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Bloß kein Bundesbank-über-alles

23. Mai 2014

Noch ein kleines Wochenend-Hupferl zwei Tage vor einer gar nicht so unwichtigen Wahl. Eine führende deutsche Wirtschaftszeitung hat heute den EZB-Chef Draghi etwas überraschend zum Caesar von Europa gemacht – also den Mann, der in Deutschland vor zwei Jahren noch verteufelt wurde (auch von der zitierten Wirtschaftszeitung).

Sehr schön ist, was dazu der große Chef dieser Zeitung in seinem Morning-Briefing formuliert hat: „Mit seiner unkonventionellen Geldpolitik („Whatever it takes“) beendete er die Spekulation gegen den Euro und verschaffte dem Süden Europas wieder Luft zum Atmen. Unser Wochenendtitel „Mario Caesar Draghi“ berichtet von einer geldpolitischen Wunderheilung – und deren Nebenwirkungen.“ Das zeugt, sagen wir, immerhin von einer Bereitschaft, Urteile auch mal zu wenden. Nur, naja, als Wunderheilung wirkt das, was Draghi gemacht hat, natürlich nur für die, die damals prophezeit haben, dass Draghis Einsatz den Untergang des Abendlandes mit sich bringen wird (also für fast alle im Land der angeblich einzigen ökonomischen Wahrheiten). In Wirklichkeit hat Mario Draghi ja nichts anderes gemacht, als was sich aus etlichen Finanzkrisen ableiten ließ und vom Gros der internationalen Experten schon seit Monaten empfohlen wurde: dass es irgendwann in solchen Panikspiralen einen Lender of last resort geben muss, der die Spirale mit einer Garantieerklärung stoppt.

Ein Glück, dass Draghi sich irgendwann gegen den absurden Widerstand der markteffizienzträumenden Bundesbank und ihrer vielen deutschen Treuekunden (auch in den Führungsetagen noch verbliebener führender Wirtschaftszeitungen) durchgesetzt hat.

Allein deshalb sollten wir Sonntag alle europäisch wählen gehen. Nicht auszumalen, wenn in Europa wieder allein die Bundesbank das Sagen hätte (oder in der Krise gehabt hätte). So wie es die Rattenfänger und anderen Luckes als bessere Welt zu propagieren versuchen. Gilt übrigens noch absurder für die französischen und anderen Pendants. Es hat schon etwas naives, wenn Marine Le Pen deklariert, Frankreich müsse wieder selbständig Geldpolitik machen. Ja, viel Spaß dann mit der Bundesbank, die das dann auch wieder machen kann – und alle anderen dann schnell wieder wie Lakaien aussehen lassen wird.

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