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Die Kolumne – Angies jüngstes Opfer

30. November 2012

Drei Jahre haben wir der Kanzlerin sorgsam empfohlen, wie die Krise zu managen ist. Jetzt gehen wir an den Folgen der unzureichenden Umsetzung zugrunde. Wie ungerecht.

Seit klar ist, dass der FTD die Zukunft ausgeht, haben viele Medienleute in den vergangenen Tagen dargelegt, woran das liegt. Und warum das fürs eigene Blatt überhaupt gar nicht zutrifft. Fffff. Wald. Da ist mal von der Konkurrenz aus dem Internet die Rede, mal von strukturell schwindender Bereitschaft, Anzeigen zu schalten. Oder von falschen Entscheidungen.

Alles sicher richtig. Nur der wahre Grund ist bislang nicht wirklich erkannt worden. Es war bei nüchterner Betrachtung: Angela Merkel.

Nun wird der ein oder andere vielleicht sagen, dass das jetzt doch leicht neurotische Züge trägt. Na ja. Sie werden in den nächsten Absätzen selbst sehen, was für die These spricht. Und wie ungerecht die Welt dann wirkt.

Wer nicht auf die FTD hört

Seit drei Jahren haben wir uns immerhin alle Mühe gegeben, der Kanzlerin mit Rat zur Seite zu stehen – und sie vor Unbill im Management der Euro-Krise zu schützen. Was uns nicht voll gelungen scheint.

Immerhin haben wir im beginnenden griechischen Winter 2009/10 überlegt, ob es nicht dumm ist, Hilfe per se auszuschließen, wenn es um eine sich selbst verstärkende Angstspirale wie bei einem Bank-Run geht – weil das sonst andere Länder ansteckt. Wir hatten irgendwie im Gefühl, dass es nicht zielführend ist, ein Krisenland hohe Kreditzinsen zahlen zu lassen, wenn man will, dass das Land seine Schulden ab- und nicht aufbaut. Und wir haben gelegentlich zu unterbreiten versucht, dass es zum Gegenteil von sinkenden Schulden führen kann, wenn einem Land allzu viel Austerität auferlegt wird, es heillos kürzt und Steuern erhöht – weil dann die Wirtschaft einbricht und die Schuldenquote (gemessen an der Wirtschaftsleistung) sofort steigt.

Wir haben uns auch Mühe gegeben, die Eskalation verhindern zu helfen, und im Sommer 2011 gewarnt, nicht unbedingt die Privatgläubiger zu schröpfen. Weil auch das nur neue Panik auszulösen drohe. Stattdessen müsse am Ende in so einer Krise ohnehin die Notenbank das System garantieren. War nur gut gemeint.

Irgendwie vergebens. Frau Merkel hat eigentlich per se immer erst mal das Gegenteil gemacht – erst mal:

* Keine Kredite für Griechenland – bis die Eskalation kam und im eigenen Interesse nichts anderes blieb.

* Rumtata-Austerität – bis klar war, dass das Depression und steigende statt fallende Schulden gibt.

* Strafzinsen – bis die Einsicht reifte, dass das Quatsch ist.

* Privatgläubigerbeteiligung – bis die Krise wie prophezeit eskalierte.

* Poltern gegen EZB-Interventionen – bis auch hier diesen Spätsommer der Druck der Vernunft so groß wurde und die Kanzlerin das jetzt ganz schön gut zu finden scheint.

* Und noch im Sommer ein lautes Merkel-Nein zu „Mehr Zeit für Athen“ – bis zum jüngsten Gipfel, wo genau das beschlossen wurde, weil alles andere kontraproduktiv wäre.

Das Drama ist, dass späte Einsicht nicht vor Schaden schützt. Und dass in den beständig drei bis zwölf Monaten, die es brauchte, bis die Kanzlerin unseren Rat doch umsetzte, die Krise schon wieder weiter eskaliert war. Was dazu geführt hat, dass sie irgendwann auch die reale Wirtschaft hier erfasst hat. Womit wir bei der Ungerechtigkeit der Geschichte wären.

Zwar hat selbst die EZB nun nötigenfalls eindrucksvolle Interventionen angekündigt – was seit Wochen beruhigend wirkt. Nur hat es uns in der Zwischenzeit selbst erwischt. Ein bisschen so wie den guten Winnetou, als er sich rettend vor Old Shatterhand wirft – und dann (Achtung, hier endet, bitte schön, die Parallele) in seinen Armen stirbt.

