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Die Kolumne – Schuldenbremse, aber richtig

5. Oktober 2012

Es ist legitim, Euro-Hilfe nur gegen Bedingungen zu gewähren. Die dürfen sich aber nicht allein im Sparen erschöpfen. Höchste Zeit für ein paar alternative Auflagen.

Für Freunde tief sitzender Sofaklischees ist die Sache klar: Der Spanier ist bekanntermaßen stolz. Deshalb will er nicht um Hilfe fragen. Was blöd ist, weil die Finanzmärkte genau darauf warten.

Die etwas andere Deutung des spanischen Zögerns der vergangenen Wochen könnte sein, dass der Spanier möglicherweise nicht ganz zu Unrecht vor den Bedingungen zurückschreckt, die von Geldgebern in der Euro-Krise üblicherweise an Hilfen geknüpft wurden – und die bisher vor allem darin bestehen, noch ein Kürzungs- und Steuererhöhungspaket zu verlangen. Obwohl alle Krisenländer jetzt schon unzählige Sparpakete umgesetzt haben und die Frage sich aufdrängt, ob es daran noch liegt – oder das nicht die Rezession verschärfte.

Dann sollten die Europäer diese Art Auflagenpolitik stoppen. Und eine neue Definition von Bedingungen entwickeln. Die könnte sich nach der ökonomischen Logik der (gar nicht so durchweg rabiaten) deutschen Schuldenbremse richten.

Spaniens stolze Rezession

Natürlich gibt es Gründe, Hilfen grundsätzlich mit Auflagen zu verbinden. Nicht, weil Hilfen angesichts akuter Eskalationsgefahr auch so in unserem Interesse sind. Und auch nicht, weil sonst jeder käme: Es ist ja eher abwegig anzunehmen, dass sich eine Regierung freiwillig in so eine Krise stürzt – um dann Hilfen anfragen zu dürfen. Die Geldgeber haben einfach grundsätzlich Interesse, dass das Geld optimal genutzt wird.

Gerade hier liegt nur der Haken. Die bisherige Antwort der Krisenmanager lautete, bei jedem neuen Panikschub der Finanzmärkte ein neues Kürzungsprogramm auflegen zu lassen – im Glauben, die Skepsis der Märkte damit zu besänftigen. Mit ernüchternden Ergebnissen. Spaniens konservative Regierung begann Ende 2011, mit einem atemberaubenden Paket die Märkte beeindrucken zu wollen, und schob noch eine Arbeitsmarktreform nach, von manchen schon als spanische Agenda gefeiert.

Das Einzige, was ausblieb, war die Belohnung. Kein Wunder, höhere Steuern und gekürzte Ausgaben rissen die Wirtschaft in eine Rezession, was die konjunkturbedingten Staatsdefizite steigen ließ und das Erreichen der avisierten Gesamtdefizite unmöglich machte. Mit der Folge, dass Spaniens Regierung noch ein Paket nachlegte, was die Rezession verschärfte, dann noch eins und noch eins und nun noch eins. Mittlerweile gibt es das fünfte Sparpaket in zehn Monaten. Und die Kürzungen für 2012 summieren sich nach Schätzung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft auf sechs Prozent der Wirtschaftsleistung. Für 2013 erwarten die Ökonomen der Société Générale nach dem neuen Austeritätsplan, dass Spaniens Wirtschaft um 2,3 Prozent schrumpft – statt nur um 0,5 Prozent, wie Regierung und Geldgeber hofften.

Ganz im Ernst: Gegen all das war der rot-grüne Finanzminister Hans Eichel ein Hallodri. In Deutschland, wo auch schon mal für ein paar Bäume massendemonstriert wird, sorgten seinerzeit bereits Pakete um ein Prozent für nationales Herzrasen.

Das Absurde ist, dass die Europäer trotz immer neuer Rezessionsrückschläge an dem zweifelhaften Prinzip festhalten, geplante Defizite blind einzuhalten – wenn auch mittlerweile mit Abstrichen. Dabei lassen Studien vermuten, dass Kürzungen und Steuererhöhungen kontraproduktiv wirken, wenn Regierungen in einem Jahr mehr als zwei Prozent der Wirtschaftsleistung abzuschöpfen versuchen. So schnell ist gar kein Nachfrageersatz zu kriegen. Zum Vergleich: Die Spanier kommen 2012 auf sechs Prozent, die Italiener auf drei, die Griechen im Schnitt der vergangenen drei Jahre auf 4,5, schätzt Holger Schmieding, Chefökonom der Berenberg Bank – nie da gewesen. Die Konjunkturdiagnosen lauten: „Wegen der stärker als erwartet ausgefallenen Rezession“ werde Italien „seine Budgetziele für dieses und das kommende Jahr nicht erreichen“, schrieben kürzlich die Kieler Ökononomen.

