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Robert J. Shiller: Märkte für Menschen – So schaffen wir ein besseres Finanzsystem

9. Februar 2013

Maerkte fuer MenschenRobert J. Shiller schmiert Balsam auf die geschundenen Seelen der Banker und Manager, Finanztechniker und Regulierer: Die Forderung, dass die Verantwortlichen für die Krise ins Gefängnis gehören, ist für ihn eine „fixe Idee“; Praktiken, die das weltweite Finanzwesen an den Rand des Zusammenbruchs brachten, hält er für „grobe Schnitzer“, die sich korrigieren lassen. Gemäß seinem Hohelied des Finanzkapitalismus ist alles gut und wird noch besser werden, sofern wir nicht auf das unaufgeklärte Demonstrantenvolk, sondern auf die Visionäre hören. Shiller argumentiert durchaus auch branchenkritisch und schlägt jede Menge Verbesserungen vor, fordert aber konsequenterweise nicht weniger, sondern mehr komplexe finanzielle Absicherungssysteme gegen Risiken aller Art. Seine Stoßrichtung, dass der Finanzkapitalismus dazu dienen soll, den Wohlstand zu mehren und gerecht zu verteilen, in allen Ehren – aber glaubt jemand ernsthaft daran, dass die Akteure im Finanzwesen aus diesen hehren Gründen ihrer Tätigkeit nachgehen?

getAbstract ist angesichts Shillers Brillanz erstaunt über die Naivität dieser Annahme, empfiehlt das Buch aber trotzdem allen, die wissen wollen, welchen gesellschaftlichen Nutzen Finanzinnovationen und Finanzspekulanten in einer idealen Welt haben könnten. [weiter]

Über den Autor

Robert J. Shiller ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Yale University und Autor zahlreicher Sachbücher, darunter Irrationaler Überschwang und Animal Spirits.

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  1. John Doe
    17. Februar 2013 um 13:54

    Vom Sieg eines inhumanen Modells
    Frank Schirrmachers „Ego – Das Spiel des Lebens“
    (Frank Schirrmacher „Ego – Das Spiel des Lebens“ (Blessing Verlag, 352 Seiten, 19,99 Euro)
    Rezension: SZ, 16.12.2013

    Am Anfang war es nur ein Wort, eine Fiktion: der „homo oeconomicus“. Doch längst hat dieses Modell die Macht über die reale Ökonomie, vor allem aber über die Individuen gewonnen. „Ego“, die Kapitalismuskritik von FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher, lehrt uns das Grausen. Dazu passen Essays wie die von Joseph Vogls „Gespenst des Kapitals“ und David Graebers „Schulden“.
    Allen ist gemeinsam, dass sie es gewohnt sind, behauptete Sachverhalte und vermeintlich Unverrückbares als Fiktion, als Narration wahrzunehmen, zu deuten. Sie als bloße gesellschaftliche Konventionen zu entlarven, die gewollt, gemacht, als fabrizierte Subjekte und Objekte zelebriert wird. Die Behauptung zu entlarven, dass es sich um ein alternativloses Naturgesetz handelt, gegen welches Widerspruch sinnlos ist.

    Kernthese: Spätestens seit dem Beginn des digitalen Zeitalters haben wir es mit dem „Informationskapitalismus“, der meist mit dem Mittel der asymetrischen Information arbeitet, zu tun. Was sind Informationen anderes als fabrizierte Objekte, die Sinn vermitteln und der Interpretation bedürfen? Wenn schließlich auch Geld nur eine Information ist, wenn auch eine ganz besondere, verdinglicht und virtuell zugleich und mit einer verbindlichen Wertaussage, dann verlangt es erst recht nach Interpreten, die mit vieldeutigen Zeichen und Sprachen umzugehen wissen.
    Schirrmacher beschreibt den Sieg eines synthetischen, letztlich inhumanen Modells – den homo oeconomicus – über die realen Individuen, ihre Lebenswelt, ihre Gesellschaft und Institutionen, ihre Demokratie. Ein Sieg, der für die Unterliegenden außerordentlich verlustreich ist. Das Bizarre daran ist, dass sogar die Unterliegenden heftig daran arbeiten der Unterliegende zu sein.
    Sein Erkenntnisinteresse ist, aus der tiefen Verunsicherung des bürgerlichen Selbstverständnisses abzuleiten, das unter die Herrschaft des neuen, Geist und Seele vereinnahmenden Kapitalismus gerät und sich darin nur noch in entstellter, pathologischer Verfassung wiederfindet.
    „Ego“, die Kapitalismuskritik von FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher, lehrt das Grauen!

  2. John Doe
    17. Februar 2013 um 02:07

    „Über den Autor

    Robert J. Shiller ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Yale University und Autor zahlreicher Sachbücher, darunter Irrationaler Überschwang und Animal Spirits.“

    Was ist er noch?
    http://www.handelsblatt.com/politik/wissenswert/finanzkrise-war-das-alles-erst-das-vorspiel;2021256

    Im Handelsblatt kommt der Yale-Ökonom Robert Shiller, der seit dem Jahr 2000 mit seinen Aussagen über die Börsengeschehnisse richtig gelegen hat, als er das Platzen der verschiedenen Blasen prognostizierte. Nur, auch dieser Ökonom kommt nicht auf die Idee, die Finanzwirtschaft und den Kapitalismus als grottenschlecht und verkehrt zu analysieren. Was hat der Mann während der letzten Jahre getan und wo hat der Mann gelebt? Es ist wohl nicht zu ambitionistisch zu behaupten, dass er in einer „Anderswelt“ lebt, in der z. B. die LIBOR/EURIBOR Manipulation, nur ein Skandälchen unter Vielen, aber nie und nimmer eine kriminelle Handlungen ist! Er vertritt die Ansicht, dass jetzt der Staat gefragt sei, der massiv unterstützend eingreifen müsste, und dies fordert er auch noch heute wortgewaltig ein! Doch das verwundert weniger, wenn man erfährt, dass der Gute eine Firma mit dem Namen „MacroMarkets“ gegründet hat, mit der nach seiner Aussage vorhandene Risiken einfach breiter gestreut werden sollen. Sein Konzept? Das Handelsblatt schreibt es so:

    „In diesem Jahr soll MacroMarkets erstmals schwarze Zahlen schreiben. Seit Mai 2006 sind die ersten Produkte auf dem Markt: Zertifikate, mit denen Investoren auf steigende oder fallende Hauspreise wetten können. Außerdem hat MacroMarkets Papiere entwickelt, die Wetten auf steigende oder fallende Ölpreise erlauben, sogenannte Macro-Shares.“

    Vielleicht sollte Shiller noch eine weitere Wette anbieten, wer kann ihm hier kenntnisreich im Börsengeschäft aus helfen? Wie heisst diese „Anderswelt“? Es ist die Börse, die solche Zockereien (natürlich mit dem Geld anderer) ganz legal und mit dem Segen der Politik anbietet. Die Zocker-Spelunke würde von der Polizei ausgehoben, die Börse wird stattdessen gefeiert!

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