Dabei erweist sich bei näherer Betrachtung als Todesstoß im Hier und Jetzt jenes besagte Festhalten der Kanzlerin an der griechischen Umschuldung, also Privatgläubigerbeteiligung, das Experten heute als Auslöser der dramatischen Kriseneskalation im zweiten Halbjahr 2011 einstufen. Der Schnitt löste in der Tat damals Panik aus, stieß plötzlich Italien und Spanien in den Angstsog – und sorgte vor allem europaweit dafür, dass Aktienkurse und Konjunktur einbrachen. Das Ifo-Geschäftsklima für die deutsche Wirtschaft stürzte in just diesem Moment jäh ab.

page27 (applicationpdf-Objekt) - Mozilla Firefox 30.11.2012 102534Ergebnis: Seitdem ist es Aus mit den deutschen Wachstumsraten um drei Prozent; die Wirtschaft dürfte jetzt zum zweiten Mal schrumpfen. Und, Achtung: Seit eben diesem Sommer 2011 ist es auch Aus mit jenem vormals zarten, aber stetigen Aufwärtstrend bei den Anzeigenverkäufen deutscher Zeitungen und Zeitschriften (siehe Grafik) – Schluss mit jenem Hoffnungstrend, der mit dem Aufschwung 2009 eingesetzt hatte und allmählich Entlastung versprach, wenn auch nicht auf früheren Niveaus. In den wichtigsten deutschen Wirtschaftsblättern begann darauf der neue und fatale Abwärtstrend, der seitdem ebenso wenig gestoppt wurde wie der Rückgang beim Geschäftsklima – und der mit jenem Konjunktureinbruch nach Merkels Coup begonnen hat. Kein Zufall.

Das vorläufige Ende der Geschichte kennen Sie. Fatal eben. Immerhin hatten uns unsere Geldgeber noch gesagt, dass es nicht so schlimm sei, wenn wir noch mal den ein oder anderen Euro Verlust machen – solang der Trend im Geschäft nach oben gehe. Damit war seit Mitte 2011 Schluss. Woran sich seitdem konjunkturell auch wenig geändert hat.

Nobel wie einst Winnetou

Nun muss das nicht heißen, dass verschwindende Zeitungen sonst nicht in einem oder zwei Jahren weg gewesen wären. Möglich. Nur scheint der Merkel-Faktor doch stark mitgespielt zu haben. Was jetzt wenig ändert. Es lebt sich nur besser, wenn man die tieferen Gründe vollumfänglich versteht – und sagen kann, dass uns die Zukunft mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht ausgegangen wäre, wenn die Kanzlerin nur früher auf unser Flehen gehört hätte. Filmreif.

Nicht auszumalen, was passiert wäre, wenn die Krise im Frühjahr gar nicht eskaliert wäre, das nicht Iren, Portugiesen und Spanier mitgezogen hätte, es dort jetzt keine unnützen Rezessionen gäbe – und unsere grundauf gesunde Wirtschaft ihren eigentlich damals absehbar langen Aufschwung erleben würde. Und der Trend bei den strukturell schwächelnden Umsätzen der Zeitung deshalb konjunkturbedingt zumindest noch in die richtige Richtung ginge.

Jetzt stehen wir da wie Edmund Stoiber, Helmut Kohl, Jürgen Rüttgers, Norbert Röttgen, George W. Bush, Silvio Berlusconi, Nicolas Sarkozy und die anderen, die Angela Merkel auf der Strecke hat liegen lassen. Obwohl wir es so gut meinten.

Da muss Frau Merkel eben ohne uns auskommen. Sie wird schon sehen, was sie davon hat. Da hat sie erst mal keinen, der ihr vorher sagt, welche Entscheidung sie in der Euro-Krise in drei bis zwölf Monaten korrigieren muss. Nicht mehr auf lachsrosa. Kann man nur hoffen, dass das ein oder andere hängen geblieben ist.

Die Zeitung stirbt. Wir denken weiter. Weil wir müssen. Keine Frage.