Strukturell statt nominell

Nach einer Studie des Internationalen Währungsfonds* hatten in der Geschichte jene Länder am meisten Erfolg, die hohe Staatsschulden in Zeiten günstiger Zinsen und robusten Wachstums abzubauen versuchten. Das ist das Gegenteil dessen, was nun die Euro-Krisenländer haben: hohe Zinsen und Rezession. Diese Kombination erinnert eher an das historisch schlimmste Beispiel gescheiterten Schuldenabbaus: die Briten, die dank Austerität und Hochzins nach 1918 beides kriegten – eine Depression und weiter steigende Staatsschulden.

Selbst in den Regeln der deutschen Schuldenbremse ist vorgesehen, nur die strukturellen Staatsdefizite zum Ziel zu machen – und bei Rezessionen die entsprechend konjunkturbedingten Steuerausfälle und Mehrausgaben für Arbeitslose erst einmal hinzunehmen. Um ein Hinterhersparen in der Krise zu vermeiden.

Es gibt keinen ökonomisch vernünftigen Grund, dies nicht auch auf Euro-Krisenländer anzuwenden, im Gegenteil – wo das Ausmaß der bisherigen Pakete schon weit jenseits üblicher Belastungsschwellen liegt. „Die Märkte reagieren mittlerweile empfindlicher auf neue Rezessions- und Austeritätspakete als auf höhere nominale Staatsdefizite“, sagt Berenberg-Ökonom Christian Schulz.

Im akuten Fall Spaniens spricht wie bei Griechen und Italienern eine Menge dafür, dass die erneute Marktpanik der vergangenen Monate weniger mit unerfüllten Versprechen zu tun hat als vielmehr damit, dass bisherige Konsolidierungspakete für neue Rezessionsschübe sorgten – und sich die Krise ansonsten zum systemischen Drama verselbstständigt. Dagegen hilft dann nicht, als Auflage für Hilfen die Konsolidierungspakete noch aufzustocken, wenn es an ihnen eben gar nicht mangelte.

Dann wäre es besser, die avisierte Hilfe von ESM und Europäischer Zentralbank schlicht an die Auflage zu binden, alle zuvor vereinbarten Maßnahmen umzusetzen – und die strukturellen Defizitziele beizubehalten.

Der Versuch würde lohnen. Mittlerweile sind mehr als vier von gut sechs Prozent des spanischen Staatsdefizits nach gängiger Rechnung allein konjunktur-, also rezessionsbedingt (siehe Grafik) – in Griechenland sogar sechs von acht Prozent. Das heißt: Wenn es allein gelänge, die Konjunktur wieder normal laufen zu lassen, hätte Spanien kommendes Jahr kein Staatsdefizit mehr.

So eine Konjunktur lässt sich nicht herzaubern, klar. Nur kann das kein Grund sein, die Krise mit neuen Austeritätspaketen zu verschlimmern.

* „The Good, the Bad, and the Ugly: 100 Years of Dealing with Public Debt Overhangs“, IMF Outlook, Oktober 2012.

Email: fricke.thomas@guj.de

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  1. John doe
    11. Oktober 2012 um 10:45

    Sehr geehrter Herr R. B.,

    „Mit „Markt“ habe ich natürlich im speziellen Fall die Käufer spanischer Staatsanleihen gemeint. Ich habe nicht erwartet und bin deswegen etwas überrascht das „ausdeutschen“ zu müssen.“

    Natürlich müssen Sie eindeutschen. Sie geraten sonst in das Dilemma, damit die Interessen der Teilnehmer falsch zu adressieren und sie, wie gewünscht, zu exkulpieren. Nicht die Interessen der Teilnehmer sind dann wesentlich,sondern ein übergeordnetes Etwas hat, denn, so die Prämissen: „Er ist völlig unparteiisch. Er ist ehrlich. Er ist schnell. Und er arbeitet billig.“ unangreifbar entschieden.

