Startseite > Chefökonom > Nach Zypern – Krisenmanager an den Kosten beteiligen

Nach Zypern – Krisenmanager an den Kosten beteiligen

27. März 2013

Kleiner Nachklapp in Sachen Zypern-Desaster. Wie Forsa im Auftrag des Stern ermittelt hat, glauben 54 Prozent der Deutschen nicht an die Zusage der Kanzlerin, dass die Spareinlagen in Deutschland sicher sind. Unfassbar, was unsere Wahnsinns-Retter da in so kurzer Zeit völlig unnötig und grob fahrlässig angerichtet haben.

Vor zwei Wochen war (vergleichsweise) Ruhe im Eurokrisen-Karton, da hat der Deutsche geruhsam vor sich hin gespart und sich darüber gefreut, sich gelegentlich ordentlich über die instabilen Südländer furchtbar aufregen zu dürfen. Jetzt zweifeln selbst die Deutschen an der Sicherheit ihrer Esparnisse (sie sagen das zumindest). Das ist „financial contagion“ at it’s best (or worst).

Das trägt schon kriminelle Züge, wenn man – wie mit der Ankündigung, nun die Sparer zu schröpfeen – derart lernresistent die falsche Krise bekämpft: in einer Finanz- und Bankenkrise geht es darum, alles zu garantieren, was irgendwie zu wackeln beginnt. Weil sonst nach Kurzem alles wackelt. Das haben ein paar hundert Jahre Finanz- und Bankenkrisen nunmal schlicht und einfach immer wieder gezeigt. Da hilft es auch nicht, darauf hinzuweisen, dass die zyprische Regierung das vorgeschlagen hat. Da wäre es mal gut gewesen, eine offenbar völlig überforderte Regierung vor sich selbst zu schützen.

Vielleicht sollte man einfach mal im besten Sinne des Anreizgedankens darüber nachdenken, einen Mechanismeus zu finden, die Herrschaften von IWF, EZB und EU-Kommission, ebenso wie Frau Merkel und Herrn Schäuble an den Kosten der Kriseneskalation zu beteiligen – statt Sparer, die nichts dafür können, dass die Retter die Krise immer schlimmer machen. In Anlehnung an die Idee vom Private Sector Involvement (PSI), wie sie für Griechenland erfunden wurde, könnte man das dann, sagen wir, Public Idiots Involvement (PII) nennen, oder?

Was die Umfrage noch ergab: Insgesamt machen sich 67 Prozent der Deutschen große (26 Prozent) oder etwas (41 Prozent) Sorgen um ihr Erspartes. Lediglich 33 Prozent zerbrechen sich darüber nicht den Kopf.

Ein Hoch auf die 33 Prozent!

  1. Rano
    3. April 2013 um 11:22

    Am allertraurigsten finde ich, dass die Mehrheit des Wahlviehs ausgerechnet die Hauptverursacherin für kompetent hält, die Misere zu lösen. Aber na gut, einen zweiten Asozialromantiker a la Schröder braucht auch kein Mensch.

  2. S.Kreft
    28. März 2013 um 15:05

    Besser als an den Kosten zu beteiligen, denn auch eine ‚echte Rettung‘ kann kosten, wäre es, die genannten Täter mit einem ordentlichen Leverage für jeden Krisentoten privat zur Kasse zu bitten!

  3. Base
    28. März 2013 um 11:30

    Zu diesen 33% gehöre auch ich. Welche Ersparnisse, welche Sorgen. Die Besorgten kann man leicht beruhigen – erst mal zwei/drei Jährchen arbeitslos, dann in Leiharbeit – da bleibt einem nichts mehr, worum man sich sorgen müsste.

    „Freedom’s just another word for nothing left to loose“ (Bobby McGee)

  4. Rose
    28. März 2013 um 10:16

    In einem Interview hat Peer Steinbrück einmal gesagt, als er vor Jahren (als Finanzminister) mit A. Merkel vor die Presse getreten sei und die deutschen Spareinlagen für „garantiert“ erklärte, sei das nur geschehen, um die Leute zu beruhigen. Zu jener Zeit habe man in der Regierung genau gewußt, daß man überhaupt nicht das Geld habe, um diese Einlagen tatsächlich zu garantieren. Alles reine Psychologie! Damals hat die Beruhigungspille gewirkt, heute wohl nicht mehr. Im Gegenteil!
    Es wäre generell gut, wenn man die Verantwortlichen in den Regierungen zur Verantwortung ziehen könnte für das, was sie anrichten. Aber dann säßen mittlerweile sämtliche Politiker lebenslänglich im Knast.

  5. Traumschau
    27. März 2013 um 14:20

    Hallo, Herr Fricke!
    Ja, ja, … ich kenne da einen ausgezeichneten Brandy mit einem Alkoholgehalt von 33%. Den müssen die Menschen, die sich keine Gedanken um ihre Ersparnisse machen, bei der Befragung aber reichlich intus gehabt haben …
    Diese Dilettanten von der „Eurorettungs-Front“ werden durch ihre grenzenlose Dummheit genau das Gegenteil ihrer „Bemühungen“ erreichen: Der Euro wird zerbrechen!
    Manchmal denke ich, das ist so gewollt. Ich kann mir das schon nicht mehr anders erklären …
    LG Traumschau

  6. 27. März 2013 um 14:06

    Dieser Vorschlag des PII finde ich gut🙂

  1. 7. April 2013 um 17:43
  2. 28. März 2013 um 11:00
  3. 28. März 2013 um 10:01
Kommentare sind geschlossen.
Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 154 Followern an