Email: fricke.thomas@guj.de

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  1. 5. Dezember 2012 um 18:49

    Man hätte vielleicht dafür sorgen sollen, dass Fr. Merkel die FTD nicht erst Monate später beim Frisör liest. Eine kleine Spende in Form eines kostenlosen Abos wäre wahrscheinlich die beste Zukunftsinvestition Europas gewesen. Verpasste Chance …

  2. Traumschau
    4. Dezember 2012 um 21:02

    Lieber Herr Fricke,
    ein grandioser Kommentar. UND: Leider haben Sie Recht!
    Das werden diejenigen Leser, die Ihre Äußerungen für „Unsinn“ halten schon sehr bald merken – vorausgesetzt, diese sind keine Sesselfurzer mit lebenslanger staatlicher Überversorgungs-Pension. Ich persönlich wünsche Ihnen und Ihren Kollegen, dass Sie ein neues Betätigungsfeld finden und nicht einfach aus dem Netz verschwinden. Vielleicht gründen Sie zusammen einen „Alternativen Wirtschaftsblog“? Alternativen brauchen wir allerdings dringender denn jeh …
    Bleiben Sie gesund und heiter!!
    LG Traumschau

  3. Peter Noack
    2. Dezember 2012 um 13:38

    Vielleicht die letzte Gelegenheit, mit einem Kommentar an einer Diskussion in der Financial Times Deutschland teilzunehmen.
    An dem Sarkasmus der Kolumner möchte ich nicht rütteln.
    Diese möglicherweise letzte Gelegenheit möcht ich nutzen, eigene Pläne für Publikationen vorzustellen.
    In einigen Monaten wird das Buch über den Zusammenhang von Finanzmärkten und Realwirtschaft vorliegen. Anschließend kommt ein Buch über DEUTSCHEUROPA.
    Nach dem ich viele Kommentare unter dem Pseudonym Philosoph der FTD gesendet habe, will ich die philosophisch – erkenntnistheoretischen Grundlinien der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung und Lehre vorstellen. Hier ein kleines Beispiel: Wer wird nicht einen Kloppstock loben, wird ihn auch jeder lesen, fragte ein berühmter Deutscher. Wer wird nicht P. Krugman loben? Wird ihn jeder lesen? Wohl eher nicht.
    In seiner Volkswirtschaftslehre betrachtet P. Krugman das Verhalten der Akteure auf den Märkten. Diese Märkte streben nach Ausgleich in einem Gleichgewicht. Dabei unterscheidet er kaum zwischen Güter- und Dienstleistungsmärkten, Faktormärkten bzw. Finanzmärkten.
    Markt, Angebot und Nachfrage, Verkäufer bzw. Käufer sind alles Idealtypen, abstrakte Begriffe, nach Max Weber. Wer kennt denn noch die Lehre der Idealtypen? Bei P. Krugman sind die Marktteilnehmer Individuen, die ein optimales Gleichgewicht erreichen, beim dem keiner schlechtergestellt als andere werden kann. Menschen, die nach Vollkommenheit streben sind die Monaden des Leipziger Philosophen Gottfried Wilhem Leibnitz, der seine Monadenlehre vor über 300 Jahren begründete. Die vollkommenen Monaden erreichen im gegenseitigen Verhalten die sogenannte prästabilierte Harmonie. Weiß das P. Krugman? Wohl kaum. Die philosiophischen Lehren sind jedoch nicht bei Leibnitz stehen geblieben.
    Was immer Wirtschaftsweise, Wirtschaftsforscher und Wirtschaftsmedien veröffentlichen, die dahinter stehenden philosophischen Anschauungen sind immer klar erkennbar. Solche philosophischen Auffassungen werden von den Verfasssern bewusst oder unbewusst mit veröffentlicht.
    Mit dem Verhalten von Marktakteuren als Ausgangspunkt begründet sich eine VWL, wie sie Krugman darstellt. Nimmt man die wichtigste Kategorie der kapitzalistischen Marktwirtschaft, Geld, zum Ausgangspunkt, dann ergibt sich eine völlig andere VWL.
    Mit Vorlesungen zu einer ganzheitlichen Weltwirtschaftslehre wird Geld zu diesem Ausgangspunkt gewählt.
    Zum Jahrestag 2017 wird die Produktion des Mehrwerts in seiner Erscheinungsform des Unternehmensprofits zum Gegenstand gewählt. An den Grenzen der Marktwirtschaft angekommen, wird die Arbeit zur zentralen Augangskategorie. Die darauf gegründete Wirtschaftslehre ist die Antiökonomie zum gängigen Mainstream. Erst danach kann ein Ausblick auf das 21. Jahrhundert gegeben werden.
    Mit diesen Plänen wird deutlich, wie groß der Verlust ist, der mich mit der Einstellung der gedruckten Ausgabe der FTD trifft. Eine ganze Diskussionsplattform geht mir verloren. Für mich kann ich nur hoffen, dass wenigstens noch einige Zeit eine Onlineausgabe weitergeführt werden könnte.
    Mit der Einstellung der FTD geht auch eine Philosophie der Wirtschaftsberichterstattung zu ende. Wird jemand das Ende solch einer Philosophie der Wirtschaftsmedien aufklären? Betrachtet man die FTD als Wirtschsaftszeitung der Elite, dann sollte es doch zu denken geben, dass von einem Prozent der Deutschen, rund 800 Tausend, etwa 400 Tausend aktiv und ca. 200 Tausen im mehr oder weniger aktiven Ruhestand sind. Warum ist es nicht gelungen, wenigstens 100 Tausend tägliche Leser zu gewinnen. Je nach dem, wie diese Frage beantwortet wird, könnte es noch eine Zukunft für das Format geben. Diese Hoffnung leitet mich.