    Zum 30. Juni 2011 waren die Top 25 Holding Companies in den USA im Besitz von Derivaten im “Wert” 332.762.954 Millionen Dollar.
    Seit dem 30. September 2008, also etwa zum Zeitpunkt des Zusammenbruchs von Lehman Brothers, hatten die Top 25 Holdings / Banken in den USA 184.729.848 Millionen Dollar an Derivaten im Portfolio. Das ist ein Plus von 148.033.106 Millionen an Derivaten in nur 33 Monaten (Quelle: Rechnungsprüfer der Währungshüter der Nationalen Banken der USA).

    Würde der von allen interessierten Teilnehmern immer wieder kolportierte „Markt“ in seiner Ominpotenz es zu lassen, dass es ein Volumen im unlizenzierten Finanzbereich in Höhe von $ 702 Trillion gibt, im lizenzierten Finanzbereich ein Volumen 60 Trillion gibt, wenn die Realwirtschaft es gerade mal geschafft hat Werte von $ 70 Trillion zu erschaffen (Quelle: BIZ, Basel). Wozu braucht die Realwirtschaft $ 762 Trillion an Volumen um nur mal $ 70 Trillion reale Werte zu erschaffen? Der „Markt“ ist doch ein ziemicher Stümper, wenn es um die Finanzierung von Projekten geht, so, zu Recht, der Comptroller.

    Wie verändert sich substanziell die Aussage, wenn Sie, statt der „Markt“ toleriert keine Regulierung, der „Markt“ gerät in Panik, etc., schreiben (eindeutschen): die Top 25 Holding Companies in den USA tolerieren keine Regulierung, weil sie ihre Gewinne gefährdet sehen, obwohl das Geschäftsmodell als gescheitert angesehen werden kann?

  2. Helmut Mueller
    7. Oktober 2012 um 01:28

    Herr Fricke schreibt: So eine Konjunktur lässt sich nicht herzaubern, klar. Nur kann das kein Grund sein, die Krise mit neuen Austeritätspaketen zu verschlimmern.

    Tatsaechlich wurde die Konjunktur in Griechenland etc. vor der Krise hervorgezaubert,
    naemlich auf Pump. Wenn jetzt die Wirtschaftsleistung, gemessen nach in anderen
    Laendern ueblichen Kriterien, zurueckgeht, so liegt das an dem Kollaps des auf Pump
    aufgeblaehten Importsektors und zudem an dem durch fehlenden Wettbewerb
    verzerrten Preisniveau. Ueber die tatsaechliche Wirtschaftskraft des Landes besagt
    das nur wenig, die hat vielleicht sogar in letzter Zeit zugenommen —- gerade
    durch die Austeritätspakete und den dadurch bewirkten Zwang, sich mehr anzustrengen.

  3. Herbert
    6. Oktober 2012 um 18:34

    Die Peripheriestaaten haben in den letzten Jahren versucht, ihre Haushalte hauptsächlich durch Steuererhöhungen zu finanzieren – Frankreich marschiert jetzt hinterdrein.

    Wachstum kann auf diese Art nicht entstehen. Notwendig wäre vielmehr, Alesina folgend, eine Konsolidierung über die Ausgabenseite. Dazu ist man aber nicht bereit.

  4. Helmut Mueller
    6. Oktober 2012 um 14:48

    Herr Fricke schreibt: Im akuten Fall Spaniens spricht wie bei Griechen und Italienern eine Menge dafür, dass die erneute Marktpanik der vergangenen Monate weniger mit unerfüllten Versprechen zu tun hat …
    Hier einige Beispiele unerfüllter Versprechen der Griechen:
    1. Der Chef der Privatisierungsbehoerde trat zurueck, weil er von der neuen Regierung
    bei der Arbeit behindert wurde — von der Regierung, die verspricht, alles zu tun,
    um die Auflagen der Geldgeber zu erfuellen.
    2. Bis jetzt wurde kein einziger Beamter entlassen, obwohl viele davon ueberhaupt
    keine Aufgabe haben und oftmals gar nicht zur Arbeit erscheinen.
    3. Statt die Beamten zu entlassen, koennte man sie wenigstens umschulen und zur
    Steuereintreibung einsetzen — aber die neue Regierung ist offenbar wie alle
    Vorgaenger nicht ernsthaft daran interessiert, die Steuereintreibung zu verbessern
    und damit ihre Klientel zu vergraetzen. Eine Steuer CD aus der Schweiz, die kuerzlich
    aufgetaucht ist, will man nicht verwenden, weil sie „illegal beschafft wurde.“
    Ueber solche hohe ethische Standards in einem Land, dem das Wasser bis zum Hals
    steht, und wo Korruption, Steuerhinterziehung etc. an der Tagesordnung ist, kann man sich nur wundern …

    Waeren diese und andere Versprechen erfuellt worden, haette das die Maerkte nicht positiv gestimmt ?

