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Fabian Fritzsche – Asien, Euro-Peripherie, Schwellenländer – The same procedure every few years

20. Februar 2014

Nachdem die globalen Wachstumshoffnungen in den letzten Jahren, in denen sowohl die USA als auch Europa taumelten, auf den Schwellenländern lagen, hat sich die Einschätzung in den vergangenen Monaten radikal verändert. Brasilien, Indien, Südafrika, Indonesien und die Türkei gelten mittlerweile nicht mehr als Wachstumsstützen, sondern werden als die „fragilen Fünf“ bezeichnet.

Einen ähnlichen Wandel gab es einige Jahre zuvor in der Eurozone. Noch 2005 galt Deutschland als kranker Mann Europas, während der „keltische Tiger“ Irland und Spanien als Wachstumslokomotiven gefeiert wurden und auch Griechenland noch hochgelobt wurde. Und noch einmal einige Jahre zurück, Ende der 1990er Jahre das gleiche Bild in Südost-Asien. Thailand, Malaysia, Indonesien waren bis 1997 die großen Boomländer, bis die internationalen Investoren Angst bekamen und ihr Geld abzogen. Das Wachstum kam zwar nach ein paar Jahren zurück, liegt seitdem jedoch deutlich unter dem Durchschnitt von vor der Asienkrise.

Alle drei Fälle haben gemeinsam, dass sich die Krise bereits lange vorher ankündigte. Es lagen bereits Jahre vor Ausbruch der Krise deutliche Leistungsbilanzdefizite vor, die sich unmittelbar vor Krisenbeginn noch einmal erhöhten. Im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung der betroffenen Volkswirtschaften floss also zunächst sehr viel ausländisches Kapital ins Land. Dieses wurde jedoch nur partiell zum Aufbau von Produktionsstätten genutzt, sondern sorgte vor allem für einen boomenden Immobiliensektor. Die (private) Auslandsverschuldung stieg also an, ohne dass sich die Kapazität, diese Schulden bedienen zu können, im gleichen Maße erhöhte. Die Regierungen der betroffenen Staaten sehen den – offenbar zu hohen – Mittelzufluss jedoch keineswegs als negativ oder als Alarmzeichen an, sondern deuten dies als Zeichen für die Attraktivität ihres Landes als Investitionsstandort und begrüßen natürlich die mit dem Boom steigenden Steuereinnahmen. Allen drei Krisen ist zudem gemeinsam, dass die Staatsverschuldung bis zum Ausbruch der Krise keinerlei Problem darstellt, durch die steigenden Steuereinnahmen und sinkende Arbeitslosigkeit ist die Staatsschuldenquote in allen betroffenen Volkswirtschaften zunächst gefallen oder zumindest nicht gestiegen. Kommt der Kapitalzufluss dann ins Stocken, ist es für Gegenmaßnahmen zu spät, die Blase (am Immobilienmarkt, am Aktienmarkt etc.) platzt, die makroökonomische Korrektur beginnt.

Daraus folgt natürlich nicht, dass jedes Leistungsbilanzdefizit ein unmittelbares Alarmzeichen darstellt, welches sofort bekämpft werden muss. Es gibt durchaus zahlreiche Staaten, die seit vielen Jahren nennenswerte Leistungsbilanzdefizite und entsprechend hohe Auslandsschulden aufweisen, ohne dass es bisher zu einer Krise gekommen wäre und ohne sonstige Anzeichen für eine drohende Krise. Neuseeland und Australien zählen etwa zu diesen Volkswirtschaften. Der wesentliche Grund für deren Stabilität trotz der anhaltenden Leistungsbilanzdefizite ist vermutlich auf die Denominierung der Schulden in der eigenen Landeswährung in Kombination mit einer eigenen Notenbank zurückzuführen. Auch bei Umkehrung der Kapitalflüsse aus dem Ausland können die Auslandsschulden so jederzeit bedient werden.

Die Lehre, die aus den letzten beiden großen Wirtschaftskrisen und den jüngsten Turbulenzen in einigen Schwellenländern zu ziehen sind, lautet also, dass der Blick auf  gängige Größen wie Staatsschuldenquote, Inflation oder BIP-Wachstum nicht nur zu verkürzt ist, sondern die Gefahr einer Krise geradezu verschleiert.  Um künftige Krisen frühzeitig einzudämmen, müssen Leistungsbilanz und Auslandsschulden dringend stärker in den Fokus rücken.

 

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  1. 21. Februar 2014 um 17:22
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