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Holger Schmieding – Mit Zuversicht ins Jahr 2014

6. Januar 2014

Nach einem erfolgreichen Jahr 2013 blicken wir mit relativ großer Zuversicht in die Zukunft. Auch in den vergangenen zwölf Monaten ist keine der großen Katastrophen eingetreten, die manche Kassandren der Märkte immer wieder heraufbeschworen hatten. Die US-Wirtschaft ist nicht an einer Fiskalklippe zerschellt, Chinas Konjunktur hat keine Bruchlandung hingelegt, der Euro ist nicht geplatzt und von einer echten Inflation ist in der westlichen Welt keine Spur zu entdecken.

Stattdessen treten die Wirtschaften der westlichen Welt immer mehr aus dem Schatten der großen Finanzkrise heraus. In vielen Ländern haben Haushalte neue Finanzpolster als Schutz gegen künftige Krisen aufbauen können. Unternehmen und viele Banken haben ihre Bilanzen saniert. Auch die schmerzhafte Korrektur der Fehlbeträge in den Staatshaushalten kommt in den USA und Europa gut voran.

Mit dem Abflauen der Turbulenzen sind Haushalte, Unternehmen und Banken weniger darauf bedacht, ihr Geld in sicheren, aber ertragsarmen Häfen zu parken, statt es gewinnbringend anzulegen. Mittlerweile erreicht die Geldpolitik immer mehr die die reale Wirtschaft. Insbesondere in den USA, Großbritannien und Japan hat ein geldpolitisch getriebener Aufschwung eingesetzt, der sich vor allem auf eine stärkere Nachfrage der privaten Haushalte sowie auf einen wieder aufwärtsstrebenden Immobilienmarkt stützt.

Auch in Europa hat die Wende zum Besseren längst begonnen. Nachdem der Beschluss über einen griechischen Schuldenschnitt im Juli 2011 die europäischen Kapitalmärkte erschüttert hatte, war die Wirtschaft der Eurozone im Herbst 2011 in eine Rezession abgerutscht, die es sonst in der westlichen Welt nicht gab. Seit die Europäische Zentralbank (EZB) im August 2012 das Machtwort gesprochen hat, um das wir und einige andere Beobachter sie seit dem Herbst 2011 immer wieder gebeten hatten, sind die Turbulenzen rund um den Euro spürbar abgeflaut. Als Folge dieses Schwenks der EZB konnte auch die Eurozone im Frühjahr 2013 wieder auf den Wachstumspfad einschwenken.

Der wichtigste Treiber des neuen Aufschwungs in der Eurozone ist das zunehmende Vertrauen in die Zukunft des Euro. Während in den Zeiten der Euro-Turbulenzen die Angst vor einer ungewissen Zukunft die Investitionsneigung der Unternehmen und die Ausgabenfreude der Haushalte in der gesamten Eurozone gelähmt und die Wirtschaft so in eine Rezession gestürzt hatte, hat sich mit dem langsam zunehmenden Vertrauen in die Zukunft des Euro auch die Binnennachfrage stabilisiert. Dazu kommt, dass nach den Sparerfolgen der Vorjahre der fiskalische Druck langsam nachlässt. 2012 hatten die Staaten in der Eurozone ihre Steuern angehoben und ihre Ausgaben gekürzt um einen Betrag, der 1,5% ihrer Wirtschaftsleistung entsprach. Nach Einschnitten von etwa 0,8% der Wirtschaftsleistung im Jahr 2013 zeichnet sich für 2014 in der Eurozone nur noch ein milder fiskalischer Gegenwind von etwa 0,3% des BIP ab.

Wie bisher wird Deutschland im Aufschwung zu den Vorreitern gehören, vermutlich mit einem Wachstum von etwas über 2% im Jahr 2014. Dabei kann es unter den Reformstaaten am Rande der Eurozone vor allem Spanien, Irland und Portugal gelingen, bereits im Laufe des Jahres 2014 ebenfalls deutlich zuzulegen. Insgesamt erwarten wir für die Eurozone ein Wachstum von 1,2%.

Wie üblich ist auch der Ausblick für 2014 nicht frei von Risiken. Obwohl die Eurokrise weitgehend abgeflaut ist. Bleibt die Lage weiterhin labil. Sollte das Bundesverfassungsgericht Anfang 2014 das Kernstück der EZB-Geldpolitik nach deutschem Recht für illegal erklären, könnte das massive neue Turbulenzen auslösen. Dies ist derzeit das mit Abstand größte Risiko für unseren Wirtschaftsausblick für Europa.

Besondere Sorgen macht uns zudem Frankreich. Es war und ist das einzige größere Land der Eurozone, das immer noch kaum etwas tut, um seinen wirtschaftlichen Abstieg aufzuhalten. Im Vergleich zu den Reformländern im Süden erweist Frankreich sich immer mehr als Reformmuffel.

Sollte dort die Regierung Hollande mit vorsichtigen Reformvorschlägen massive Proteste auslösen und dann dem Druck der Straße nachgeben, könnte dies das Vertrauen der Märkte in die Reformfähigkeit Europas, das sich Länder wie Griechenland, Spanien, Portugal und Irland mit harten Reformprogrammen erarbeitet haben, erneut massiv erschüttern.

Gerade in den Wahlen zum nur begrenzt einflussreichen Europa-Parlament im Mai 2014 könnten die Euro-Gegner für einige Zeit Schlagzeilen machen. Und da sich in Frankreich politische Diskussionen mehr als in anderen Ländern auch schnell in großen Straßendemonstrationen entladen, die gelegentlich auch mal gewählte Regierungen erschüttern, müssen wir das französische Restrisiko im Auge behalten. Aber auch dies ist nicht mehr als ein Restrisiko. Die bessere Konjunktur in der Eurozone wird vermutlich dazu beitragen, die politische Lage auch in Frankreich halbwegs stabil zu halten, auch wenn echte Reformen in Paris vermutlich vorerst nur im Schneckentempo vorankommen werden.

Zum Autor: Dr. Holger Schmieding ist Chefvolkswirt bei der Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG., London, GB.

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  1. 7. Januar 2014 um 00:11

    Im Nachhinein hätten wir eigentlich in vielen Jahren seit der Krise 2008 zuversichtlich in das neue Jahr starten können. Möglicherweise wären dann auch die von Ihnen genannten „Restrisiken“ geringer. Wenn ich Sie richtig interpretiere – die Lage in der Eurozone bleibt „labil“- haben sich wirtschaftliche Daten zwar mit positiver Tendenz verbessert, nicht aber sind die grundsätzlichen Risiken verschwunden. Ist die Verbesserung der Makro-Daten als so positiv zu interpretieren, dass die Eurozone in 2014 ausreichend stabil ist, die verbleibenden Risiken besser als in den Vorjahren zu bewältigen (so die Risiken denn tatsächlich eintreten) ? Wenn diese Frage positiv zu beantworten wäre, ja dann hätten wir mehr Anlass, zuversichtlich zu starten. Wenn wir, trotz dieser unbeantworteten Frage – hoffentlich – zuversichtlich in das neue Jahr starten, hat dies wohl auch psychologische Gründe. Aber das ist ja auch ein ökonomischer Aspekt.
    Allerdings vermisse ich in Ihrem Beitrag noch eine detailliertere Betrachtung des Bankensektors, der zweifelsohne ach Auswirkung auf die realwirtschaftliche Entwicklung hat.

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