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Hochzeit fürs Boring Banking

13. März 2013

Bankenausstieg COVER neuWas sagt der Präsident eines Sparkassenverbands und ehemalige CSU-Finanzminister zur Idee, die Banken zu schrumpfen? Gute Idee. Zumindest im Prinzip. Im Grunde seien die Sparkassen ja so eine Art Verkörperung des Boring Banking. Zumindest habe man das den Sparkassen früher ja noch vorgeworfen. So Georg Fahrenschon gestern bei der Präsentation des Buch „Wie viel Bank braucht der Mensch?“ im Projektzentruam der Mercator-Stiftung in Berlin: Man müsse Schluss machen mit dem Prinzip des „making money out of money“, so der Politiker und gelernte Volkswirt. Da tut sich was.

Wobei die Liebe beim Bankenvertreter diesbezüglich natürlich durchaus Grenzen hat. Das dürfe natürlich nicht zur Staatsfinanzierung führen, sagt Fahrenschon. Und im Grunde müssten ja vor allem die Zinsen angehoben werden, damit wieder mehr gespart wird. Ein bisschen durchschaubar, so aus Sparkassensicht, nicht? Auch deutlich höhere Eigenkapitalanforderungen an die Banken scheinen kein Tabu mehr – solange sie nicht das reale Investitionsgeschäft und die Kredite an den Mittelstand oder an Startups treffen.

Von Gerhard Schick, dem finanzpolitischen Sprecher der Grünen, gab’s neben ganz großem Grundsatzlob („ein wirklich wichtiges Buch, das bislang fehlte“) vor allem kritische Anmerkungen zu der aus dem Buch vermeintlich abzuleitenden Rückkehr zum hohen Wirtschaftswachstum der Zeit vor der Finanzglobalisierung. Wobei ich ja finde, dass so ein Wachstum solange nicht notwendig schlimm ist, wie es dazu dient, tatsächlich sinnvolle Dinge herzustellen und legitime Bedürfnisse zu befriedigen. Alter Streit.

Die Antwort, die sich aus dem Buch ableiten lässt, lautet: Wenn es stimmt, dass die Finanzglobaliserung mit all ihren Krisen und Turbulenzen seit Anfang der 80er Jahre eine Menge wirtschaftlichen Schaden hinterlassen und das Wirtschaftswachstum stark gedämpft hat – dann müsste ein Zurückschrauben der Finanzdominanz auch wieder zu mehr Wirtschaftswachstum und Einkommen für die unteren 99 Prozent führen. Keine per se schlechte Sache, oder?

Mehr zum Buch hier. A suivre.

Bankenausstieg COVER neu
  1. 17. März 2013 um 16:58

    Ich empfinde die These, dass ein „Zurückschrauben der Finanzdominanz auch wieder zu mehr Wirtschaftswachstum und Einkommen für die unteren 99 Prozent führen“ müsste, als etwas zu simpel abgehandelt. Die letzten Jahre waren für diese 99% von deutlich mehr Problemen gekennzeichnet als nur Finanzdominanz. Wettbewerbsverschärfungen durch zunehme Markttransparenz und der hohe Innovationsdruck, der auf vielen Branchen liegt, werden in dieser Perspektive ausgeblendet. Und wie genau soll der Abbau der Finanzdominanz konkret aussehen? Eine präzise Antwort auf diese Frage bleiben die meisten Ausführungen zu diesem Problem leider schuldig,

    • 17. März 2013 um 22:56

      Sie haben natürlich Recht, an dieser Stelle ging es ja nur darum, einen kleinen Eindruck von der Buchvorstellung zu vermitteln. Sehr viel mehr Begründung finden Sie im Buch selbst. Vielleicht hat Ihnen das ja Lust gemacht, es zu bestellen.

  2. Traumschau
    14. März 2013 um 03:05

    Herr Fricke, Sie haben m.E. absolut recht! Unser derzeitiges Finanz- bzw. Geldsystem dient nur den größten Kapitalisten, die immer nur bestrebt sind, neue Schuldner zu finden, die quasi die aus dem Nichts geschöpften „Gewinne“, also eigentlich Luftgeld ohne einen Cent realen Gegenwertes, bezahlen. Und – man wurde fündig! Seit der Lehman-Pleite sind das jetzt die Völker hüben wie drüben. Das ist dann aber auch die letzte Zitrone die ausgepresst werden kann. Wir werden sehen, wie lange das noch funktioniert. Aber was kommt dann? Bürgerkriege? Wenn nicht endlich andere Wege beschritten werden, halte ich das für unausweichlich.
    LG Traumschau

  1. 14. März 2013 um 11:00
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