    • John Doe
      7. Oktober 2012 um 10:12

      Sehr geehrter Herr Müller,

      „2. Bis jetzt wurde kein einziger Beamter entlassen, obwohl viele davon ueberhaupt
      keine Aufgabe haben und oftmals gar nicht zur Arbeit erscheinen.“

      Meine Fragen:

      Woher wissen Sie, dass diese Beamten keine Aufgabe haben und nicht zur Arbeit erscheinen?

      Wieviele Beamten gibt es in Griechenland und wieviel verdienen die von Ihnen „ermittelten“ Beamten?

      Wie hoch ist der Anteil der von Ihnen „ermittelten“ Beamten in € aus gedrückt mit dem die Schuldenlast des Staates gedrückt werden kann? GR braucht 2012 kurzfristig 40 Mrd. €.

      Handelsblatt 29.06.2012, 18:18 Uhr: GriechenlandZahl der Beamten deutlich zurückgegangen „Laut einem Bericht der Gläubiger-Troika ist Zahl der Beamten in Griechenland deutlich zurückgegangen. Insgesamt sind inzwischen 10,9 Prozent weniger Beschäftigte im öffentlichen Dienst angestellt als noch 2009.“ Ihre Aussage passt nicht!

      Wie viele Beamte müssten in GR entlassen werden? Haben Sie dazu Zahlen?

      Wie sieht das Verhältnis von Beamten im Bezug zur Bevölkerung in Griechenland und Deutschland aus?

      Deutschland: Einwohner: ca. 82 Millionen, Beamte: ca. 1,6 Millionen; jeder 51 in Deutschland ist Beamter.
      Griechenland: Einwohner: 11,4 Millionen, Beamte: 768 000 (Zahl aus Mitte 2010), jeder 14,8 in Griechenland ist Beamter.
      Fazit: Es müssten 544.471 Beamten in Griechenland entlassen werden, um auf ein Niveau vergleichbar mit Deutschland zu kommen. Sie wollen ernsthaft jetzt 544.471 Steuerbeamte haben? Wenn nicht, wo wollen Sie die Leute realitätsbewusst bitte jetzt hin schieben auf den Arbeitsmarkt?

      Arbeitsmarkt. Was haben die Löhne in der Privatwirtschaft mit dem Schuldenabbau zu tun? Werden jetzt die „eingesparten Löhne“ direkt in die Schuldentilgung fließen? Auf welche Art und Weise reduzieren die gesenkten Löhne die Staatsschulden? Wenn nicht, wohin dann? Wie groß wird die Preisreduzierung sein, wenn der Anteil der Löhne am Preis eines Produktes bei rund 30 % liegt? Wieso steigen in GR eigentlich die Preise, wenn doch das Gegenteil eintreten sollte? Die Mindestlöhne werden ggü. 1.1.2012 um 22 % gesenkt. Wie hoch, Herr Müller, sind die Mindestlöhne in GR? Das IW Köln hat Arbeitskosten ermittelt: D=36.50 €/Std., GR=16,10 €/Std. Die BfA hat unter dem Titel „Arbeitsaufnahme im Ausland“ den griechischen Mindestlohn bei rund 1000 €/mtl. angesetzt. Wie beurteilen Sie die angeblich nicht vorhandene „Wettbewerbsfähigkeit“ des griechischen Arbeitnehmers? Was ist falsch, wenn Sie jetzt aufgesummt irgendwelche Indexe bilden, wenn es sich bei GR um ein aus Landwirtschaft und Tourismus gebildetes Volumen handelt, welches einem hochindustrialisiertem Land wie D gegenübergestellt wird? Wie hoch ist der Exportanteil, wie hoch der Binnenanteil am griechischen BIP/BSP? Was passiert, wenn Sie Äpfel mit Birnen vergleichen? Burkina Faso kriegt dann den besten Index!