  4. Jimi
    1. Dezember 2012 um 18:34

    Keine Angst Herr Fricke. Früher oder später wird es auch für die deutsche Bevölkerung erkennbar, dass Angie schuld ist und, dass es die von ihr vertretene „Politik“ war, die Europa und die ganze Welt in den Abgrund gestürzt hat.

  5. Klaus T.
    1. Dezember 2012 um 17:29

    Eine Zeitung, die im Grunde nur ein aufgeblähter Wirtschaftsteil des Neuen Deutschland ist, wird niemand ernsthaft vermissen. In seiner unnachahmlichen Larmoyanz unterschlägt Hr. Fricke auch, daß die FTD noch nie schwarze Zahlen geschrieben hat. Zehntausende Exemplare wurden per Lufthansa und Europcar verschenkt. Und warum erwischt der Einbruch bei den Anzeigen ausgerechnet nur die FTD? Eine Zeitung, die sich selbst nicht betriebswirtschaftlich in die Gewinnzone bringen kann fühlt sich berufen, Frau Merkel in volkswirtschaftlich komplexen Fragen zu beraten??? Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall. Nach der Frankfurter Rundschau nun wieder eine Zeitung weniger, die sich in Sachen EU, Euro und dessen „Rettung“ schier überschlagen hat und Kritiker kaum zu Worte kommen ließ. Die Ratschläge des Herrn Fricke werden keinem fehlen. Am wenigsten der Kanzlerin …

  6. Hans Prömm
    1. Dezember 2012 um 17:13

    Ach Herr Fricke, wen es nur die FTD wäre, die unsere Kanzlerin auf dem Gewissen haben wird… Das „Lavieren“ aller Regierenden in dieser Krise ist systemimmanentes Merkmal unserer Parteiendemokratie. Führung, also Entscheidungen treffen und dann entsprechend handeln, ist äußerst riskant in diesem System, denn die Wähler könnten ja einen Verantwortlichen ausmachen, der bei der nächsten Wahl abgestraft wird. Deswegen lassen alle Politiker das Boot lieber treiben als es vorausschauend zu steuern. So schlägt man dann mal an diesem mal an jenem Ufer an, steht als Held da, wenn korrigiert wird und Schuld sind immer die anderen oder die Umstände. Leider treiben wir im Moment auf einen riesigen Wasserfall zu… Die FTD hat den Sturz nun unmittelbar vor sich und die Frage ist: Warum? Ihre Grafik zeigt sinkende Umsätze der Printmedien aus Anzeigenverkäufen – kann sich die FTD nicht auch ohne diese halten? Vielleicht als Wochenzeitung? Die IVW-Website (www.ivw.de) zeigt Ihnen, daß es welche gibt, die unabhängig von der Krise (oder gerade deswegen) ihre Auflage kontinuierlich steigern konnten. Komisch, daß ausgerechnet diese Zeitungen Angela Merkel ganz andere Ratschläge gaben, als die FTD. Bitter, für uns beide, daß Angie immer das tut, was man in der Krise gerade nicht tun darf: Sie wählt den oben beschriebenen „führungslosen“ Mittelweg. Wenn das kein Trost ist! Ad acerbum finem!

