Startseite > Chefökonom > Trügerische Trennkost

Trügerische Trennkost

8. März 2013

Kommenden Dienstag erscheint das Buch „Wie viel Bank braucht der Mensch?“. Im aktuellen Heft von Capital gibt es daraus schon einen ersten Vorabdruck – zum Thema Trennbankensystem. Botschaft: so eine Trennung von Bankengeschäften, wie sie alle Welt derzeit als großes Mittel gegen Krisen propagiert, mindert vielleicht den Schaden in der Krise – die eigentlichen Ursachen von Exzessen und Crashs behebt das nicht. Und damit verhindert es auch keine Krisen. Zu lesen hier.

Advertisements
  1. Spekulant
    9. März 2013 um 01:35

    Mit dem Trennbankensystem verhält es sich wie mit der Trennkostdiät:
    Die erwünschte Wirkung tritt nur dann ein, wenn man ganz fest daran glaubt.

  2. John Doe
    8. März 2013 um 15:56

    „… mindert vielleicht den Schaden in der Krise – die eigentlichen Ursachen von Exzessen und Crashs behebt das nicht. Und damit verhindert es auch keine Krisen.“

    Was sind denn nun die „eigentlichen Ursachen“?

    1. Die Druckmaschinen der Notenbanken arbeiten nach 2007 fast nur für die Spekulation. Wie ist das Volumen an „Geld“ vor 2007 in die Welt gekommen? Seit 2007 haben die Zentralbanken das Weltfinanzsystem mit mehr als $ 11 Billionen überflutet. Angesichts schwacher Erholungen und Europas zermalmender wirtschaftlicher Probleme, hat sich die Bemühung beschleunigt. Die größten Zentralbanken planen, weitere Milliarden in Staatsanleihen, Hypotheken und Unternehmenskredite zu pumpen. DAX über 8000 Punkte!

    2. Vor der Krise gaben Banken weltweit verbriefte Kreditpapiere (ABS) für jährlich zwei Billionen Dollar aus. Sie verpackten Kredite aus Hypotheken, Kreditkarten, Studentenkredite und Autokäufen. Hedgefondsvolumen rund 650 Billionen €. Volumen der lizensierte Banken .rund 50 Billionen €. Die Basis der Verbriefung ist die Realwirtschaft, deren Volumen ist weltweit rund 60 Billionen € schwer. $ 600 Billionen in groben fiktiven Derivaten sind durch winzige 600 Milliarden Dollar reale Vermögenswerte gesichert! ( IWF die Antwort in einer Notiz mit dem Titel “Shadow Banking: Economics and Policy”; ZeroHedge, 24.12.2012)

    3. Riesige Geld-Monopole. Laut der US-Bundesregierung, vertreten vier sehr große US-Banken 93% der Nominalbeträge der gesamten Bankenbranche und 81% des Netto-Kreditrisikos der Industrie.” Wenn sie einbrechen, würde fast die gesamte US-Wirtschaft abstürzen und brennen.

    JPMorgan Chase: Totale Vermögenswerte: $ 1,812,837,000,000 (knapp über 1,8 Billionen Dollar). Insgesamt in Derivaten: $ 69,238,349,000,000 (mehr als 69 Billionen Dollar).
    Citibank: Totale Vermögenswerte: $ 1,347,841,000,000 (ein bisschen mehr als 1,3 Billionen US-Dollar). Insgesamt in Derivaten: $ 52,150,970,000,000 (mehr als 52 Billionen US-Dollar).
    Bank Of America: Totale Vermögenswerte: $ 1,445,093,000,000 (ein bisschen mehr als 1,4 Billionen US-Dollar). Insgesamt in Derivaten: $ 44,405,372,000,000 (mehr als 44 Billionen Dollar).
    Goldman Sachs: Totale Vermögenswerte: 114.693.000.000 $ (ein bisschen mehr als 114 Milliarden US-Dollar). Insgesamt in Derivaten: $ 41,580,395,000,000 (mehr als 41 Billionen Dollar). Goldman Sachs hat den Vorteil gegenüber anderen Banken, weil sie ehrfurchterregende Verbindungen in der US-Regierung hat. Viele der ehemaligen Goldman-Mitarbeiter halten US-Regierungs-Positionen auf hohem Niveau.

