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Mind the Gap

21. Februar 2013

Oh là là! Wenn das mal nicht aufhorchen lässt: Die konjunkturelle Kluft zwischen den beiden Euro-Schwergewichten Deutschland und Frankreich könnte in diesen Wochen größer denn je seit Einführung der Gemeinschaftswährung sein. Darauf zumindest deuten die jüngsten Umfragen des Londoner Datendienstleisters Markit unter Einkäufern aus diesen beiden Ländern.

Während die deutschen Firmenlenker nach dem schwachen Jahresausklang inzwischen wieder Zuversicht schöpfen, befindet sich die Konjunkturstimmung in Frankreich nahe Rekordtief.

Vor allem die deutschen Dienstleister sind der Markit-Analyse zufolge optimistisch, so sehr wie zuletzt vor über anderthalb Jahren. Ähnliches ergab die vorgestern vom Mannheimer ZEW publizierte Umfrage unter Analysten und Anlegern. In Frankreich nehmen die wirtschaftlichen Sorgen hingegen Überhand: Der heute von Markit veröffentlichte Einkaufsmanagerindex für die Gesamtwirtschaft ist nun zwar minimal gestiegen, liegt mit gut 43 Zählern jedoch noch immer weiter unter der Wachstumsmarke von 50 Punkten.

„Frankreich und Deutschland liegen aktuell so weit auseinander wie nie seit Beginn der Umfragen im Jahr 1998“, kommentierte Markit-Chefökonom Chris Williamson heute. Optisch sieht das dann so aus:D vs F PMI

Nach dem BIP-Rückgang um 0,4 Prozent Ende 2012 droht Frankreichs Wirtschaft nun auch Anfang 2013 ein Minus, befürchten die meisten Auguren – das hieße: Rückfall in die Rezession. Angesichts solcher Aussichten tut Präsident Hollande ganz gut daran, sich von weiteren fiskalischen Einschnitten zu distanzieren – selbst wenn das Defizitziel von 3,0 Prozent in diesem Jahr außer Reichweite gelangt. Denn um diese Zielmarke doch noch zu erreichen, müssten zusätzlich 22 Mrd. Euro eingespart werden, haben die Konjunkturforscher vom Pariser Institut OFCE kürzlich berechnet.

Was die malade Wirtschaft zusätzlich belasten – und die ohnehin schon rekordhohe Arbeitslosigkeit weiter nach oben treiben dürfte. Laut OFCE-Forscher um weitere 200 000 Jobsuchende, beziehungsweise die entsprechende Quote auf satte 12 Prozent.

Häme sind da freilich unangebracht, denn für Deutschlands Wirtschaft stellt Frankreich noch immer den mit Abstand größten Handelspartner rund um den Globus dar. Eine abrupte Rezession in Frankreich wird auch für die hiesigen Unternehmer nicht folgenlos bleiben – ungeachtet der aktuellen Aufbruchstimmung in diesen Wochen. Mehr Aufschluss wird das morgen erscheinende Ifo-Geschäftsklima geben.

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