  7. ottonormalverbraucher
    1. Dezember 2012 um 14:42

    Wunderbar!
    Nur die Liste der Opfer ist mir ein wenig zu kurz ….
    Ich würde gerne die veramten Griechen und Griechinnen dazu zählen, die ZeitarbeiterInnen in Deutschland und alle NiedriglöhnerInnen. Da kämen schon ein paar Millionen zusammen. Wenn ich weiter denken würde, kämen noch ein paar Millionen zusammen und alle zusammen ……. würden zornig auf die Straße gehen …. mit ihrem gerechten Zorn, ganz ohne Ironie!

  8. R.B.
    1. Dezember 2012 um 11:16

    Sg Hr. Fricke,
    Bei der Konkurrenz (HB) gibt es eine immer lesenswerte tägliche Kolumne mit dem Titel:
    „Was vom Tage übrig bleibt.“
    Im Leben ist oft der erste Eindruck entscheidend. Wenn das Sterbeglöckchen bei einer Zeitung läutet vor allem der Letzte.
    Sie wollen uns doch nicht ernsthaft als Gaga-Fricke oder Merkel-Krisen-Fricke in Erinnerung bleiben. Ich glaube einen Schuss haben Sie noch frei.

    Deshalb mein Aufruf: Legen Sie sich noch mal richtig ins Zeug. Sie können es besser. Die Generalprobe, d.h. konkret dieser Artikel ging ja gründlich daneben.

    Vorschlag:
    Da Sie ein gutes Gespür dafür haben, wie Politiker letztlich entscheiden (wenn auch in Ihren Augen zu spät).
    Wo sehen Sie die Euro-Zone in einer Dekade?
    Wird die Zone auseinanderbrechen oder steuern wir auf ein Friede-Freude-Eierkuchen Europa zu?
    Heile Welt. Alle haben sich lieb.
    Werden Felix Zulauf oder Marc Faber Recht bekommen, die „unendliches Leid“ vorhersagen.
    Wird es gar eine Revolution geben, wie Helmut Schmidt mutmaßt?

    Was ist Ihre Prognose?

    p.s. unbenommen der Differenzen in der Sache wünsche ich Ihnen für die Zukunft alles Gute.

  9. H.Ewerth
    1. Dezember 2012 um 09:03

    Ironie und Selstironie von Thomas Fricke angesichts des bevorstehenden Aus für die die Financial Times Deutschland, gepaart mit einem gehörigen Schuß Wahrheit. Das Nein zumindest von Teilen der FTD-Redaktion zu der in den deutschen Medien sehr weit verbreiteten Merkel-Lobhudelei wird zukünftig fehlen.

  10. Leopold
    30. November 2012 um 23:25

    Was für ein würdeloser Abgang der FTD, dieser Artikel. Er gibt das Bild ab, dass das schwindende Niveau dieser Zeitung der Grund für ihr Ende ist, nicht externe Faktoren.

  11. Klaus Kempter
    30. November 2012 um 19:38

    Großartiger Text! Nicht nur, weil er witzig ist (amüsant wie oft Paul Krugman), sondern weil er in nuce eine Geschichte der „Torheit der Regierenden“ der letzten Jahre bietet – aller unserer Regierenden, auch denen aus der Opposition (ich kann mich noch gut erinnern, wie Peer Steinbrück durch die Lande zog und sich schrecklich kompetent und mutig fand,als er die Gläubigerbeteiligung forderte).
    Schade um die FTD (ich habe sie auch zu selten gekauft).

  12. Dieter Kastl
    30. November 2012 um 18:28

    70% Zustimmung der deutschen Bevölkerung zur (Politik der) Kanzlerin. Schade irgendwie

  13. Indigo
    30. November 2012 um 17:51

    Auch ich habe Schuld am Ende der FTD, denn ich bin kein Abonnent (aus Zeitgründen). Diese Zeitung wird mir fehlen. Zu nennen sind die vielen Gastkommentare, die auch mal eine andere Sicht auf die (Volks-) Wirtschaft geworfen haben.
    Besonders werden mir die Kommentare von Thomas Fricke fehlen. Aber vielleicht findet sich eine mutige Zeitung, die dieser Stimme auch in Zukunft Gehör verschafft.
    Alles Gute !!!!!!!!!!!!!!!!!

