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Wirtschaftsdienst exklusiv – Sollten Zentralbanken unabhängig sein?

13. Januar 2014

Die Unabhängigkeit von Zentralbanken war nicht schon immer ein institutionelles Dogma – wie man heute meinen könnte. Der Status hat sich historisch entwickelt und die deutsche Bundesbank hat dabei eine Vorreiterrolle gespielt. Wie es dazu kam, welche Grundsätze zu beachten sind und warum das Dogma neuerdings in Zweifel gezogen wird, diskutiert Stefan Schäfer in der aktuellen Ausgabe des Wirtschaftsdienst.

Schon weit vor der Gründung der Bundesbank hatten sich die Protagonisten des Ordoliberalismus mit der Arbeitsweise von Zentralbanken auseinandergesetzt. Walter Eucken sprach sich gegen eine Unabhängigkeit und für eine Regelbindung aus, denn er war der Auffassung, dass unabhängige Zentralbanker zu diskretionären Entscheidungen neigen und von Interessengruppen beeinflusst werden. Als weiteres Argument gegen die Unabhängigkeit lieferte die Theorie rationaler Erwartungen in den 1970er Jahren die Zeitinkonsistenz politischen Handelns nach: Diskretionär handelnde Geldpolitiker seien nie glaubwürdig und deshalb auch nicht in der Lage, die Inflationserwartungen der Wirtschaftssubjekte in geordnete Bahnen zu lenken.

Mit der Unabhängigkeit wird die Zentralbank allerdings außerhalb des Demokratieprinzips gestellt. Warum die Bekämpfung möglicher Inflationsgefahren im Gegensatz zu anderen wirtschaftspolitischen Aufgaben in den vorpolitischen Bereich zu verbannen sei, wurde von den Ökonomen nicht diskutiert. Immerhin scheint sich aber bei der Gründung der Bundesbank 1957 die öffentliche und die veröffentlichte Meinung – gegen den Widerstand des damaligen Bundeskanzlers Adenauer – für eine Unabhängigkeit ausgesprochen und damit durchgesetzt zu haben. Inzwischen ist das Bundesbank-Modell weltweit zum Standard geworden.

Mittlerweile ist aber in der Wissenschaft ein Streit darüber entbrannt, ob unabhängige Zentralbanken erfolgreicher sind als abhängige. Noch in den 1990er Jahren herrschte Einigkeit darüber, dass Unabhängigkeit die Inflationsraten senkt. Empirische Untersuchungen haben neuerdings allerdings diesen Zusammenhang in Zweifel gezogen. Vor allem ist das Konzept der Unabhängigkeit vielschichtig und empirisch schwer erfassbar. Außerdem unterscheiden sich auch bei unabhängigen Zentralbanken die Politikstile: manche handeln eher diskretionär andere eher regelgebunden.

Die Zentralbanken spielen bei der Bekämpfung der internationalen Finanzkrise eine entscheidende Rolle. Stefan Schäfer hält es für wichtig, den Status der Notenbanken weiter zu diskutieren, da „die Finanzkrise und ihre Bewältigung die bislang etablierte Theorie und Praxis der Geldpolitik von Grund auf in Frage stellen.“

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