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[MarktWirtschaft] Chinas ach so „konservative“ Notenbanker – die Kreditmenge wächst explosionsartig

17. Oktober 2012

Es gibt Wirtschaftsjournalisten in diesem Land, die meinen, Chinas Geldpolitik sei zu restriktiv oder konservativ. Da werden die Währungshüter schon einmal als „die letzten Aufrechten“ gefeiert, wo doch auf der ganzen Welt Notenbanken die Märkte angeblich mit billigem Geld überschwemmen. Ein Blick auf die Kreditdaten der Volksrepublik zeigt da etwas ganz anderes. Wenn es ein Land gibt, das gerade in Liquidität ertrinkt, wo also das Geld nicht nur bei der Notenbank geparkt wird wie in den USA oder im Euro-Raum, dann ist das wohl China!

Wagen wir also ein Blick auf den sogenannten Social-Financing-Index der Notenbank in Peking. Das Barometer misst die breitere Liquiditätsentwicklung in der Wirtschaft, die über die traditionelle Kreditvergabe der Banken hinausgeht –  also auch Darlehen im sogenannten Schattenbanksystem („unregulated transactions of acceptance bills, commercial papers and investment products“), die eben nicht in den Bankbilanzen auftauchen. Chinas Zentralbank hatte das Barometer 2011 eingeführt, um die Geldmengenentwicklung in der Volksrepublik besser beobachten zu können.

Der Social-Financing-Index schoss im September explosionsartig nach oben, er liegt bereits 284 Prozent über dem Vorjahresniveau, was fast schon an den Kreditboom des Jahres 2009 erinnert.

Die weniger schwankungsanfälligen kumulierten Daten (also jeweils seit Jahresanfang) zeigen, dass die Finanzierungssumme in den ersten drei Quartalen 2012 bereits 20 Prozent über dem Niveau des Vorjahres liegt – klar ein kräftiger Anstieg, aber noch weit entfernt von den Übertreibungen aus dem Jahr 2009, was die unmittelbaren Inflationsgefahren vermutlich noch eindämmen sollte.

Was hat China also getan, um die Wirtschaft anzuschieben? Die Notenbank hat ihren Leitzins im Juni und Juli gesenkt – von 6,56 auf 6 %. Den Mindestreservesatz für große Banken hat sie zuvor von 21,5 auf 20 % zurückgenommen. Zudem hat die Planungsbehörde im Sommer neue Infrastrukturmaßnahmen genehmigt, die eine Summe von 1000 Mrd. Yuan (122 Mrd. Euro) ausmachen.  Das ist ein Viertel des riesigen Pakets aus dem Jahr 2009. Der Unterschied zu damals liegt allerdings darin, dass die Zentralregierung diesmal die Finanzierung der Projekte nicht alleine garantiert. Die lokalen Regierungen müssen 25 bis 50 selbst dazu geben – womöglich mit selber aufgenommenen Krediten.

Kein Wunder also, dass sich in den vergangenen Wochen leichte Zuversicht unter Investoren oder dem IWF breit machte, dass China nächstes Jahr wieder auf einen gesunden Wachstumspfad mit mehr als 8 Prozent Wachstum zurückkehren könnte und die harte Landung wieder einmal ausbleibt.

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  1. 18. Oktober 2012 um 02:25

    Tja, nicht mehr viel konservatives dran. Können sich die „modernen“ Länder und Wirtschaftssysteme mal etwas abschneiden ;>

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