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Wirtschaftsdienst exklusiv – Ein Rekord und seine Hintergründe

18. März 2013

Vom deutschen „Jobwunder“ zu sprechen klingt zwar schön, ist aber nicht ganz richtig. Denn der erfreuliche Rückgang der Arbeitslosenzahlen und der bisherige Höchststand der Erwerbstätigkeit im Jahr 2012 sind durchaus erklärbar, wie die Autoren des aktuellen Zeitgesprächs zeigen.

Sabine Klinger, Mitarbeiterin am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit,  ist überzeugt, dass der aktuelle Beschäftigungserfolg in erster Linie durch eine moderate Lohnpolitik und damit verbunden durch die verbesserte Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft unterstützt worden sei. Liberale Tendenzen der Migrationspolitik spielen an dieser Stelle auch eine prominente Rolle. Die Entwicklung sei jedoch hochgradig paradox. Denn der neue deutsche Rekord existiere trotz ungünstiger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen. Klinger liefert Erklärungen für dieses Phänomen und schließt mit optimistischen Prognosen für das Jahr 2013.

Ähnlich beschreibt es auch Holger Bonin, leitender Mitarbeiter am Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung, in seinem Beitrag. Der Höchststand sei vor allem durch die Hartz-Reformen der Agenda 2010 befeuert worden. Die Reorganisation von Vermittlungsstrukturen und die Einführung des Alg II in Kombination mit der hervorragenden Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft und veränderten Partizipationsstrukturen am Arbeitsmarkt haben zu einer krisenfesten Beschäftigungsstabilität geführt, wie sie heute vorherrscht. Um ein Abflauen des Positivtrends zu verhindern, müssen aber in Zukunft konkrete Handlungsfelder, wie die Chancenoptimierung geringqualifizierter Beschäftigter, in den Blick genommen werden.

Dagegen halten Gustav Horn, Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung und Alexander Herzog-Stein, Referatsleiter am IMK, die Arbeitsmarktreformen für wirkungslos. Die Kernthese ihres Beitrags stützen sie auf einen Konjunkturzyklen-Vergleich für den Zeitraum von 1999-2012. Der derzeitige Beschäftigungsrekord resultiere vielmehr aus der erfolgreichen Beschäftigungssicherung während der Krisenjahre 2008/2009. Hier seien zwar politische Faktoren ausschlaggebend gewesen, allerdings handle es sich dabei vor allem um Maßnahmen antizyklischer Wirtschaftspolitik.

Daniel Ehrig und Bernd Raffelhüschen, Mitarbeiter und Dozent für Finanzwissenschaft  an der Albert-Ludwigs-Unversität,  gehen den Ursachen der aktuell hohen Erwerbsbeteiligung auf den Grund. Ein Vergleich der heutigen Erwerbstätigenzahlen mit den Daten aus dem Jahr 1991 bringt Klarheit und rückt den Anstieg der Frauenerwerbstätigkeit und verstärkte Altersarbeit in den Fokus. Außerdem wagen die Autoren einen Blick in die Zukunft. Der demografische Wandel habe langfristig negative Auswirkungen auf den Wachstumstrend der Zahl der Erwerbspersonen. Als potentielle Wachstumsbremse müsse dieser Entwicklung entgegengesteuert werden. Nachzudenken wäre über Rentenreformen und andere Maßnahmen, die Anreize zur Erwerbsaufnahme setzen.

Der ganze Text als PDF.

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