      Kann es sein, dass dem ureigensten Grundsatz der eigenen Wirtschaftsideologie nicht gefolgt wird: Wenn jeder private Investor sein Geld verliert, weil er sich verspekuliert hat, wenn die Banken/Finanzindustrie es mit ihren Krediten/Fonds und mit einem Leveragefaktor von 208 tun, warum müssen sie jetzt vom Otto Normalverbraucher aus dem gescheitertem Geschäftsmodell alimentiert werden.

      P.S.: Wenn schon Staaten betriebwirtschaftlich behandelt werden sollen, wieso dürfen die Staaten dann keine Gewinne erzielen, ihre Unternehmensabteilungen „Industrie, Banken etc.“ im Hinblick auf die Gewinnerzielungsabsicht auf Vordermann bringen?

  5. R.B.
    6. Oktober 2012 um 13:05

    Thomas Straubhaar hat vor Kurzem sinngemäß die Herausforderungen der Euro-Politik mit einer Gratwanderung zwischen Sparen und Wachstum 1) verglichen.

    Deswegen erscheint m.E. eine Strategie, bei dieser Gratwanderung vorsichtig „auf Sicht“ zu agieren, nicht unvernünftig.
    Denn. Nicht nur die Nehmerländer befinden sich auf der Gratwanderung. Auch die Geberländer, deren Leistungsfähigkeit nicht über Gebühr beansprucht werden darf.

    Es mag – zumindest vordergründig – nicht plausibel erscheinen , warum man sich in Spanien eine sogenannte Austeritätspolitik von Außen aufoktroyieren lässt.
    Alternativ könnte man ja den Euro aufgeben und eine Wirtschafts- und Geldpolitik betreiben, die mehr auf die spezifisch nationalen Probleme ausgerichtet ist.

    Ein Grund neben vielen dürfte die durch jüngste Ereignisse begründete Spekulation auf einen teil- wenn nicht gar vollumfänglichen bail-out sein, finanziert/garantiert von den Geberländern 2) d.h. im Klartext deren Steuerzahlern, um die Altlasten über den noch liquiden/solventen Teil der Euro-“Gemeinschaft“ hinweg zu verteilen.
    Das ist unter dem Strich für Spanien die billigere und damit attraktivere Lösung als die Probleme selbst aufzuarbeiten.
    Der bail-out wird auf jeden Fall stattfinden wegen dem vorherrschenden Totschlagargument in Gestalt der Domino-Theorie. Wird die schon für Griechenland als Rechtfertigung für die Rettungspakete bemüht um wie viel mehr muss sie dann erst für Spanien gelten.

    Die Angst vor der Knute der Troika erscheint übertrieben wie wir im Präzedenzfall Griechenland in Kürze erleben werden.

    Ich vermute, dass es der Markt ähnlich sieht. Deswegen die sinkenden Renditen für spanische Staatsanleihen. Insofern stimmt das Argument mit der Angst und den Zinsen schon aber eben nicht so wie uns manch ein nicht unbegabter Journalist Glauben machen will.

    Mittel- bis langfristig droht dem Bürger in den Geberländern Ungemach in Form von Inflation und/oder Asset-Blasen 3)

    1) wie hier: http://www.ftd.de/politik/europa/:bauprojekte-in-madrid-spaniens-immobilien-irrsinn-startet-von-vorn/70088308.html 😉
    2) Geberländer sind die Länder, die noch relativ leicht n e u e Schulden aufnehmen können und noch über erstklassige Ratings verfügen.
    3) Aus einem Münchner Immobilienmagazin: Lehel in München, 4 Zi. Altbau, 90 m², Bj. 1894, vollständig renoviert, … KP 955.000 Euro (keine Tippfehler !).

    • John Doe
      7. Oktober 2012 um 10:21

      Sehr geehrter Herr R.B.,

      „Ich vermute, dass es der Markt ähnlich sieht“

      Wer oder was ist der Markt und hat er auch eine Adresse?

      Wenn der Markt wie ein Individuum behandelt werden soll, kann es sein, dass er dem ureigensten Grundsatz der eigenen Wirtschaftsideologie nicht folgt: Wenn jeder private Investor sein Geld verliert, weil er sich verspekuliert hat, wenn die Banken/Finanzindustrie es mit ihren Krediten/Fonds und mit einem Leveragefaktor von 208 tun, warum muss jetzt das Individuum „Markt“ vom Otto Normalverbraucher wegen seines gescheiterten Geschäftsmodell alimentiert werden?