    Das bedeutet, dass das Gesamtengagement, das z. B. Goldman Sachs zu Derivate-Kontrakten hat, mehr als 362-mal größer als ihre Bilanzsumme ist!

    4. Wer ist da an den Schaltstellen unterwegs? Die Zentralbanker führen,ein Experiment mit hohem Risiko durch und beziehen sich zum Teil auf wissenschaftliche Arbeiten einiger der Männer, die in den 1970er und 1980er Jahren an dem Massachusetts Institute of Technology studierten und lehrten. Der Spitzname dieser Gruppe ist: „Chikago-Boys“. Die „Ivy-League“. Sie haben schon einmal Schiffbruch erlitten, damals in Chile. Wem sind die Namen noch präsent?

    MIT Selbstverständnis: MIT has a strong entrepreneurial culture. The aggregated revenues of companies founded by MIT alumni would rank as the eleventh-largest economy in the world.MIT managed $718.2 million in research expenditures and an $8.0 billion endowment in 2009.

    Wie kriegt man es zu Stande, dass das täglich bewiesene falsche Experiment, die Finanz- und Dienstleistungsindustrie ist, den gelebten Neo-Liberalismus, im Wege des Dogmas, das im Einzelfall und generell nicht mal bewiesen werden muss, als Ersatz für die Realwirtschaft zu installieren.
    Jeder Wissenschafler, aber kein Ideologe, würde seine Theorie sofort einstampfen, wenn schon so oft der falsche Ansatz durch die Realität bewiesen wurde. Wer die Form der Nachfolge des Feudalismus, den Meudalismus, haben will, der wird mit Zähnen und Klauen, wie tagtäglich nach zu lesen und zu hören ist, weiter an seinem falschen Ansatz, gegen die Ehrhardt´sche Forderung nach „Wohlstand für Alle“, fest halten.

    Wir lesen in einem Lexikon im Jahre 1863 über den Liberalismus folgendes:
    „Anstatt von einem inhaltsvollen Freiheitsbegriff auszugehen, beschränkt sich der Liberalismus auf die Negation und wird dadurch zu einer vorzugsweise zersetzenden Kraft. Die Freiheit ist ihm nur die Losgebundenheit und indem er, von der Personalität ausgehend, alles auf das Individuum bezieht, muß die Freiheit, schließlich in eine allgemeine Herrschaft der Interessen auslaufen. Bei der Leerheit seines Freiheitsbegriffs … muß schließlich immer ein Kampf der Besitzenden mit den Besitzlosen entstehen, welcher durch die Waffen entschieden wird. So schlägt der Liberalismus, welcher von der Freiheit des Einzelnen ausgeht, in sein Gegenteil um, d. h. in die Willkürherrschaft des Einen über alle.
    Wenn dies die natürliche und durch die Geschichte bestätigte Folge der zersetzenden Kraft des Liberalismus ist, so führt derselbe auf ökonomischem Gebiete zu einem ähnlichen Resultat. Indem er nämlich auch hier alle Verbindung löst und die Beweglichkeit zum Prinzip alles Erwerbs und Besitzes macht, muß er den beweglichsten Besitz, den Geldbesitz, am meistern fördern und die Geldherrschaft – die ekelste von allen – wird das Individuum dem Capital unterwerfen. Überall ist mit dem Liberalismus zugleich ´die Bestie des materiellen Interesses´, die Geldmacherei eingeführt worden, welche in der Börse ihren Cultus findet. Hier vereinigt sich alles, was es für die liberale Gesellschaft Hohes und Heiliges gibt.“ (Hermann Wagner, Hsg., Staats- und Gesellschaftslexikon, Bd. 12, Berlin, 1863, S. 279f).

  1. No trackbacks yet.
Kommentare sind geschlossen.
%d Bloggern gefällt das: