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Wirtschaftsdienst exklusiv – Ökonomische Nachteile für Mütter reduzieren! Väter beteiligen!

11. August 2014

Die meisten jungen Väter und Mütter in Deutschland wünschen sich eine gleichberechtigte(re) Teilhabe beider Partner in der Erwerbs- und Familienarbeit. Die gelebte Arbeitsteilung vieler Paare sieht jedoch oft anders aus. Nun plant die Bundesregierung mit dem ElterngeldPlus und dem Partnerschaftsbonus eine gleichmäßigere Aufteilung der Aufgaben zwischen den Geschlechtern zu stimulieren. Die Hamburger Wissenschaftlerinnen Miriam Beblo und Christina Boll stellen in der aktuellen Ausgabe des Wirtschaftsdienst die Probleme dar und untersuchen, ob dies gelingen kann.

Marktferne Tätigkeiten – wie die Betreuung von Kindern – bergen ein Spezialisierungsrisiko, das die Einkommen des sorgetragenden Partners kurz- oder auch langfristig reduzieren kann. Betroffen  sind fast ausschließlich Frauen. Lange Unterbrechungen der Erwerbstätigkeit haben fatale Wirkungen auf das Lebenseinkommen von Müttern: Wenn sie beispielsweise nach der Geburt eines Kindes ein Jahr nicht und danach drei weitere Jahre nur in Teilzeit arbeiten, erleiden sie einen Einkommensverlust von 130 000 Euro. In Deutschland verstärken die Instrumente wie die beitragsfreie Mitversicherung in der Krankenversicherung und das Ehegattensplitting die direkten ökonomischen Anreize für eine Spezialisierung. Institutionelle Betreuungsinfrastruktur wirkt dagegen positiv, schreiben die Wissenschaftlerinnen.

Bisher war das Elterngeld auf in dieser Zeit nicht arbeitende Eltern zugeschnitten, bei Teilzeittätigkeit erhielten sie entsprechend weniger Geld. Die Reform zielt darauf ab, die Rückkehr der Eltern, vor allem der Mütter, in den Beruf zu beschleunigen. Sie sollen bei Teilzeittätigkeit ab Juli 2015 doppelt so lang wie bei Nichtberufstätigkeit, also maximal 28 Monate, das Elterngeld — dann freilich in halber Höhe — erhalten. Diese Dauer kann noch um weitere vier Monate verlängert werden, wenn beide Partner Teilzeit arbeiten: Erwerbstätigkeit in Teilzeit während der Elternzeit wird also nicht durch einen geringeren Transfereinkommensbezug bestraft.

Schon bisher sind Mütter, deren Partner Elternzeit in Anspruch nehmen, stärker erwerbstätig. Aber wird die neue Regelung dazu beitragen, die tiefen sozialisationsbedingten Verhaltensprägungen zu verändern? Untersuchungen haben gezeigt, dass die Kinderbetreuungszeiten von Müttern trotz stärkerer Erwerbstätigkeit nicht gesunken sind. Ob sich die Anreize für eine stärkere Teilzeittätigkeit von Vätern allerdings positiv auf deren Partizipation an der Kinderbetreuung auswirken, bleibt abzuwarten. Die Erwartungshaltung von Arbeitgebern gegenüber Vätern, Überstunden zu machen und zeitlich flexibel zu sein, könnte dem entgegenstehen. Sollte sich die Inanspruchnahme jedoch durchsetzen, könnte ein gesellschaftlicher Prozess in Gang kommen, der teilzeiterwerbstätigen Vätern das Stigma nimmt, weniger leistungsfähig bzw. weniger leistungsbereit zu sein, und eine partnerschaftliche Arbeitsteilung bei den häuslichen Aufgaben begünstigt.

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