      • R.B.
        8. Oktober 2012 um 19:05

        Sg. Hr. John Doe,
        Mit „Markt“ habe ich natürlich im speziellen Fall die Käufer spanischer Staatsanleihen gemeint.
        Ich habe nicht erwartet und bin deswegen etwas überrascht 😉 das „ausdeutschen“ zu müssen.

  6. Friedrich
    6. Oktober 2012 um 10:28

    Ist die spanische Normalkonjunktur die Konjunktur der letzten 8 Jahre? Inclusive Immoblase?

  7. Traumschau
    5. Oktober 2012 um 13:24

    Lieber Herr Fricke,
    dass die Austeritätspolitik zum Scheitern verurteilt ist, konnte man schon vor zwei Jahren wissen. Es gab diverse Ökonomen (u.a. H. Flassbeck), die das präzise vorausgesagt haben. Für mich, als interessierten Laien, ist diese seine Argumentation nur logisch!
    Also, die Spanier haben ein Problem mit ihrem Defizit. So, nun lag der Beitrag des Export bei ca. 25%, d.h. 75% wurden im Binnenmarkt generiert. Die Sparorgien haben NUR dazu geführt, dass der Binnenmarkt abgewürgt wurde, mit den Folgen, die man jetzt – und vorher in Griechenland – besichtigen kann. Höhere Arbeitslosigkeit, höhere Ausgaben für Sozialleistungen, Unternehmen machen mangels Nachfrage pleite oder entlassen Beschäftigte, die Schulden steigen, etc.! Das kann nicht funktionieren, das ist absurd!
    Also, wie kann man jetzt die Leistungsbilanzdefizite abbauen ohne dass der Binnenmarkt zum Teufel geht? Nur langfristig! Zugleich muss Deutschland die Löhne endlich wieder an der Produktivität orientieren. Das müssen die Südstaaten auch, aber man keine Agenda 2010 hoch 2 in ein oder zwei Jahren durchziehen. Die Ungleichgewichte sind seit Einführung des Euro kumuliert – keiner außer Frankreich hat sich an das in Europa vereinbarte Inflationsziel von 2% gehalten. Da muss man ran! Solange man die Ungleichgewichte nicht im Griff hat, muss z.B. die EZB die Staaten mit günstigen Krediten versorgen und gleichzeitig Auflagen machen, die in z.B. 10 Jahren die Gleichgewichte wieder herstellen – auch für Deutschland. Unsere schwache Binnennachfrage wird NOCH überdeckt durch den Exportüberschuss. Lange geht das aber nicht mehr! Jüngst gab es schon einen Krisengipfel der Autobauer im Kanzleramt. So viel dazu!
    Das Konkurrenzprinzip kann man nur auf Unternehmen anwenden – wenn diese unproduktiv sind, werden sie vom Markt verschwinden. Das ist auch kein Problem. Nur Staaten verschwinden nicht einfach! Die Staaten und die Menschen bleiben. Das haben unsere Politikdarsteller immer noch nicht begriffen. Jetzt geben wir Kredite damit die unsere Waren kaufen können – na toll, wir verschenken letztlich unsere Exporterlöse!
    Die einzige vernünftige Art des Wirtschaftens ist es, eine möglichst ausgeglichene Handelsbilanz anzustreben – jedenfalls dann, wenn einem daran gelegen ist, Europa bzw. die Währungszone zusammen zu halten und mit unseren Nachbarn gut auszukommen. Übrigens steht das auch so im Stabilisierungsgesetz – wenn das noch jemand kennt!
    Wenn ein Staat Überschüsse macht, muss ein anderer Defizite machen.
    Der Saldo ist weltweit immer exakt gleich NULL. Wenn wir unbedingt ERSTER werden wollen, dürfen wir keiner Währungsunion beitreten.
    Jedenfalls ist das in Anlehnung an Flassbeck dezidiert meine Meinung – und ich habe mir sehr viele verschiedene Meinungen angehört!!
    Die Zinsaufschläge für Anleihen können auch dadurch entstanden sein, dass im Zuge der Lehman-Pleite die Anleger mal einen Blick auf die Handelsungleichgewichte in der Eurozone geworfen und festgestellt haben, dass sich da was ganz ungesund entwickelt. Aber das ist alles nur meine persönliche Meinung!
    Liebe Grüße
    Andreas Gehrmann

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