feinsinnigen und in sich schlüssigen Ausführungen in einer pointierten, leicht verständlichen Sprache zu präsentieren. getAbstract kann das Buch selbst Laien empfehlen, vor allem aber Wirtschaftspolitikern, Unternehmern und Managern, welche die problematische Wirtschaftslage zur Abwechslung aus der keynesianischen Perspektive beurteilen wollen – und unter berufener Führung.

Über den Autoren

Paul Krugman lehrt an der Princeton University und ist einer der renommiertesten Wirtschaftswissenschaftler der Welt. 2008 erhielt er den Wirtschaftsnobelpreis.

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  1. Peter Noack
    30. September 2012 um 08:55

    Was für eine „wirtschaftswissenschaftliche“ Analyse!!!
    Bisher kann man lediglich über die Zusammenfassung von getabsteract diskutieren. Folgt man diesen Thesen, dann entsteht der Eindruck, dass Krugman die Geldpolitik für wirkungslos hält. Man kann genausogut sagen: Sie ist gescheitert. Nach dem Vater Staat die Finanzmärkte gerettet hat, soll er nun die Realwirtschaft retten. Über die Kosten muss man sich keine Gedanken machen. Was sagen, nein schreien die Zahlen?
    Die USA haben, ohne dass die endgültigen Zahlen bekannt sind, 2012 ca. 1.200 Mrd. $ neues Geld als Schulden in die Gesamtwirtschaft, Unternehmen, Privathaushalte und Staat, gesteckt, damit weniger als 2 % Wachstum erreicht werden. Es wurden also 4 $ ausgegeben, um einen Dollar Wachstum zu erreichen. Unter sonst gleichen Bedingungen müssten 1.600 Mrd. $ neue Schulden des Staates dann 3 % oder 450 Mrd. $ Wachstum erreichen. Was nicht erkennbar ist, wie kommt die Wirtschaft dadurch wieder zu einem selbsttragenden Aufschwung? Hat Herr Krugman nicht bemerkt, dass seit der Lehmanpleite die Wirtschaft dem Staat das Wachstum überlässt. Das ist schon zur Gewohnheit geworden. Wie kommt die Wirtschaft da wieder heraus? Durch einen schönen neuen Krieg?
    Europa: Die größte Volkswirtschaft kann 2012 ein „moderates“ Wachstum ohne gesamtastaatliche Neuverschuldung erreichen. Ausgerechnet Deutschland soll jedoch ein Konjunkturprogramm auflegen und damit die Krisenstaaten wirtschaftlich stärken. Wie soll das denn gehen? Braucht Deutschland zusätzliche Infrastruktur, neue Industriekapazitäten, einen Immobilienboom u. ä.? Wenn ein Konjunkturprogramm von 100 Mrd. Euro aufglegt würde, käme das einem Wachstum von einem Prozent der Wirtschaft der Eurozone gleich. Ein Programm von 500 oder gar 1.000 Mrd. Euro könnte da wohl besser sein? Das könnte jedoch keineswegs auf dem Territorium der BRD realisiert werden. Die Krugman zugeschriebene Idee kann nur im Elfenbeinturm eines Nobelpreisträgers ausgedacht sein.
    Zurück zu den USA: Würde die Verdopplung der Staatsschulden bis 2020 der Wirtschaft wieder einen selbsttragenden Aufschwung bescheren? Wenn das nicht garantiert werden kann, dann müssen die Wachstumskräfte der Wirtschaft doch anders geweckt werden oder das Siechtum geht weiter. Japan Gleichzeitig verschieben sich die Kräfteverhältnisse in der Weltwirtschaft. Die Bricstim – Staaten reichen dann die heute stärksten Industriestaaten nach unten durch. Falls der Renminbi bis 2020 um 25 % zum $ steigt, ist China stärkste Wirtswchaftsmacht der Welt. Was schlägt Krugman vor? Vielleicht stehen die Antworten ja im Buch. Ob es nobelpreisverdächtig ist, kann kaum eingeschätzt werden. Die Argumentation ist überwiegend politisch und kaum wirtschaftswissenschaftlich.

  2. 25. September 2012 um 10:19

    Unter “Take-aways” im zweiten Abschnitt heisst es “den globalen Volkswirtschaften mangelt es gleichzeitig an Nachfrageausfall und …..”
    Es mangelt an Nachfrage, nicht an „Nachfrageausfall“… Ein semantischer Fehler, nehme ich an.

  3. Huthmann
    24. September 2012 um 17:07

    Keynes hat im Gegensatz zu Hayek, von Mises nicht verstanden, daß die große Depression der 30ziger Jahre ihre Ursache in einer großen Kreditblase davor hatte. Krugman versteht heute nicht, daß die Finanzkrise ihre Ursache in dem kontinuierlichen Aufbau einer Kreditblase seit den 80ziger Jahren hatte. Was soll man da noch sagen.

    • John Doe
      26. September 2012 um 13:37

      @Huthmann, @Jezz Ben

      Ganz praktisch: wie kommt jetzt das an zu viel an „Kredit“=Geld wieder aus der Welt?

      Zahlen (Quelle BIZ):
      Volumen reale Wirtschaft: $ 70 Trillion
      Volumen lizensierter Finanzbereich: $ 60 Trillion
      Volumen unlizensierter Finanzbereich: $ 702 Trillion

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