  14. Peleo
    30. November 2012 um 15:41

    „Frau Merkel hat eigentlich per se immer erst mal das Gegenteil gemacht – erst mal“

    Danke für den Versuch – und bitte als „Testament“ ausführlich dokumentieren – für die Geschichtsbücher.

  15. Michael W.
    30. November 2012 um 15:39

    Diese Kolumne des Herrn Fricke ist der letzte Beleg dafür, dass seine eingangs geäußerte Selbstdiagnose einer neurotischen Störung zutreffend ist und wenn der Konkurs der FTD ein gutes hat, dann ist es die Einstellung der Fricke-Kolumnen. Wenn ich die Berichte über die FTD-Pleite richtig gelesen habe, dann war die Deutschland-Ausgabe von Anfang an defizitär, heißt also, dass man seit vielen Jahren Verluste schreibt. Der „Höhepunkt“ dieser Kolumne ist ohne Zweifel, dass Herr Fricke behauptet, die Kanzlerin Merkel sei an der Privatgläubigerbeteiligung schuld und diese Beteiligung habe zur Kriseneskalation geführt. Herr Fricke verfügt offenbar nur über ein Kurzzeitgedächtnis. Denn die SPD-Fraktion im Bundestag machte es gegenüber der Regierung zur Bedingung, dass eine Privatgläubigerbeteiligung, die Merkel zunächst ablehnte, erfolge. Andernfalls werde man der Euro-Rettung nicht zustimmen, so die SPD. Die SPD argumentierte, dass es nicht sein könne, dass nur die Staaten und die Steuerzahler haften oder belastet werden sollten, aber die privaten Gläubiger wie z. B. Banken fein heraus seien. Es könne nicht angehen, so die SPD, dass Banken die Gewinne einsteckten und Verluste sozialisiert würden. Schäuble und Merkel setzten sich dann für diese Beteiligung in der Eurozone gezwungernermaßen ein, weil ihnen ansonsten der notwendige Rückhalt im eigenen Land und vor allem der Rückhalt einer großen Mehrheit des Bundestages gefehlt hätte bzw. weil einige wichtige Beschlüsse ohne SPD gar nicht machbar gewesen wären. Herr Fricke sollte auch mal zur Kenntnis nehmen, dass wir in Europa zum Glück keine Diktaturen haben, sondern dass die Entscheidungen demokratisch fallen. Alles, was auf den Weg gebracht wurde, haben die 17 Staaten der Eurozone beschlossen. Und die Programme sind wesentlich auch durch den IWF geprägt worden. Die sog. Troika besteht aus IWF, EZB und EU-Kommission. Im Übrigen hätte Herr Fricke am liebsten gleich zu Beginn der Krise Eurobonds eingeführt, obwohl das so schnell gar nicht gegangen wäre (Vorbereitung und Umsetzung hätten Jahre gedauert), schon verfassungsrechtlich nicht ging und verhindert hätte, dass der notwendige Reformdruck hätte erzeugt werden können. Das ist aber nur eines von zahlreichen Beispielen, bei denen man nur mit dem Kopf schütteln konnte. Wenn sich einer als Ratgeber nicht eignet, dann Herr Fricke. Ich glaube auch nicht, dass die Kanzlerin das je zur Kentnnis genommen hat, was er schreibt. Es ist aber gut, dass er „nur“ schreibt.

  16. popper
    30. November 2012 um 12:11

    Bei allem Schmunzeln und weitgehender Zustimmung Herr Fricke, einen, vielleicht sogar den wichtigsten Punkt für den Niedergang des deutschen Geschäftsmodells, haben Sie, warum auch immer, unterschlagen. Die Exportüberschüsse als Ergebnis einer Kostendumpingpolitik, die massiv mit dazu beigetragen hat, dass andere Länder sich dafür verschuldet haben und wir bis dato keine Kompensationsmöglichkeiten haben, die versiegende Außennachfrage abzufedern. Insoweit kamen nicht nur die Entscheidungen von Frau Merkel immer zu spät, ihr ganzes neoliberales Wunschdenken wurde inzwischen ad absurdum geführt. Und daran ist sie leider bis heute nicht bereit, etwas zu ändern.

  1. 30. November 2012 um 17:00
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