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Wer den Sinn nicht versteht

27. Januar 2013

Unter früheren FTD-Kollegen soll gerade der Wunsch kursieren, niemals in die Lage zu kommen, aus Not beim Handelsblatt arbeiten zu müssen (was mit einer Führungskraft begründet wird). Das ist natürlich völlig unverständlich und unvernünftig und kann ich gar nicht nachvollziehen, und, ach, überhaupt. Es gibt aber noch mindestens einen anderen Job, den man nicht wirklich haben will: Pressesprecher von Hans-Werner Sinn sein.

Da muss man alle paar Wochen samstags oder sonntags am verdienten Wochenende Pressemitteilungen schreiben, weil wieder irgend jemand nicht richtig verstanden hat, was Hans-Werner Sinn in Wirklichkeit sagen will. Wie heute.

Also bitte merken: Hans-Werner Sinn hat nie gesagt, dass es uns schlecht ergeht, sondern nur den Südländern, weil, naja, irgendwas mit Kapital, was brav im Heimathafen bleiben soll (lesen Sie selbst – unten). Mal gespannt, wann die Komplettverwirrung einsetzt, wenn jetzt die Südländer ja offenbar doch die Kurve kriegen und wettbewerbsfähiger werden und uns Marktanteile abnehmen. Da ist dann auch wieder die EZB schuld. Klar. Weil Mario Draghi den schönen Untergang der schludernden Südeuropäer einfach mutwillig gestoppt hat. So ähnlich jedenfalls. Unerhört.

Und hier das heutige Wochenendoriginal:

PRESSEMITTEILUNG

ifo Institut: Richtigstellung einer Fehlinterpretation

München, 27. Januar 2013 – Am Samstag, 26. Januar 2013, machte die Meldung die Runde, ifo Präsident Sinn erwarte eine langanhaltende Wirtschaftsflaute, und wegen der fehlenden Qualifizierung dieser Aussage konnte man den Eindruck gewinnen, die Aussage beziehe sich auf Deutschland oder Europa als Ganzes. Die Nachricht entspringt einer Fehlinterpretation eines am Samstag korrekt von der FAZ verbreiteten Textes, denn dort war allein von Südeuropa die Rede.

Prof. Sinn hat seit drei Jahren immer wieder darauf hingewiesen, dass Deutschland wegen der Umlenkung der Kapitalströme („Das Kapital bleibt im deutschen Heimathafen“) einen sich über viele Jahre erstreckenden Wirtschaftsaufschwung erwarten kann, der zwar durch Konjunkturflauten temporär unterbrochen werden kann, aber doch eine generell günstige Grundtendenz impliziert. Dieser Aufschwung ist das Spiegelbild der Flaute im Süden, die selbst durch den Mangel an Kapital zustande kommt. Die differenzielle Entwicklung zwischen Nord- und Südeuropa ist erforderlich, um die außenwirtschaftlichen Gleichgewichte wiederherzustellen und den Süden relativ zum Norden zu verbilligen, so wie es bei separaten Währungen durch Abwertungen möglich wäre.

In dem Maße, wie öffentliche Kreditgarantien das deutsche Sparkapital doch wieder ins Ausland leiten, wird diese differenzielle Entwicklung freilich abgeschwächt

  1. merijnknibbe
    2. Februar 2013 um 19:04

    It will take Spain decades to get 35% broad unemployment down to, let’s say, 6%. This ueber-unemployment will, however, only lead to a limited decline of the price level, as the larger part of the long term unemployed (and at these levels of unemployment there will be a lot of those) will have little influence on wage negotiations on the labour market – it is very well possible that while unemployment is sky high the kind of people who are easily employable, i.e. people with recent job experience, are scarce! The cure of Sinn is not a cure at all – it’s indeed blood letting an anemic patient. What does happen, of course, is the ‚Keynesian‘ effect that people with lower incomes will consume less which leads to lower imports (and lower German exports). In 2012-III all the current accounts of the southern European countries were already positive… in effect because the economy is smaller, which might become a structural effect. And with regard to this idea that banks taking their money out of these countries and putting it on deposit at the Bundesbank will make Germany richer – can anybody teach Sinn at least the very first lessons of monetary economics? Either you spend the money, leading to higher imports, or you invest it, leading to higher imports and a higher productive capacity. Money has to work. Just repatriating it is as dumb as shifting gold from one vault to another. Oh, wait…

  2. Ecoli
    1. Februar 2013 um 18:28

    Sehr geehrter Herr Fricke,

    ich bin sehr froh, daß Sie auch im Jahre der Herrin (anno domina 2013) eine Plattform gefunden haben, wo man Ihre wunderbaren Kommentare lesen kann!
    Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Kraft, Humor und gute Laune (wir alle werden es brauchen….)!

    MfG

    Ecoli

  3. Ernesto Beran
    1. Februar 2013 um 17:46

    einfach geil die Erklärung, da kann man verstehen daß man als normaler Mensch einfach am besten das Maul hält weil man sowieso nix verstanden hat

  4. Griesing
    28. Januar 2013 um 17:46

    Der Professor (Un)Sinn hat es nicht immer leicht seine neoliberelaen Behauptungen unters Volk zu bringen. Als bekannter Scheinideologe geschieht es ihm recht. Er existiert mit seinem Institut nur deshalb, weil er von Lobbyistenclubs gestützt wird. Makroökonomische Kenntnisse kann er nicht vorweisen, sonst würde er seine eigenen Ergüsse nicht glauben. Seine „Erkenntnisse“ finden ihren Weg in die Öffentlichkeit nur, weil die Medienwelt so gestrickt ist wie zur Zeit. Aber alles ändert sich einmal. Vielleicht darf dann das Professörchen dann auch einen von ihm immer gelobten prekären Job zur Ankurbelung ruinierter Volswirtschaften ausüben. Ich drücke dafür die Daumen.

  1. 1. Februar 2013 um 17:18
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