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Wirtschaftsdienst exklusiv – Nahrungssicherheit und Agrarspekulation

17. Februar 2013

Als deutsche Banken im vergangenen Jahr wegen Agrarspekulationen in der Kritik standen, reagierte die Commerzbank mit dem Rückzug aus den Geschäften. Die Deutsche Bank hingegen ließ sich von den Vorwürfen, Lebensmittelpreise in die Höhe zu treiben und Hungersnöte zu verschärfen, nicht beirren. Zuletzt äußerte sich Ilse Aigner missbilligend  zur anhaltenden Aktivität der Deutschen Bank auf Agrarrohstoffmärkten und nannte sie verantwortungslos. Nun relativiert ein Diskussionspapier, das im aktuellen Wirtschaftsdienst zu lesen ist, diese Vorwürfe und heizt die Debatte neu an.

Das Autorenteam um Ingo Pies, Wirtschaftsethikprofessor an der Universität Halle-Wittenberg, stellt ein Kausalverhältnis zwischen Agrarspekulation und Preissteigerung in Frage. Dabei verweisen die Autoren auf drei wichtige Beobachtungen: Zum einen falle die Zunahme des Indexfonds -Volumens auf dem Agrarmarkt nicht mit dem Anstieg der Preise zusammen, sondern sei zeitlich stark vorgelagert. Auch die Abnahme der Lagerbestände und die sehr unterschiedliche Preisentwicklung für Agrarrohstoffe sprechen gegen finanzwirtschaftliche Ursachen für die Nahrungskrise.

Dem entsprechend biete auch die Auswertung 35 aktueller Studien zu dem Thema keine Argumente dafür, dass Terminmarktgeschäfte einen bedenklichen Einfluss auf die Preise für Agrarrohstoffe hatten. Im Gegenteil. Eine Mehrheit der von Pies genutzten Studien, warnen vor einer Überregulierung der Terminmärkte in Form von Limits, Transaktionssteuern und Verboten, da hierdurch der Wettbewerb verzerrt und dem Markt Liquidität entzogen werden könne. Nichtsdestotrotz fordert Pies eine bessere Regulierung und mehr Transparenz.

Um Hungerkrisen effektiv bekämpfen und globale Nahrungssicherheit gewährleisten zu können, so Pies, müsse von der populären aber falschen Diagnose finanzwirtschaftlicher Verfehlungen abgerückt werden. Zutreffend sei nämlich, dass derartige Krisen realwirtschaftliche Ursachen haben. Und diese seien in erster Linie  durch politische Maßnahmen zur nachhaltigen Produktionssteigerung von Agrarrohstoffen zu bekämpfen. Außerdem müssen protektionistische Wirtschaftspolitik und die Subventionierung von Bioenergie neu diskutiert werden.

Der ganze Text als PDF.

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