Startseite > Gästeblock > Fabian Fritzsche – Erfolgsstory USA

Fabian Fritzsche – Erfolgsstory USA

22. Januar 2013

Auch die US-Wirtschaft ist noch weit von einer zufriedenstellenden Lage entfernt, die Krise ist noch nicht endgültig überwunden.

Gut vier Jahre nach Einbruch der Wirtschaftsleistung diesseits und jenseits des Atlantiks haben sich die wirtschaftlichen Situationen in den USA und Europa jedoch so weit auseinander entwickelt, dass ein erstes Fazit gezogen werden kann. Abgesehen von den geringen Anpassungen Anfang 2013 im Zuge des Fiscal Cliffs hat die US-Regierung das seit der Rezession 2008/09 sprunghaft angestiegene Haushaltsdefizit akzeptiert, während die europäischen Regierungen spätestens seit 2010 versuchen, mit Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen zu konsolidieren.

Aus Sicht vieler Europäer ist die US-Politik mit dieser Strategie gescheitert. Die Staatsschuldenquote ist von etwa 65% auf rund 100% gestiegen, das BIP-Wachstum ist verglichen mit vor 2008 niedrig, die Arbeitslosenquote nach wie vor hoch. Ein etwas detaillierter Blick auf die Zahlen und ein Vergleich mit Europa zeigen jedoch, wie erfolgreich es war, das Defizit als Ergebnis der Rezession, also als zyklisch zu akzeptieren.

Die Staatsschuldenquote ist zwar tatsächlich deutlich gestiegen, allerdings weniger als etwa in Irland oder Spanien, wo es ebenfalls zum Platzen von Hauspreisblasen kam. Das alleine kann jedoch kaum ein Kriterium sein, da auch ein deutlicher Anstieg nicht den Schluss erlaubt, dass das Schuldenniveau nicht langfristig tragbar ist. Als nachhaltig gilt ein Defizit dann, wenn es die Schuldenquote unverändert lässt. Da die USA ein nominales BIP-Wachstum von 4-5% pro Jahr aufweisen, wäre also selbst ein Defizit von rund 700-800 Mrd. USD pro Jahr bzw. 200 Mrd. im Quartal in dem Sinne nachhaltig. Ein solches Defizit wird voraussichtlich im Laufe des Jahres, also im zweiten oder dritten Quartal 2013 erreicht werden. Im Gegensatz zu fast allen europäischen Staaten steigt die Staatsschuldenquote also 2013 nur noch minimal weiter und wird 2014 sinken. Die Konsolidierungsbemühungen in Europa haben hingegen zu erneuten Rezessionen und damit sinkenden Steuereinnahmen geführt, also das Gegenteil des Beabsichtigten erreicht. Der Blick alleine auf die Staatsschulden ist jedoch ohnehin verkürzt. Ein wesentliches Problem in den USA, aber auch in einigen europäischen Staaten war die exzessive private Verschuldung, die nur kurzzeitig bei stark steigenden Löhnen und Hauspreisen tragbar war, die nun zurückgeführt werden muss. Die privaten Schuldenquoten in Europa sind jedoch bislang nur minimal gefallen, während die private Schuldenquote in den USA seit 2009 deutlich gesunken ist, so stark, dass die Gesamtschuldenquote von Staat und Privatsektor seit Ende 2009 leicht rückläufig ist.

Diese Stabilisierung der Staatsschulden und Zurückführung der privaten Schulden war sicherlich u.a. deshalb möglich, weil die Wirtschaftsleistung zumindest moderat gestiegen ist. Im dritten Quartal 2011 hat das reale BIP der USA wieder das Vor-Krisen-Niveau erreicht. Zu dem Zeitpunkt lag das reale BIP der Eurozone noch fast 2% unter dem Vor-Krisen-Höchststand und fällt seitdem wieder. Bei sinkendem BIP steigt zudem die Arbeitslosigkeit, die Ende 2012 auf den historischen Höchststand von 11,8% gestiegen ist, während die US-Quote (bei gleicher Berechnungsmethodik) unter 8% gefallen ist.

Sicherlich müssen bei einem solchen Vergleich auch nationale Besonderheiten berücksichtigt werden, so hätte etwa Griechenland das exzessive Defizit nicht so einfach akzeptieren können wie es der US-Regierung möglich war. Der Vergleich zeigt jedoch eindeutig, dass die US-Politik erfolgreicher war als die europäische Austeritätspolitik, die nach wie vor ihr vorrangiges Ziel, die Stabilisierung der Staatsschulden, nicht erreicht hat und gleichzeitig zu mehr Arbeitslosigkeit und weniger Wirtschaftsleistung geführt hat. Ein endgültiges Fazit wird man erst in einigen Jahren ziehen können. Sollte sich jedoch auch nur der Trend der letzten drei Jahre fortsetzen, wird die US-Staatsschuldenquote am Ende von Obamas Amtszeit niedriger als jetzt liegen, die private Schuldenquote wird ein Niveau erreicht haben wie zuletzt unter Bill Clinton, also vor der Hauspreisblase und die Arbeitslosigkeit wird annähernd Vollbeschäftigungsniveau erreicht haben.

Schlagwörter: ,
  1. 25. Januar 2013 um 11:38

    ach, und die millionen us – bürger, die in zelten und autos hausen, die nicht beseitigten schäden der naturkatastrophen der letzten 10 jahre und was bleibt vom wachstum der usa, wenn man die ausgaben für innere und äussere aufrüstung abzieht?

  1. 31. Januar 2013 um 13:54
  2. 25. Januar 2013 um 10:18
  3. 23. Januar 2013 um 15:15
  4. 23. Januar 2013 um 12:35
Kommentare sind geschlossen.
Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 156 Followern an